Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 2 ° Regenschauer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland RND

Navigation:
Google+
Fahren war gestern

Fahren war gestern

Ein wenig sieht er aus wie einer jener imposanten Schreit-Roboter aus den "Starwars"-Filmen: Der neue Holzernter (Harvester), den TU-Forscher aus Tharandt und Dresden jetzt für die morastigen Wälder Norddeutschland und des Baltikums entwickelt haben.

Statt auf Reifen oder Ketten stampft dieses Forstgerät auf künstlichen Füßen durch den Wald, um Bäume en masse zu fällen, zu entasten und zurechtzuschneiden. Damit kommt er in unwegsamen Gelände nicht nur besser voran als seine rollenden Geräte-Kollegen, sondern schont auch den Waldboden.

Von Heiko Weckbrodt

"In der Forstwirtschaft wird der Markt heute von Maschinen aus Skandinavien dominiert", erklärt Projektleiter Prof. Jörn Erler vom TU-Institut für Forstnutzung und Forsttechnik in Tharandt. "Diese Harvester sind sehr solide Geräte, wiegen aber meist 16 bis 25 Tonnen." Diese schweren Waldverzehrer sind allerdings die gefrorenen Waldböden Skandinaviens gewöhnt oder die trockenharten Sommerböden in Frankreich und Spanien. "Vor allem in Ostsee-Nähe sind die Waldböden in Deutschland, Polen und im Baltikum aber oft aufgeweicht, da fahren sich solche schweren Fahrzeuge schnell fest", erklärt Erler. "Die Alternative ist ein Kettenantrieb, aber der zerstört den Boden."

Daher hatte sich der Dresdner Maschinenbau-Student Christian Knobloch in seiner Diplomarbeit an der TU ein neues Fortbewegungs-Prinzip ausgedacht: Seine Fäll-Maschine ist auf einer faltbaren Brücke mit zwei Tripod-Beinen mit je drei Füßen montiert. Darauf bewegt sie sich sägend von Baum zu Baum. Ist das Ende der Schiene erreicht, stellt sich der Schreit-Ernter auf einen Fuß, faltet die Brücke, dreht sie nach vorn, entfaltet sie und setzt wieder mit dem anderen Dreier-Bein auf.

"So entsteht nur eine Laufspur ähnlich der eines Pferdes, der auf dem Waldboden wird nicht zerwühlt", erklärt Erler, der sich den pfiffigen Studenten in sein Institut in Tharandt geholt hat. Seitdem haben die Forscher dort das Verfahren verfeinert und nun einen funktionsfähigen Prototypen gebaut.

Da ihr Harvester aber in freiem Gelände nur langsam vorankommt, ersannen sie für ihn einen künstlichen Kuli, der die gefällten und in Stücke gesägten Bäume rasch abtransportiert. Dafür modifizierten sie das aus den Bergen bekannte Seilkranprinzip: Ein Stützwagen richtet am Waldrand einen Mast auf, ein zweiter, rund 16 Meter hoher Mast wird in den Wald gezogen und mit Seilkraft aufgerichtet. Ein Tragwagen greift sich von dieser Seilbahn aus die Holzstücke und schwebt sie in lichter Höhe aus.

Interesse haben bereits die Forstverwaltungen in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern angemeldet. Am 1. und 2. Oktober wollen die Tharandter den Schreit-Ernter und dessen Seilbahn in einem Wald in Meck-Pomm erstmals vor einem breiterem Publikum in Aktion zeigen. Etwa ein Jahr werden dann noch die Feldversuche und Korrekturen dauern, glaubt Erler - 2014 werde die neuartige Technik wohl marktreif sein.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 21.09.2013

Heiko Weckbrodt

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Region News
Anzeige

Ob zur Entspannung, in der Mittagspause oder zum Spaß mit Freunden. Auf unserer Spieleseite können Sie wählen zwischen Denksport-, Geschicklichkeits-, Such- und Sportspiele. Jetzt gratis spielen im Spieleportal von DNN.de! mehr

28.04.2017 - 10:31 Uhr

Finden die Schwarz-Gelben beim VfL zurück in die Erfolgsspur. Anpfiff ist um 18.30 Uhr. Im Liveticker gibt es alles Infos.

mehr