Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Ferienflaute im Kirnitzschtal: Nach dem Felssturz im September ist das Feriengeschäft mager

Ferienflaute im Kirnitzschtal: Nach dem Felssturz im September ist das Feriengeschäft mager

Die Ratlosigkeit ist Uwe Thiele deutlich anzumerken. Eigentlich beginnt für den Geschäftsführer der "Oberelbischen Verkehrsgesellschaft Pirna Sebnitz" (OPVS) mit dem Start der Herbstferien noch einmal die Saison.

Bad Schandau/Pirna.

Die Kirnitzschtalbahn sollte nun massenweise Touristen von Bad Schandau durch das Kirnitzschtal bringen, die Endstation der Linie am Lichtenhainer Wasserfall ist ein beliebtes Ausflugsziel.

Doch weil am 2. September ein tonnenschwerer Fels auf die Kirnitzschtalstraße krachte, ist dort für jeglichen Verkehr bis auf Weiteres kein Durchkommen mehr. Der Fels ist zwar längst beseitigt worden, doch noch immer werden oberhalb der Kirnitzschtalstraße Befestigungsarbeiten durchgeführt. Die einzige Straßenbahnlinie der Sächsischen Schweiz verkehrt nur verkürzt zu den Ausflugszielen rund um die Kirnitzsch. Die Haltestellen Kurpark und Botanischer Garten in Bad Schandau können nicht bedient werden.

Erst ab dem Kirnitzschtal-Depot, außerhalb von Bad Schandau gelegen, rollt das historische Gefährt wieder. Viele Fahrgäste verzichten deshalb lieber ganz auf die Fahrt mit der Straßenbahn. "Seit dem Felssturz verzeichnen wir Einbußen in fünfstelliger Höhe", sagt OPVS-Geschäftsführer Thiele. "Wie wir das wieder wettmachen sollen? Da habe ich keine Ahnung", gibt er zu.

Eigentlich hatte das "Landesamt für Straßenbau und Verkehr" (LASuV) gehofft, die Kirnitzschtalstraße bereits vergangenen Freitag wieder freizugeben. Nun bleibt sie hinter Bad Schandau voraussichtlich bis Ende des Monats gesperrt. Die Aufräumarbeiten am Hang stellen sich nach dem Felssturz Anfang September schwieriger dar als gedacht.

"Vergangenen Freitag erfolgte die wahrscheinlich letzte Spaltsprengung eines absturzgefährdeten Felsdaches in der Wand", erklärt LASuV-Sprecher Peter Welp. Danach hätten die Einsatzkräfte die Felswand per Hand geräumt. Dies sei bereits die siebte Sprengung in dieser Wand, um abrutsch- oder absturzgefährdete Partien zu beseitigen. "Um geringst mögliche Eingriffe in das Landschaftsschutzgebiet vorzunehmen, sind die Sprengungen mit eher kleinen Sprengstoffmengen erfolgt, was allerdings auch ein Schritt-für-Schritt-Vorgehen erforderlich machte", sagt der Sprecher.

Besonders problematisch für die Spezialisten vor Ort sei die Beschaffenheit des betroffenen Hangabschnitts. Dabei handele es sich um eine etwa 80 Meter dicke Felswand in 30 Metern Höhe aus stark verwittertem und zerklüftetem Sandstein. In Zukunft soll eine Untermauerung der Felsüberhänge vor weiteren Stürzen schützen, oberhalb des Wanderweges wird zusätzlich ein 200 Meter langer Steinschlagschutzzaun errichtet.

Seit Montag ist ein Schreitbagger im Einsatz, um die Waldflächen von abgeworfenen Felsmaterial zu befreien. Danach können Felsmassen und Straßenschüttungen abgefahren werden. Erst dann werden die Straße und die Trasse der Kirnitzschtalbahn wieder instand gesetzt. "Wenn keine neuen Ereignisse auftreten und die Arbeiten wie geplant verlaufen, soll die Straße Ende Oktober wieder halbseitig befahrbar sein", erläutert Welp.

Für den Gastronomen Rainer König sind das wenig tröstliche Aussichten. Er betreibt den Gasthof am Lichtenhainer Wasserfall, von den Herbstferien wollte auch er profitieren. "Wir haben derzeit 50 Prozent weniger Gäste", erzählt er. Natürlich habe er Verständnis für die Aufräumarbeiten, für sein Geschäft seien sie aber eine Katastrophe. Das Gasthaus ist über eine Umleitung über Sebnitz und Ottendorf erreichbar, die frisst allerdings viel Zeit. Und auch mit der Kirnitzschtalbahn kämen weniger Leute. "Die meisten Touristen kommen eben von Bad Schandau. Bis zum Depot wollen die nicht laufen. Da fahren die lieber woanders hin", meint König.

Dabei sollte für ihn dieses Jahr alles besser werden. Denn seit vier Jahren plagen sich die Gastronomen in Kirnitzschtal mit den Folgen der Naturgewalten. 2010 traf sie das Hochwasser der Kirnitzsch. Danach sorgten Umleitungen wegen der Hochwasserschadensbeseitigung am Lichtenhainer Wasserfall, der Buschmühle und der Neumannmühle für Umsatzeinbußen. Wegen des Elbehochwassers im vergangenen Jahr konnte schließlich kaum einer das Kirnitzschtal erreichen. "Eigentlich dachten wir, dass wir dieses Jahr mal in Ruhe arbeiten können. Aber dann musste ja dieser blöde Fels runter kommen", ärgert sich König.

Den finanziellen Schaden müssen Gaststättenbetreiber und OPVS allein stemmen. Hilfen von Bund, Land oder Kommunen seien in solchen Fällen laut OPVS-Chef Thiele nicht zu erwarten. Zwar gebe es Fördermittel, um unmittelbare Schäden durch Naturereignisse zu beheben. "Für Umsatzeinbußen gibt's aber nichts", sagt Thiele. Auch dass die Strecke Ende Oktober wieder befahrbar sein soll, wischt dem Geschäftsmann die Sorgenfalten nicht aus dem Gesicht. "Am 3. November ist die Sommersaison für uns vorbei. Ich rechne damit, dass unsere Einbußen bis in den sechsstelligen Bereich wachsen werden", meint er.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.10.2014

Susann Schädlich

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Region News

Ob zur Entspannung, in der Mittagspause oder zum Spaß mit Freunden. Auf unserer Spieleseite können Sie wählen zwischen Denksport-, Geschicklichkeits-, Such- und Sportspiele. Jetzt gratis spielen im Spieleportal von DNN.de! mehr

25.09.2017 - 16:32 Uhr

Die Verletzung hat sich der 30-jährige Innenverteidiger im Heimspiel gegen Arminia Bielefeld zugezogen. 

mehr