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Flutschutz in Radebeul längst nicht komplett

Flutschutz in Radebeul längst nicht komplett

Zehn Jahre nach der Flut ist Radebeul noch nicht gerüstet, um ein Jahrhunderthochwasser wie 2002 ohne Probleme zu überstehen. Der rund 1700 Meter lange Deich in Kötzschenbroda ist zwar bereits saniert.

Radebeul.

Von stephan Klingbeil

Aber es stehen noch Schutzmaßnahmen aus, die die Landestalsperrenverwaltung (LTV) für mehrere Millionen Euro umsetzen will.

Laut dem Flutschutzbeauftragten Hans-Joachim Pilz von der städtischen Beteiligungsgesellschaft könnte es in diesem Jahr grünes Licht für den Bau der Naundorfer Hochwasserschutzlinie zwischen Eisenbahnstrecke und Bereich Verzinkerei geben. Es würden dort wohl auch Spundwände errichtet, die etwaige Wassermassen zurückhalten sollen. Pilz glaubt, dass 2013 Baustart sein könnte.

Auch der Flutschutz für Fürstenhain soll verbessert werden. Der Anhörungstermin im Planfeststellungsverfahren für den dort vorgesehenen Natur-Deich stehe aber noch aus, sagte Pilz.

Nicht sicher sei zudem, wann das Bauvorhaben zwischen Angersüdseite und den Streuobstwiesen auf den Weg gebracht wird. Für Kritik sorgte dort bei einigen Anwohnern, dass die LTV eine Flutschutzwand errichten will, die die gewachsene Beziehung von Natur und Wohnbebauung zerstören würde. Pilz rechnet trotzdem damit, dass bis 2015 alle drei Maßnahmen umgesetzt seien.

Nötig sei außerdem mehr Flutschutz für Serkowitz. Die Planungen dafür befänden sich aber erst im Anfangsstadium. "Wenn wir diesen Bereich abgeschlossen hätten, wäre das gesamte Stadtgebiet von West nach Ost gegen eine Jahrhundertflut abgesichert", erklärt Pilz. Dazu müsste ein Damm im Süden von Serkowitz gen Dresdner Flur errichtet werden, so erste Vorstellungen. Dies beträfe jene Ebenen, die dort nicht auf Grund ihrer natürlichen höheren Lage geschützt wären. Wichtig ist laut Pilz die Kötzschenbrodaer Straße "als schnellstmögliche Verbindung" zur A 4 gegen Hochwasser zu wappnen.

Um Radebeul und andere Städte an der Elbe effektiver zu schützen, sollen weniger Flächen versiegelt und Flüssen mehr Raum gegeben werden. Auf diese Arten des Hochwasserschutzes wies Martin Oehmichen vom Grünen-Ortsverband in Altkötzschenbroda hin. Es gebe in den Flutschutzkonzepten Sachsens "fast keine Maßnahmen zur Schaffung" jener Räume. Täglich würden acht Hektar in Freistaat versiegelt.

Das Landesumweltministerium weiß dagegen nur von fünf Hektar, die pro Tag für den Bau von Häusern, Hallen und Straßen versiegelt würden. Dessen ungeachtet will der Freistaat aber diesen Verbrauch bis 2020 auf zwei Hektar verringern. Dabei stehe der Erhalt von Agrarflächen im Fokus. Der Hochwasserschutz ist laut Falk Hofer vom Umweltministerium nur "ein Teil des Puzzles". Ein "ausnahmsloser Versiegelungsstopp in Hochwasserentstehungsgebieten" sei darüber hinaus auch nicht vorgesehen. In Radebeul würde es zudem nur helfen, wenn stromaufwärts in Tschechien diese Art des Flutschutzes umgesetzt würde. Hofer betont, die Zusammenarbeit mit den Nachbarn sei sehr gut.

Oehmichen hingegen sagt, dass es zwar EU-Vorgaben gibt, diese aber "relativ schlecht umgesetzt" würden. "Nicht einmal in Deutschland klappt das, wo jedes Land anders an den Flutschutz herangeht", sagt er. "Hier muss die Abstimmung besser werden."

Flüsse suchen sich ihren Weg

Da kann man sich in Sachsen strecken, Dämme bauen und Vorgaben einhalten, wie man will. Hochwasserschutz an Elbe und Nebenflüssen funktioniert nur, wenn alle Anrainer an einem Strang ziehen. Kleinstaaterei bringt überhaupt nichts. Flüsse suchen sich ihren Weg. Deshalb muss stets grenzüberschreitend gedacht werden. Flutschutz im Freistaat ohne die Tschechen bringt zum Beispiel wenig. Denn Wasser fließt nicht ja nicht bergauf. Gut, wenn der Freistaat hier die Zusammenarbeit ausbaut. Ohne die natürlichen Räume, die Tschechien frei hält, wären die Pegelstände in Dresden 2002 höher ausgefallen. Etwa zwei Meter höher wären sie gewesen, heißt es vom Umweltministerium. Man mag nicht daran denken, was dann noch alles passiert wäre.

radebeul@dnn.de

Von Stephan Klingbeil

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.08.2012

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