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Frühe Kostbarkeiten aus dem Erzgebirge

Weihnachtsausstellung im Stadtmuseum Pirna Frühe Kostbarkeiten aus dem Erzgebirge

Am kommenden Sonntag öffnet die 24. Weihnachtsausstellung im Stadtmuseum Pirna. Bis 19. Februar 2017 sind dort frühe Weihnachts- und Spielzeugfiguren aus dem Erzgebirge zu sehen. Was diese Werke so kostbar macht, berichtet Kuratorin Marion Rasche im DNN-Interview.

Über 100 Jahre alt ist die Lichterfigur, die Kuratorin Marion Rasche in der Hand hält. Den Engel haben die Männelmacher der Familie Timmel einst aus Brotteig geformt. Dies macht die Figur heute kostbar, da viele ihrer „Schwestern“ längst zerbrochen sind.

Quelle: Silvio Kuhnert

Pirna. Die diesjährige Weihnachtsausstellung im Stadtmuseum Pirna ist ab kommenden Sonntag den frühen Erzeugnissen der Männermacher aus dem Erzgebirge gewidmet. Was die Faszination der Lichter- und Spielzeugfiguren ausmacht, berichte Kuratorin Marion Rasche im Interview.

Frage: Frau Rasche, als Kuratorin haben Sie die 24. Weihnachtsausstellung in Pirna gestaltet. Wie ist die Idee entstanden, frühe Weihnachts- und Spielzeugfiguren aus dem Erzgebirge in die Elbestadt zu holen?

Marion Rasche: Die Weihnachtsausstellung hat in Pirna schon eine lange Tradition und dieser wollte ich etwas Schönes hinzufügen. Ich bin im Stadtmuseum nicht zum ersten Mal zu Gast. Im Rahmen einer anderen Ausstellung erzählte ich davon, dass ich privat frühe Figuren aus dem Erzgebirge sammle. Daraufhin wurde ich gefragt, ob ich sie nicht einmal hier zeigen wolle.

Es ist aber nicht nur allein Ihre Sammlung hier zu sehen?

Ich allein hätte den großen Ausstellungsraum mit meinen Figuren nicht füllen können. So trommelte ich weitere Sammler zusammen, so dass elf Leihgeber mit Lichterfiguren und Spielzeug in der Schau vertreten sind. Wir zeigen den Besuchern die Vorgänger der Weihnachtsfiguren, die sie heute in Läden sehen können. Es handelt sich um Raritäten, die nur noch schwer zu finden sind und an denen der Zahn der Zeit nagt. Denn frühes Spielzeug und alte Lichterfiguren wurden vor mehr als 100 Jahren nicht nur aus Holz, sondern auch mit sehr vergänglichen Materialien wie Brotteig, Papier-Maché und Masse gefertigt. Daher sind sie sehr zerbrechlich. Und das Faszinierende an diesen Figuren ist, dass sie einst von einfachen Bergleuten geschaffen wurden, die zu einer wunderbaren Formensprache fanden, ohne je eine Kunstakademie besucht zu haben. Die Ausstrahlung, die Form, die besonders und individuell ist, und auch von einer wunderschönen Naivität machen diese Figuren zu etwas Besonderem und Einzigartigen.

Warum haben die Bergleute einst begonnen, solche Figuren zu formen?

Es war aus der Not geboren. Das Erzgebirge wurde über Jahrhunderte durch den Bergbau geprägt. Er war die Lebensgrundlage der dort wohnenden Menschen, doch immer sichern konnte er diese nicht. Aufschwung und Niedergang wechselten sich ab. Deshalb war es oft nötig, Nebenverdienste zu erschließen oder gar beruflich umzusatteln. Denn viele Bergmannsfamilie hatten nicht nur wenig Geld, sondern auch sehr viele Kinder, die ernährt werden mussten. Die Drechselbank wurde für viele Erzgebirgler irgendwann zum Retter in der Not. Für den Handel und Export spielten die Verlagshäuser, die die Geschäfte ankurbelten und auf den Weg brachten, eine wichtige Rolle. Sie kurbelten das Geschäft an und die Menschen im Erzgebirge konnten davon leben.

Die Ausstellung zeigt auch Miniaturspielzeug. Wie ist es denn zur Verkleinerung von Häusern und Fuhrwerk gekommen?

Das Spielzeug ist aus ökonomischen und nicht aus gestalterischen Gründen kurz nach 1900 verkleinert worden. So stiegen zum einen die Holzpreise und zum anderen wurden die Zölle nach Gewicht bemessen. Ein Schaukelpferd zum Beispiel – für dessen Herstellung benötigte man viel Holz und es brachte Gewicht auf die Waage, dementsprechend kostete es viel. Kleines Spielzeug dagegen war auch für den schmalen Geldbeutel erschwinglich. Der Vorteil davon war, dass eine Vielfalt an Spielfiguren entstand.

Von Silvio Kuhnert

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