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Freitaler Vereine pflegen eine sächsische Bergbautradition

Freitaler Vereine pflegen eine sächsische Bergbautradition

Die Mettenschicht war stets die letzte Schicht vor dem Heiligabend, zu der über viele Jahre hinweg der Steiger Reinhold Klaus in die Grube einfuhr. Seit dem Jahre 2000 fährt der Bergbau-Rentner seine Mettenschicht hoch über Freital in der Pesterwitzer St.

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Zur Mettenschicht trägt der Bergmann Reinhold Klaus das traditionelle Habit.

Quelle: Peter Weckbrodt

Jakobuskirche. Gemeinsam mit dem Freitaler Bergbau- und Hüttenverein hat Pfarrer Matthias Koch für Sonntag, 17 Uhr, zur nunmehr 15. Pesterwitzer Mettenschicht eingeladen. Mit dabei sein werden die Mitglieder des Bergbauvereins Marienschacht in Boderitz und der Bergbautraditionsverein "Gewerkschaft Aurora Erbstolln" aus Dorfhain. In ihr prächtiges Habit gekleidet, sorgen sie für die optischen Glanzpunkte. Die akustischen Akzente setzen der Posaunenchor der St. Jakobuskirche, der Männerchor Poisental und die Musikschule Freital.

Den wieder zahlreich aus Freital, Dresden und aus der Region Herbeieilenden wird ein stimmungsvoller Einblick in das durch den erzgebirgischen Erzbergbau über Jahrhunderte gepflegte Brauchtum der Mettenschichten gewährt.

Im DNN-Gespräch erinnert sich der jetzt 77-jährige Klaus, wie er vor mehr als 60 Jahren im Zwickauer Steinkohlenbergbau als junger, gerade mal 22 Jahre alter Steiger die Mettenschicht noch erlebte: "Die Mettenschicht begann ganz normal mit der Untertagearbeit vor Ort. Die letzten zwei bis drei Stunden ruhte dann die Arbeit. Wir saßen in unserem Abbau zusammen, es wurde geschwatzt, gegessen und auch getrunken." Aber nur Alkoholfreies, stellt er klar! Ihren ursprünglich tiefgläubigen Charakter habe die Mettenschicht zu dieser Zeit allerdings schon lange verloren gehabt. Ursprünglich sei die Mettenschicht mit einer christlichen Andacht verbunden gewesen, in der sich die Bergleute bei Gott - als ihrem obersten Bergfürsten und Erzmacher - vor allem für die Fündigkeit der Erzgänge und den Schutz vor den Gefahren bei der Arbeit bedankt hätten. Die Mettenschicht war, das hebt Klaus besonders hervor, immer ein Brauch der einfachen Bergleute gewesen, den aber die Obrigkeit stillschweigend geduldet habe, obwohl in dieser Schicht ungefähr die Hälfte der Zeit nicht gearbeitet wurde.

Im Jahre 1973 zog der erfahrene Bergmann nach Freital und ging in den Bergbaubetrieb "Willi Agatz" der SDAG Wismut nach Dresden-Gittersee. In Gittersee wurde bis 1989 die so genannte Erzkohle abgebaut, die zur Urangewinnung diente. "Auch hier gab es die Mettenschicht", berichtet er. "Der Brigadeleiter organisierte sie. Wir tranken in Maßen Glühwein und auch zu essen gab es. Jeder brachte etwas mit. Wir scherzten, sangen, erzählten Geschichten, es machte richtig Spaß." Vier Jahre später wechselte Klaus in den Übertagebetrieb, da war dann Schluss mit der Mettenschicht.

Seit 15 Jahren lebt die alte Tradition wieder in der Region, wenn auch mit verändertem Charakter: "Nach der Mettenschicht gibt der Pfarrer eine Glühweinrunde aus, dann gehen nur wir Bergleute in eine Gaststätte. Wir wollen unter Kollegen zusammen sein, Rückschau halten und auch der im Vorjahr verstorbenen Bergleute gedenken."

15. Pesterwitzer Mettenschicht, Sonntag, den 16. Dezember, 17 Uhr in der St.-Jakobuskirche Pesterwitz

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.12.2014

Peter Weckbrodt

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