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Erinnerungsarbeiter: Verein Alternatives Kultur- und Bildungszentrum (Akubiz) in Pirna

Erinnerungsarbeiter: Verein Alternatives Kultur- und Bildungszentrum (Akubiz) in Pirna

"Der Mensch ist erst wirklich tot, wenn niemand mehr an ihn denkt", lautet ein Zitat Bertolt Brecht. Damit die Erinnerung an die Gräuel und Verbrechen des Nationalsozialismus sowie vor allem an die vielen Opfer der Terrorherrschaft nicht verblasst, leistet der Verein Alternatives Kultur- und Bildungszentrum (Akubiz) seit seiner Gründung 2001 Gedenkarbeit.

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Die Broschüre zur Erinnerung an NS-Opfer will Steffen Richter an allen Schulen im Landkreis verteilen.

Quelle: Silvio Kuhnert

"Wir sind keine Historiker", sagt Vereinschef Steffen Richter. Als "Erinnerungsarbeiter" bezeichnet er sich selbst. Das neueste Ergebnis dieses Engagements ist die Broschüre "Warum erinnert ihr euch nicht an die Augen von...", die am kommenden Mittwoch veröffentlicht wird.

Zu einem Schwerpunkt der ehrenamtlichen Arbeit des Vereins zählt die Aufarbeitung lokaler Geschichte. "Unser Interesse gilt dabei nicht der großen Geschichte, sondern der einzelner Menschen und ihrer persönlichen Erinnerungen. Wenn es gelingt, diese erfahrbar zu machen, lässt sich besser verstehen, dass auch die Vergangenheit von wirklichem, gelebtem Leben handelt und nicht nur aus sterilen Zahlen besteht", meint Richter, der hauptberuflich als Heilpädagoge im Heim in Bonnewitz arbeitet.

Eine dieser Zahlen ist 140 - so vielen Menschen brachte die NS-Herrschaft in Pirna und der Region einen gewaltsamen Tod. "Es ist nur eine Momentaufnahme", betont Richter. Denn bislang wurden die Namen von 140 NS-Opfern recherchiert. "Die Recherche ist noch nicht abgeschlossen." Oft sind nur die Namen bekannt. "Doch hinter jedem steht ein Schicksal", so Richter. Dieses zu erzählen und nicht dem Vergessen anheim fallen zu lassen, haben sich die Mitglieder des Akubiz zur Aufgabe gesetzt.

13 Biographien sind in der Broschüre vereinigt. Die Menschen starben aus den unterschiedlichsten Gründen. Friedrich Morche aus Pirna war Antifaschist. Er schloss sich der tschechischen Auslandsarmee an und fiel am 5. November 1944 bei Ebany in Frankreich. Der Sebnitzer Alfred Möbius kämpfte als Partisan. Die Künstlerin Elfriede Lohse-Wächtler wurde bei den "Euthanasie"-Morden auf dem Sonnenstein umgebracht. Erna Scholz aus Heidenau musste sterben, weil sie Kommunistin war. Und Gerhart Schubert, Lehrer aus Lohmen, weil er Sozialdemokrat war. Frieda Hänsel wurde nach Auschwitz deportiert. Für den NS-Rassenwahn galt sie als Jüdin, obwohl sie getauft und konfirmiert wurde.

"Wie können wir Menschen für lokale Geschichte interessieren?", fragen sich die Mitglieder von Akubiz immer wieder aufs Neue. Um auch den weniger Geschichtsinteressierten an historische Themen heranzuführen, setzen sie weniger auf dicke Wälzer, sondern wollen mit Flyern wie über das Konzentrationslager Burg Hohnstein oder die KZ-Außenlager Königstein und Pirna-Mockethal/Zatzschke, dem Stadtplan "Jüdisches Leben in Pirna", Wanderseminaren sowie Broschüren eine breite Öffentlichkeit und vor allem auch Schüler erreichen. Das Heft "Warum erinnert ihr euch nicht an die Augen von..." wird an allen Schulen des Landkreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge kostenlos verteilt.

Die Idee zu dem aktuellen Erinnerungsprojekt wurde am Geschichtsinstitut "Istoreco" in Reggio Emilia entwickelt. "Seit 2006 verbinden uns viele gemeinsame Aktivitäten", sagt Richter. Mit dem Erscheinen der Broschüre ist die Erinnerungsarbeit nicht abgeschlossen. Unter www.augen-erinnern.de sollen weitere Biografien von NS-Opfern veröffentlicht werden. Am 10. Dezember werden um 18.30 Uhr in der Stadtbibliothek Pirna die Broschüre und das Projekt vorgestellt.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 05.12.2014

Silvio Kuhnert

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