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Friedensburg wechselt nach Zwangsversteigerung für zwei Millionen Euro den Besitzer

Friedensburg wechselt nach Zwangsversteigerung für zwei Millionen Euro den Besitzer

Oliver Kreider ließ keinen Zweifel. Ohne Wimperzucken bot der Immobilienunternehmer zwei Millionen Euro für die Friedensburg, setzte sich wieder unter die knapp 40 übrigen Interessenten im Gerichtssaal und vertrieb sich die übrige amtliche Gebotszeit, indem er einen Apfel verspeiste.

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Die Friedensburg hat einen neuen Besitzer, sonst ändert sich kaum etwas. Die Stadt und auch der neue Eigentümer Oliver Kreider streiten nach wie vor, ob im Erdgeschoss des weithin sichtbaren Gebäudes ein Restaurant eingerichtet werden muss.

Quelle: Martin Förster

Dabei hatte das Dresdner Amtsgericht den Verkehrswert für die umstrittene Radebeuler Immobilie mit 1,4 Millionen Euro angegeben. Die zwei Millionen Euro seien schlicht "angemessen für dieses Gebäude", erklärte anschließend Anwältin Jana Neumann, die sowohl Kreider als auch den bisherigen Friedensburg-Besitzer Karsten Weinberg zu ihren Mandanten zählt. Das sehen die Gläubiger ganz ähnlich, wobei es sich um mehrere Banken, Versicherungen und ähnliche Gesellschaften handelt, die eine Gesamtschuld von insgesamt rund 2,8 Millionen Euro ins Grundbuch der Friedensburg eintragen ließen. Sie willigten in die Versteigerung ein.

Die Summe ist aber vor allem auch eine Machtdemonstration. Kaum war sie genannt, wischten manche der Interessenten eifrig über die Displays ihrer Smartphones oder gingen für eilige Telefonate für die Tür. Auch in der letzten Sitzreihe, wo sich der Leiter des Radebeuler Rechts- und Ordnungsamts, Michael Karlshaus, mit drei Begleitern niedergelassen hatte, kam man in Bewegung. Telefonate, Getuschel, dann Schweigen überall im Saal. Kreiders Gebot blieb bis zum Schluss das einzige. Seine dreiköpfige Entourage kam da schon ins Flaxen. "HO-Gaststätte zum fröhlichen Oliver" könnte das Restaurant ja heißen, das Kreider nach dem Willen der Stadt im Erdgeschoss der Friedensburg einrichten soll.

Ein Spruch, der auf das Gerichts- verfahren gemünzt ist, in dem Rade- beul mit Kreider und Weinberg um einen Bebauungsplan streitet, der eine Öffnung der Friedensburg für durch- ziehende Wanderer und eine Gaststätte fordert. Kreider will dagegen die Friedensburg als die Luxuswohnanlage behandeln, zu der sie Weinberg mit In- vestitionen in Millionenhöhe umge- baut hat. Setzt er sich durch, wird der Wert der Friedensburg deutlich steigen, sicher auch die 2,35 Millionen Euro überschreiten, die 2011 in einem Gutachten ermittelt wurden. Mit 500 000 Euro gibt dasselbe Gutachten den Wert an, sollte ein Restaurant ins Erdgeschoss ziehen.

Bei der hohen Gebotssumme gleich zu Beginn ging es wohl entsprechend nicht nur darum, Mitinteressenten abzuschrecken. Kreider wollte wohl auch demonstrieren, wie lang sein Atem im Hinblick auf die ausstehende Entscheidung des Bautzener Oberverwaltungsgerichts ist. Und alles, was diesem Urteil wohl noch folgen könnte.

Im Rathaus zeigt man sich allerdings unbeeindruckt. Viel an der Situation geändert habe sich ja nicht, gab Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos) in einer ersten Reaktion zu Protokoll. Der Wille der Stadt, dem "Wahrzeichen Friedensburg ihre historisch überkommene Gaststättennutzung zurückzugeben", sei nach wie vor groß. Für unverständlich hält er den von Rechtsanwältin Neumann vorgebrachten Einwand, dass seit der Wirtschaftskrise eine Gastronomie in der Friedensburg nicht wirtschaften könne. "Selbst wenn man dort oben nur eine Würstchenbude hinstellt, würde das funktionieren", sieht OB Wendsche ganz andere Erfolgsaussichten. Offen ließ der OB, ob die Stadt auch willens war, für die Friedensburg zu bieten. Es sei nach diesem Ausgang der Zwangsversteigerung unerheblich, ob Ordnungsamtsleiter als Beobachter oder auch als Kaufinteressent im Namen der Stadt angereist war, sagte Wendsche.

Wie es nun weitergeht, hängt vom Gerichtsverfahren ab. OB Wendsche ist zuversichtlich, schließlich hat ein Eilverfahren im Frühjahr zumindest keine offenkundigen Mängel am Bebauungsplan zutage gebracht und ging zu Gunsten der Stadt aus. OB Wendsche macht aber klar: Fällt der Bebauungsplan, sind auch die schon der Stadt zugesprochenen Wegerechte null und nichtig, weil sie auf dem Plan gründen. Das ist auch der Grund, warum die Wegeflächen quer über das Friedensburg-Grundstück bisher noch nicht vermessen sind. Die Gegenseite gibt sich ebenfalls optimistisch. Sie rechne damit, dass das Verfahren bis Ende des Jahres entschieden sei, sagt Rechtsanwältin Neumann. Im Sinne Kreiders natürlich. Was der anschließend mit der Friedensburg plant, ob er dort wohnen will oder sie verkaufen will, lässt sie offen. "Diesen Tagträumen können wir uns jetzt nicht hingeben. So weit sind wir noch lange nicht."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 10.09.2014

Uwe Hofmann

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