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„Fabelhafte Wesen“ – neue Sonderausstellung in Schloss Moritzburg

Tierfiguren „Fabelhafte Wesen“ – neue Sonderausstellung in Schloss Moritzburg

Schnepfen sitzen beim Kaffeeplausch, eine in Eisen gewappnete Antilope reitet auf einer Giraffe und ein Bulle gibt den Torero. „Fabelhafte Wesen“ hat Schloss Moritzburg diese Sonderausstellung mit 70 fantasiereichen Kreationen der Künstlerin Barbara Lenz genannt – und fabelhaft sind sie im doppelten Wortsinn.

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„Türkenmaus“ heißt diese Figur der Würzburger Künstlerin Barbara Lenz. Seit heute kann man sie mit 69 anderen in Schloss Moritzburg sehen.

Quelle: dpa/Arno Burgi

Moritzburg. Schnepfen sitzen beim Kaffeeplausch, eine in Eisen gewappnete Antilope reitet auf einer Giraffe, ein Bulle gibt den Torero und in der „Confiserie Samtpfote“lenkt die eine Maus Madame Chatte ab, während die andere den Goldfisch aus dem Glas klaut. „Fabelhafte Wesen“ hat Schloss Moritzburg diese Sonderausstellung mit 70 fantasiereichen Kreationen der Künstlerin Barbara Lenz genannt – und fabelhaft sind sie im doppelten Wortsinn. „Meine Babys“ nennt die Würzburgerin selbst ihre Figuren. Bis Mitte Oktober sind sie im Steinsaal und Speisesaal des Barockschlosses zu sehen.

Jedes der Exponate ist ein Unikat, das Lenz seit den 80er Jahren in teils monatelanger Detailarbeit entstehen lassen hat. Begonnen habe alles damit, dass sie ihrer Mutter ein nettes Geschenk machen wollte. Lenz entstammt einer Künstlerfamilie, ihr Vater war Maler, die Mutter malt ebenfalls hinter Glas. Entsprechend war es in der Familie Brauch, das man sich nicht mit Gekauftem, sondern selbst Geschaffenem überraschte. So entstand der weiße Clown, eine Figur, die auch Teil der Ausstellung ist und die Lenz ihrer Mutter überreichte. „Mir hat es Gefallen, wie aus ein paar Bettfedern so etwas Schönes entstanden ist“, sagt Lenz zum Kostüm der Figur. Seitdem verziert sie viele ihrer Schöpfungen mit Federn von Enten, Perlhühnern, Pfauen oder Fasanen, die sie verklebt und bemalt. Auch andere Naturmaterialien wie Blätter, Disteln oder Perlen, dazu Strasssteine und Watte kommen zur Ausstaffierung der meist mit Modelliermasse geformten Körper zum Einsatz.

Das ist der erste Bezug zum Moritzburger Schloss, wo ja bekanntlich mit dem Federzimmer auch ein mit Federn verziertes Bett zu sehen ist. Selbstverständlich hat es sich Lenz nicht nehmen lassen, es in sechs Monate dauernder Arbeit maßstabsgetreu nachzubauen und auf die eigene Weise zu deuten. Im Bett lümmelt daher ein Hirsch, der an den legendären 66-Ender aus dem Monströsensaal erinnert, außerdem machen es sich auf und unter der Decke acht Möpse bequem, wie man sie auch anderswo im Schloss wiederfindet. Das gilt auch für den roten Drachen, den mehrere Teufelchen verzweifelt zu zähmen versuchen. Er ist in einer Vitrine unmittelbar neben der großen Tafel zu sehen, die mit wertvollem Porzellan mit rotem-Drachen-Dekor gedeckt ist.

Andere Bezüge zur Hofkultur der Wettiner, wie sie mit besonderer Konzentration auf die Tafelkultur Thema in Moritzburg ist, sind ebenfalls nicht fern. So hat sich Lenz mehrfach von Besuchen im Grünen Gewölbe inspirieren lassen. Besonders die Werke des Hofjuweliers Johan Melchior Dinglinger und von ihm vor allem der Hofstaat des Großmoguls hätten es ihr angetan, sagt Lenz.

Und wie beim Hofstaat, passiert auch bei manchen von Lenz’ Schöpfungen etwas. Viele verbergen das Werk einer Spieluhr in sich, manche lassen sich auch durch eine innere Mechanik bewegen oder besitzen eine kleine Rauchmaschine. So kann der Alligator etwa, der beim Schaustück „Pas de deux“ lässig an einer Rauchpfeife schmaucht, tatsächlich Rauch ausstoßen. Besucher der Ausstellung werden diese verborgenen Talente allerdings nur auf Videowänden vorgeführt, um die Stücke zu schonen. Die Ausnahme von dieser Regel sind Sonderführungen mit der Künstlerin, von denen die erste heute, 17 Uhr beginnt (weitere: 3.9., 16 Uhr; 16.10., 13.30 Uhr; Preis: 10 Euro).

Besucher zahlen für die Schau keinen gesonderten Eintrittspreis. Für sie lohnt es sich, genauer hinzusehen, nicht nur um die detailreiche Arbeit der gelernten Feinmechanikerin studieren zu können. Die Tierfiguren sind wie bei Fabeln oft stellvertretend für Menschen und menschliche Eigenschaften gedacht. Auf diese Weise hat sich auch Lenz selbst verewigt: Als kleine Feldmaus, die mit dem Spaten harte Arbeit verrichtet.

Von Uwe Hofmann

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