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Filmverbot im Asylbewerberheim Radebeul

Filmverbot im Asylbewerberheim Radebeul

Es riecht nach Curry, ein Mann mit Turban geht durch die Tür. Ein anderer läuft vor dem Radebeuler Asylbewerberheim auf und ab. Die blaue Farbe blättert von der Fassade ab.

Radebeul. Von Stephan Klingbeil

Hier gibt es wenig zu sehen. Die Autos stauen sich auf der Kötitzer Straße. Die Schranke am Bahnübergang verhindert regelmäßig die Weiterfahrt.

Warten - das kennt auch Fadi*. Seit zwölf Jahren wohnt er in Deutschland. Erst in der Gemeinschaftsunterkunft in Weinböhla, dann in Radebeul. Der 36-Jährige will unerkannt bleiben. Er habe an einer Abendschule Deutsch gelernt, den Hauptschulabschluss gemacht, aber nichts von seinem Status als Geduldeter erwähnt. Fadi führt ein Leben in der Warteschleife. Manchmal werde seine Duldung um sechs Monate verlängert, manchmal nur um einen.

"So viel Unsicherheit - das macht kein Arbeitgeber mit", erklärt Fadi. Erfolglos habe er sich um Arbeit bemüht. Er lebt von 220 Euro im Monat. Der Satz soll bald um 130 Euro angehoben werden.

Wenn er eine Aufenthaltserlaubnis auf Dauer bekommt, will Fadi aus dem Plattenbau ausziehen. "Ich würde gern in Radebeul bleiben", sagt er. "Ich mag diese Stadt." In dem Heim sei das Leben aber auf Dauer belastend. Viele Charaktere in einem Haus, Gemeinschaftstoiletten, die auch danach aussehen - trotz regelmäßiger Reinigung. Nur wenige Toiletten kann man verschließen. Es gibt Backöfen, die nicht funktionieren. Alles hat nur provisorischen Charakter.

Fadi sagt aber, früher sah es dort noch viel schlimmer aus. "Wir können hier nur Schritt für Schritt etwas ändern", sagt Heimbetreiber Wilfried Pohl dazu. Doch das koste Geld, das der Landkreis aufbringen müsse. Vom Freistaat fühle er sich im Stich gelassen. Es gebe nur eine halbe Sozialarbeiterstelle, um die 330 Asylbewerber im Kreis zu betreuen. Das Land erstatte dafür nur 2000 Euro. Seit zehn Jahren wurde die Jahrespauschale von 4500 Euro pro Asylbewerber nicht erhöht. Laut Landkreis fehlt ein Ausgleich. Der Kreis rechnet mit Mehrkosten von 400 000 Euro per anno.

"Es scheint so, also ob man Integration gar nicht will", sagt Pohl. "Deshalb interessiert mich auch der Heim-TÜV nicht." Sachsens Ausländerbeauftragter Martin Gillo hatte 2011 bei seinem Heim-TÜV der Radebeuler Stätte die Rote Karte gezeigt - Platz 26 von 30.

Stadträte wie David Schmidt (SPD) sprechen angesichts der Lage in Sammelunterkünften wie der Radebeul von "menschenunwürdigen Zuständen". Schmidt dreht mit anderen Teilnehmern des Projekts "Medienzille" einen Film. "Asyl in Radebeul" soll aufklären. Im Radebeuler Heim durften sie aber nicht drehen. Das Kreis hat das verweigert.

"Es gibt dort mittlerweile einen nicht gerechtfertigten Medientourismus", sagt dazu Verwaltungsdezernent Ulrich Zimmermann. "Für den Landkreis steht die Menschenwürde im Vordergrund und dazu gehört das Recht auf die freie Entfaltung der Persönlichkeit, auch der Asylbewerber." Deren Rechte wären zuletzt "durch zahlreiche" Besuche "immer wieder beeinträchtigt" worden.

Doch es gibt noch einen Grund für das Verbot: Erlaubt man der "Medienzille" zu drehen, kämen rasch andere. Ein Filmteam der NPD sei schon im Heim aufgetaucht, heißt es vor Ort. "Die NPD macht das Thema immer wieder zum kommunalpolitischen Streitgegenstand", sagt Zimmermann. "Daran sind wir nicht interessiert." Vor allem um die geplante Sammelunterkunft in Gröditz gab es zuletzt eine heftige Diskussion. Im Herbst will der Kreistag darüber entscheiden. Bald sollen rund 150 Asylbewerber untergebracht werden. Aber die Plätze in Wohnungen und Großunterkünften sind begrenzt. Und das, obwohl im Kreis nur vier bis fünf Prozent der Bewerber Asyl bekommen.

*Name von der Redaktion geändert

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 01.09.2012

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