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Erste Zeugen im Mordfall Gimmlitztal gehört - Angeklagter schweigt weiter

Erste Zeugen im Mordfall Gimmlitztal gehört - Angeklagter schweigt weiter

"Er war ein lustiger Mensch, mitteilsam und sehr agil", sagte gestern ein früherer Geschäftspartner von Wojciech S. im Dresdner Landgericht. Der Hannoveraner und gebürtige Pole soll, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, am 4. November vergangenen Jahres von dem Dresdner Polizeibeamten Detlev G.

in dessen Pension im Gimmlitztal getötet, zerstückelt und im Garten vergraben worden sein. Die Staatsanwaltschaft geht von sexuellen Motiven aus. Detlev. G. muss sich derzeit wegen Mordes und Störung der Totenruhe vor der Schwurgerichtskammer verantworten. Bei der Festnahme hatte er zunächst angegeben, den Mann getötet zu haben, dies später aber widerrufen. Die Männer hatten sich auf einem einschlägigen Forum im Internet kennengelernt und die Tötung verabredet. Der Angeklagte schweigt bisher zu den Vorwürfen.

Michael L. hatte Wojciech S., der eine Arbeitsvermittlung für LKW-Fahrer betrieb, vor acht Jahren kennengelernt und gelegentlich für ihn gearbeitet. "Er war ein Stehaufmännchen, hatte keine Depressionen oder irgendwelche Selbstmordgedanken", erklärte Michael L. "Ganz im Gegenteil, als ich Probleme hatte und über einen Suizid nachdachte, machte er mir Mut. ,Tu das nicht, das Leben ist schön', sagte er mir." Die Männer standen in ständigem Kontakt, deshalb war es für Michael L. sehr ungewöhnlich, dass Wojciech S. plötzlich wie vom Erdboden verschwunden und tagelang nicht erreichbar war. "Wir haben täglich telefoniert. Ich fand es deshalb seltsam, dass er nicht erreichbar war und bin dann zur Polizei gegangen und habe eine Vermisstenanzeige aufgegeben."

Eine andere Mitarbeiterin fragte bei einer Freundin von Wojciech S. in Polen nach, mit der er einst eine Beziehung hatte. Beate W. schickte dann Chatprotokolle aus dem Kannibalen-Forum im Internet und eine Instruktion auf polnisch, in der genau beschrieben ist, wie man einen Menschen tötet, ausnimmt und häutet. Nur sie wusste über seine Fantasien Bescheid. Mit ihr hatte er darüber gesprochen, dass er sich seit Jahren wünschte, getötet, zerstückelt und aufgegessen zu werden. "Mir gegenüber hat er so etwas nie angedeutet", sagte Michael L.

Auch die Ehefrau des Toten wusste nichts von den Fantasien ihres Mannes. "Wir haben 1997 geheiratet. Zwei Jahre später wurde unsere Tochter geboren. Er war sehr 'hippelig' und hat immer wieder versucht, sich selbstständig zu machen. Das ging mehrmals schief", erzählte die 47-Jährige. 2012 trennte sich das Paar. Nur gelegentlich hatten sie noch Kontakt. "Dann stand eine Mitarbeiterin von ihm vor der Tür und fragte, ob ich wüsste, wo mein Mann ist. Unsere Tochter hat einen Schlüssel zu seiner Wohnung und so sind wir hingegangen. Da lag Obst in der Küche und die Steuererklärung auf dem Schreibtisch, das Auto stand vorm Haus. Es sah aus, als ob er nur schnell ein Brötchen kaufen ist", erzählte Renate S. Als es um Details aus dem Eheleben ging, wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen.

Man brauchte gestern überhaupt etwas Geduld. Es dauerte, bis der erste Zeuge vernommen werden konnte. Die Verteidigung hatte gleich zu Beginn zwei Anträge gestellt, die Verhandlung auszusetzen oder zu unterbrechen. Sie forderte einen Sexualwissenschaftler und einen Rechtsmediziner, die an allen Verhandlungstagen am Prozess teilnehmen sollen. Nur so sei sichergestellt, dass rechtsmedizinische und sexualwissenschaftliche Fragen auch gestellt und angesprochen werden. Die Kammer lehnte dies ab. Es seien Gutachter geladen, die aber nicht ständig an den Verhandlungen teilnehmen müssten. Wenn Zeugen aussagen, die mit der Tat nichts zu tun haben, sei dies nicht nötig. Wenn es direkt um die Tat gehe, zum Beispiel um das von Detlev G. aufgenommene Video, sei auch ein Gutachter anwesend, hieß es zur Begründung.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 02.09.2014

Monika Löffler

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