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Frauenkirche Meißen öffnet am Pfingstsonnabend wieder

Wiedereröffnung Frauenkirche Meißen öffnet am Pfingstsonnabend wieder

Den Klang ihres weltberühmten Porzellans können die Meißner Altstadtbewohner bereits morgens als Weckruf vernehmen. Doch wenn Touristen, für die es eine Attraktion ist, die Kirche besuchen wollten, rüttelten sie vergebens an der Tür: Nach Bauarbeiten öffnet die Frauenkirche am Sonnabend wieder – mit einem Festprogramm über das ganze Pfingstwochenende.

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Mitglieder der Gemeinde reinigen die evangelische Meißner Frauenkirche vor der feierlichen Wiedereröffnung an diesem Pfingstsonnabend.
 

Quelle: Foto: Dietrich Flechtner

Dresden.  Den Klang ihres weltberühmten Porzellans können die Meißner Altstadtbewohner bereits morgens als Weckruf vernehmen. „Wachet auf, ruft uns die Stimme“, ein über 400 Jahre alter Kirchenchoral von Philipp Nicolai, erklingt halb sieben von der Frontseite des Turmes der evangelischen Frauenkirche. Dieses weiße Glockenspiel zusätzlich zum Stahlguss-Turmgeläut ist eine der Besonderheiten der gotischen Hallenkirche, im 15. Jahrhundert an Stelle eines Vorgängerbaus errichtet, den bereits 1205 eine Urkunde erwähnte.

1929, als die Meißner das tausendjährige Bestehen ihrer Stadt feierten, schuf Emil Paul Börner es, später künstlerischer Leiter der Porzellanmanufaktur – das erste spielbare der Welt. Doch wenn Touristen, für die das Glockenspiel eine Attraktion ist, die Kirche besuchen wollten, rüttelten sie vergebens an der Tür: Wegen Bauarbeiten blieb sie verschlossen – bis zum Sonnabend, dem 14. Mai. Da öffnet die Frauenkirche wieder – mit einem Festprogramm über das ganze Pfingstwochenende.

Dabei können die Mitglieder der St.-Afra-Kirchgemeinde von Glück sagen, dass es so schnell gegangen ist. Bei den ersten Planungen hieß es noch, ein Vorhaben dieser Dimension müsse auf 15 Jahre gestreckt werden, wie sich Pfarrer Uwe Haubold erinnert. Die Gesamtkosten lagen bei 1,6 Millionen Euro. Doch dann nahm der Bund die Kirche als „national bedeutsames Kulturgut“ in ein Sonderprogramm auf. So flossen rund eine Million an Fördermitteln. Auch Landeskirche, Landkreis, Gustav-Adolf-Werk, KD-Bank-Stiftung, vor allem der Förderverein beteiligten sich mit Spenden. So haben sie es in knapp drei Jahren geschafft.

Für die Kirchgemeinde, mit rund 2000 Mitgliedern die größte der Domstadt, geht damit ein ganzes Bauprogramm vorläufig zu Ende, wie Andreas Stempel erzählt, 1995 bis 2014 Superintendent, heute Vorsitzender des Fördervereins. In den Jahren zuvor waren die anderen fünf Sakralbauten komplett erneuert worden: die romanische Kapelle St. Martin aus dem 12. Jahrhundert, die über 790 Jahre alte St.-Nikolai-Kirche, die Lutherkirche von 1904 im Triebischtal, die Friedhofskapelle und die frühgotische St.-Afra-Kirche aus dem 13. Jahrhundert auf dem Burgberg.

Dann war auch die Frauenkirche fällig. Wegen zu hoher Emissionswerte bekam die alte Heizung keine Betriebserlaubnis mehr, trotz Umrüstung von Holz und Kohle auf Öl.

Als Ersatz hat sie etwas ganz Modernes bekommen. Das Auffälligste daran: Man sieht nichts – weder Rohre noch Heizkörper. Architekt Jürgen Singer, der die Sanierung leitete, legt die Handfläche auf die Wand: „Das befindet sich alles hier drunter.“ Ein ganzes Geflecht aus dünnen blauen Plast-Röhren. Leitungen und elektronische Steuerung sind hinter der Verkleidung einer Säule verborgen. Warmes Wasser strömt durch die Röhren. Pfarrer Haubold spricht nicht mehr von Heizen, sondern „Temperieren“. „Die Wände, früher für gewöhnlich kalt, strahlen Wärme ab.“

Mit der Elektronik lässt sich lange vor dem Gottesdienst programmieren, dass die Raumtemperatur um etwa ein Grad pro Stunde steigt. Nur so nehmen Holzkunstwerke wie der Schnitzaltar von 1500 keinen Schaden.

Frauenkirche und Festprogramm

14. Mai: 14 -17 Uhr Führungen im Kirchenschiff, Kaffee und Kuchen hinter der Frauenkirche; 14 und 15 Uhr „Türen auf!“ mit Architekt Jürgen Singer; 19 Uhr Festkonzert mit Werken von Bach und Händel

15. Mai: 10 Uhr Festgottesdienst mit Sup. Andreas Beuchel, Pf. Uwe Haubold, Pf. Bernd Oehler; 14 - 17 Uhr Führungen, 14, 15, 16 Uhr mit Georg Krause; 14.30, 15.15, 16 Uhr „Auf den Kirchturm“ mit Walfriede Hartmann

16. Mai: 14 - 18 Uhr Turm-Café auf dem Turm-Umgang (Reservierung unter Tel. 03521/4070014); 14 und 15 Uhr Kirchenpädagogische Führungen mit Susanne Singer

Geschichte: 1205 erstmals Kirche am Markt in einer Stiftungsurkunde des Afraklosters erwähnt, bald bezeichnet als „Kapelle unserer lieben Frauen St. Marien“ oder „Frauenkirche“; nach Bränden 1447-1457 als gotische Hallenkirche vollendet; 1884 im Inneren wieder gotische Gestaltung

Glockenspiel: 1929 von Emil Paul Börner (1888-1970); 37 Glocken aus Meißner Porzellan; 6.30 Uhr „Wachet auf, ruft uns die Stimme“; 8.30 Uhr „Großer Gott, wir loben dich“; 11.30 Uhr „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehr“; 14.30 Uhr „Wir treten zum Beten“; 17.30 Uhr „Ein feste Burg ist unser Gott“; 20.30 Uhr „Lobet den Herrn“

Ausstattung: prachtvoller Schnitzaltar von 1500, wahrscheinlich aus Meißner Werkstatt, Predella mit Grablegung, im Mittelschrein Marienkrönung; an Ostwand des Südschiffes Flügelretabel um 1480, darstellend Beweinung Christi; südliche Seitenkapelle ehemaliges Altargemälde „Der gute Hirte“ (1848); Altarraumfenster 1888; Epitaphien

Internet: www.frauenkirche-meissen.de; www.sankt-afra-meissen.de

 

Der Innenraum sei behutsam verändert worden, erläutert Jürgen Singer. Viele Stufen sind weg, so dass Menschen, denen das Gehen schwerfällt oder die im Rollstuhl sitzen, sich unbehindert bewegen können. Behindertengerecht ist auch die Toilette gebaut; unter der Treppe, die vom höher gelegenen Westportal hinabführt und nun nicht mehr halsbrecherisch gleich an der Schwelle beginnt.

Die aufgefrischte Bemalung der Gewölberippen wirkt gleich viel kräftiger. Aufgearbeitet und ausgebessert worden sind die Holzbänke. Dezent sind Einbauleuchten unter der Orgelempore verteilt.

Dem Gebäude, halb auf Fels, halb auf Sand gebaut, haben die Handwerker Standfestigkeit verliehen. Oben gibt es zur zusätzlichen Sicherung bei Sturmschäden ein Unterdach. Auf dem Turm sind Kugel, Kreuz, Wetterfahne neu vergoldet worden – eine zusätzliche Spendenaktion machte es möglich.

Auf einiges müssen die Besucher noch etwas warten; auf den „Raum der Stille“ hinten in der Südwestecke zum Beispiel oder die gläsernen Windfänge, verziert mit Bibelworten. Voraussichtlich im Herbst sollen die eingebaut werden, wie Pfarrer Haubold sagt. Auch die Außenwände konnten noch nicht saniert werden.

Und noch mehr klingendes Porzellan wird künftig zu bestaunen sein: Der Förderverein sammelt emsig Spenden für die Erneuerung der Jehmlich-Orgel von 1937. Die soll mit einigen Pfeifen aus Porzellan zu einer Besonderheit werden. Wann, ist noch offen.

Von Tomas Gärtner

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