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Fotostileben gegen den Krieg

Fotostileben gegen den Krieg

Acht großformatige Fotostilleben des Dresdner Malers und Grafikers Hans-Jürgen Reichelt sind derzeit in der Evangelischen Kirche Moritzburg zu sehen; auf den Emporen jeweils drei und am Orgelprospekt zwei.

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Eines der Fotostilleben zum 1. Weltkrieg von Hans-Jürgen Reichelt.

Quelle: Reichelt

Sie dienen dem Nachdenken über Krieg und Gewalt und erinnern an den 1. Weltkrieg, dessen Ausbruch sich in diesem Jahr zum 100. Mal jährt. Die etwas andere Ausstellung steht im Zusammenhang mit dem vor der Kirche errichteten Denkmal für die im Krieg gefallenen Moritzburger. Krieg braucht Erinnerung und keine Huldigung. Das Projekt kam durch die Initiative der Käthe-Kollwitz-Stiftung (Käthe Kollwitz verlor im Krieg einen ihrer beiden Söhne) und die Pfarrerin der Evangelischen Kirche zustande, die am Abend der Vernissage auf das Anliegen aufmerksam machten.

Im Krieg der Hochkulturen entfremdet sich der Einzelne von den anderen und sich selbst. Der andere wird nicht mehr als Individuum wahrgenommen, sondern zum Objekt degradiert, das man töten muss. Durch die hochentwickelte Technik tritt der Mensch hinter sich selbst zurück und tötet anonym. Bereits im ersten Weltkrieg war der Krieg ein maschinelles Phänomen. Auf den Spuren der Tötungstechniken, den Waffen und dem Kriegszubehör, aber auch auf den aus Granatsplittern und Hülsen gefertigten Gebrauchs-und Kunstgegenständen hat Hans-Jürgen Reichelt in Museen geforscht und die dort gefundenen Dinge neu in erschreckend nahen Fotostilleben als "nature morte" in Szene gesetzt.

In kaltem Stahlblau erscheinen die in Duodone, leicht gelblich eingefärbten Digitalaufnahmen, die Hans-Jürgen Reichelt von seinen selbst inszenierten "Stilleben" machte. Unter den Museen waren es vor allem das Heimatmuseum Wilsdruff, die Museen in Oschatz und Leißnig, wo Reichelt fündig wurde. Einige Gegenstände hat Reichelt selbst gefunden oder in Vorbereitung des Projektes angeschafft. Zwei Fotostilleben sind mit Gegenständen aus Wilsdruff bestückt. Reichelt fand dort fein gravierte, zum Zigarrenabschneider umgearbeitete Granathülsen, einen Spiegel mit dem Foto einer Braut, umrahmt mit Karabinermunition, und das sogenannte 15er Spiel für Soldaten im Schützengraben, sowie einen Feldpostbrief.

Das Arrangement von Waffen und Kriegsgegenständen zum Stilleben birgt die Gefahr in sich, in der scheinbar versachlichenden Fotografie die Dinge zu beschönigen oder in ihrer Glätte und Unverbindlichkeit darzustellen. "Es ist Hans-Jürgen Reichelt aber gelungen, einen spannungsvollen Widerspruch zwischen vordergründiger Ästhetik und dem grausamen Inhalt zu schaffen" (Sabine Hänisch). Hans-Jürgen Reichelt operiert an der Grenze des Machbaren. Einerseits (angesichts der perfekten Waffentechnik) ist man fasziniert, andererseits abgestoßen, wenn man an die sinnlose Vernichtung von Menschenleben denkt.

Hans-Jürgen Reichelt stellte die Dinge vor eine schlichte, einfach strukturierte Wand, dort liegen zwei Stahlhelme (ein französischer und ein deutscher) aus Oschatz und zwei Schutzmasken aus Wilsdruff, das leichte MG 0815 (in Serie hergestellt) und ein granatsicherer Stahlhelm aus der Sammlung Leißnig.

Einen traurigen Mittelpunkt bildet das aus Granatsplittern geschaffene, kunstvolle Kruzifix auf Plakat und Einladung. Angesichts des Todes gemacht, offenbart sich in ihm die Kreativität eines Unbekannten und die Anteilnahme am Tode und Schicksal anderer, was damals als Schwäche angesehen wurde. Die Fähigkeit zu trauern kann ein Anfang sein, um den tödlichen Kreislauf des Krieges zu überwinden, "den Fremden in uns zu erkennen und anzunehmen, anstatt eigene Verletzungen auf ihn als unseren Feind zu projizieren" (Arno Gruen), um sich selbst zu rechtfertigen für nicht erhaltene Liebe und Zuwendung in der Kindheit.

Bis 21. September. Evangelische Kirche Moritzburg/ Käthe-Kollwitz-Haus, Meißner Straße 7, 01468 Moritzburg. Tel. 035207/ 828 18 zu sehen zu den Gottesdiensten und nach Vereinbarung

www.kollwitz-moritzburg.de.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 20.08.2014

Heinz Weißflog

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