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"Erste Hilfe für die Seele" - DRK Dresdner Land baut Kriseninterventionsteam auf

"Erste Hilfe für die Seele" - DRK Dresdner Land baut Kriseninterventionsteam auf

Der Notarzt schüttelt den Kopf. Hier kann er nichts mehr machen. Ihm bleiben wenig Worte, das auszudrücken, also drückt er der Witwe die Hand und gibt ihr ein Beruhigungsmittel, das ihr helfen soll, den plötzlichen Tod ihres Gatten zu verkraften.

Dann müssen er und die herbeigerufenen Rettungssanitäter schnell zum nächsten Einsatz, die Frau bleibt allein zurück. Letzteres ist für Innocent Töpper ein Horrorszenario. "Genau so passiert es derzeit leider allzu oft", sagt er. Hinterbliebene würden mit ihren Sorgen allein gelassen. Notarzt und Sanitäter lasse sich da kaum ein Vorwurf machen, sagt der Rettungsassistent. Abhilfe könne nur ein sogenanntes Kriseninterventionsteam (KIT) schaffen, das derzeit vom Deutschen Roten Kreuz im Dresdner Land (DRK) aufgebaut wird.

Dabei handelt es sich um Ehrenamtliche, die bei plötzlichen Todesfällen, Unfällen und auch bei Katastrophen von den Rettungskräften hinzugerufen werden. Also all den Unglücken, die Betroffene und Angehörige völlig schockiert und hilflos zurücklassen. Vor Ort sollen die Kriseninterventionshelfer "Erste Hilfe für die Seele" leisten, wie Töpper sagt. "Unser Ziel ist es, uns so schnell wie möglich entbehrlich zu machen."

Im Fall der Dame hätte das bedeuten können, dass man ihr erst einmal deutlich macht, was passiert ist. Dann geht es darum, naheliegende Fragen zu klären: die Verwandten zu informieren, das Bestattungsunternehmen anzurufen, Freunde oder Angehörige als Stütze herbeizuholen. Zuhören gehört auch dazu. Der Einsatz sei erst dann beendet, wenn die betroffene Person in ihrem sozialen Netz sicher gelandet sei, sagt Kerstin Diener. Sie ist neben Töpper eine von zwei derzeit voll ausgebildeten Kriseninterventionshelfern und fungiert als Leiterin des noch im Aufbau befindlichen Teams. Nach ihrer Erfahrung dauern die meisten Einsätze zwischen zwei und drei Stunden.

Dabei ist es ein wichtiger Bestandteil, den Angehörigen Gelegenheit zum Abschied zu geben. Auch bei Verunglückten helfe es den Hinterbliebenen ungemein, einen letzten Blick auf den Verstorbenen zu werfen, wenn diese nicht allzu schlimm entstellt sind. "Wer es mit eigenen Augen gesehen hat, kann den Tod akzeptieren und trauern", sagt Diener. Sie hat deswegen schon Bestattungsunternehmen angerufen und sie im Vorfeld eines Abschiedsbesuchs gebeten, den Leichnam herzurichten. Manchmal helfe auch die Rechtsmedizin. "Viele sind inzwischen sensibilisiert", sagt sie, die auch Beamte bei der Überbringung der Todesnachricht unterstützt.

Angesichts der Schwere der Aufgabe ist es erstaunlich, dass sich mehr als 20 Freiwillige für das Ehrenamt gemeldet haben. Darunter Psychologiestudenten, Rentner, Sanitäter, Busfahrer. 17 von ihnen werden im Herbst des Jahres geschult, sodass die Gruppe ab Januar 2015 in Einsatz gehen kann. Geplant ist eine Bereitschaft rund um die Uhr. Dabei gibt es allerdings eine Schwierigkeit: Der Landkreis Meißen hat die Aufgabe an die Diakonie Riesa-Großenhain vergeben. Entsprechend wird auch nur diese KIT-Gruppe von der Leitstelle informiert. Nach Meinung Töppers funktioniere das im Altkreis Meißen jedoch nicht so gut, weil das Gebiet zu groß und die Diakonie-Gruppe zu klein sei. Konkrete Einsätze, bei denen Kriseninterventionshelfer gefehlt haben, will er nicht nennen, um kein Öl ins Feuer zu gießen. Aber mit 1,5 KIT-Einsätzen je 10 000 Einwohner fällt der Landkreis Meißen nach Berechnungen Töppers im Vergleich mit Dresden (2,8 Einsätze je 10 000 Einwohner) deutlich ab. Für ihn ein Grund, unermüdlich Gespräche mit der Leitstelle zu führen, um die Versorgung generell zu verbessern. Man müsse abwarten, wie das erst einmal ist, wenn die Gruppe aufgestellt ist, sagt er. Immerhin glauben die Stadtwerke Meißen und die Stadtwerke Elbtal an das Projekt. Gemeinsam unterstützen sie das KIT mit 500 Euro Ausbildungshilfe.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.07.2014

Uwe Hofmann

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