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Flüchtlinge: Meißen sieht jetzt andere Städte in der Pflicht

Unterbringung Flüchtlinge: Meißen sieht jetzt andere Städte in der Pflicht

Zwei Nachbarstädte, ein Problem: Die Unterbringung von Flüchtlingen beschäftigen Coswig, reichlich 20 600 Einwohner, und Meißen, knapp 27.300 Einwohner, wie so ziemlich jede andere Gemeinde in Sachsen.

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200 bis 250 Asylbewerber sollen 2016 in dem derzeit ungenutzten Bürogebäude am Prasseweg unterkommen, das der Landkreis Meißen für die Wohnnutzung allerdings noch herrichten muss.

Quelle: Uwe Hofmann

Coswig/Meißen/Radebeul. Zwei Nachbarstädte, ein Problem: Die Unterbringung von Flüchtlingen beschäftigen Coswig, reichlich 20 600 Einwohner, und Meißen, knapp 27.300 Einwohner, wie so ziemlich jede andere Gemeinde in Sachsen. Beide haben sich, wie Radebeul auch, auf die Fahnen geschrieben, die zugewiesenen Asylbewerber möglichst dezentral, also in kleinen Gruppen in Wohnungen unterzubringen.

Bei der Anzahl der in der jeweiligen Stadt lebenden Flüchtlinge hören die Gemeinsamkeiten jedoch auf: 179 Asylbewerber, dazu drei alleinreisende Jugendliche, sind derzeit in Coswig untergebracht. In der 6700 Einwohner größeren Nachbarstadt sind es dagegen 423 Menschen - also mehr als das Doppelte. Rechnet man die etwa 1000 Flüchtlinge hinzu, die der Freistaat in den inzwischen drei Erstaufnahmen im Stadtgebiet verteilt hat und addiert noch die 500 hinzu, die im drei Kilometer entfernten Niederau in einem ehemaligen Einkaufsmarkt auf ihre Registrierung warten, wirkt diese Aussage nicht übertrieben: "Meißen ist einer der hochbelasteten Standorte, das wissen wir", wie Burkhard Kurths es formuliert. Er ist bei der Landesdirektion Sachsen für Asyl und Ausländerrecht zuständig.

Wie kommt es, dass in Meißen so viel mehr Asylbewerber leben als in Coswig? Markus Renner, Ordnungsamtsleiter und im Rathaus zuständig für die Unterbringung von Asylbewerbern, könnte diese Frage beantworten, tut es aber nicht. Das rasche Anwachsen der Asylbewerberzahlen habe alle überrascht, sagt er. Vor zwei Jahren habe es in Meißen noch 25 Asylbewerber gegeben, 130 seien es vor einem Jahr gewesen. In letzter Zeit seien monatlich 40 bis 50 Personen hinzugekommen. "Wir sehen so langsam mal andere Städte in der Pflicht, das Ihre zu tun", sagt Renner dann doch.

Das geht an die Adresse von Coswig und auch Radebeul. Während man in der Lößnitzstadt vor allem auf den angespannten Wohnungsmarkt verweist, auf dem es seit jeher schwer sei, bezahlbaren Wohnraum zu finden, gilt diese Argumentation in Coswig nicht. Dort hält allein die städtische Wohnbau- und Verwaltungs-GmbH (WBV) laut Oberbürgermeister Frank Neupold (parteilos) 200 leere Wohnungen vor, davon 60 in der obersten Etage von Wohnblöcken. Die sind derzeit nicht nachgefragt, weil keiner mehr die Treppen bis ganz nach oben erklimmen will. Zum Vergleich: Bisher sind in Coswig laut Sven Böttger von der Initiative "Coswig - Ort der Vielfalt" 36 Wohnungen mit Asylbewerbern belegt oder dafür vorgesehen. Hinzu kommen weitere 40 Flüchtlinge, die in einem kleinen Heim an der Köhlerstraße untergebracht sind.

Könnte man nicht also wenigstens die 60 kaum vermietbaren Wohnungen ans Landratsamt nach Meißen melden? "So einfach ist das nicht", sagt OB Neupold. Es gebe zwar etwa 9,5 Prozent Wohnungsleerstand in Coswig, fünf Prozent müsse man im Stadtgebiet allerdings anpeilen, weil damit die Fluktuation und gelegentliche Modernisierungen geregelt werden können. Man müsse auch Wohnraum für Einheimische vorhalten, die auf günstige Mieten angewiesen sind und auch den Flüchtlingen etwas anbieten können, die anerkannt sind und aus den Asylunterkünften ausziehen können. "Wir werden unsere Wohnungspolitik nicht aufgeben, um hier Chaos einziehen zu lassen", betont Neupold.

Dennoch wird die Asylbewerberzahl in Coswig im nächsten Jahr wohl rascher ansteigen als in diesem Jahr. Der Grund: Bis 2016 will der Landkreis ein Bürogebäude am Prasseweg so herrichten, dass dort 200 bis 250 Menschen leben können. Auf die Einwohnerzahl gesehen käme Coswig dann in den Meißner Dimensionen an.

Was den Blick stärker auf andere Gemeinden lenkt, die derzeit ein ähnlich moderates Tempo bei der Bereitstellung von Wohnungen an den Tag legen. Radebeul zum Beispiel. Dort machen gerade Gerüchte die Runde, dass aus dem Glasinvest-Gebäude eine Asylunterkunft wird. Daran ist wie so oft nichts dran. Laut Baubürgermeister Jörg Müller (parteilos) verhandelt Inhaber TLG Immobilien derzeit über den Verkauf des leerstehenden Bürohochhauses mit einem Investor.

Ein Funken Wahrheit hat das Gerücht allerdings: Wenn die Flüchtlingszahlen weiter so anwachsen, werde man irgendwann zur Einrichtung einer großen Gemeinschaftsunterkunft gezwungen sein, meint Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos).

Uwe Hofmann

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