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Endlich wieder Spargelzeit

Sächsische Produzenten in den Startlöchern Endlich wieder Spargelzeit

Schon seit rund zwei Wochen drängt im Raum Dresden Spargel aus Beelitz – südlich von Potsdam gelegen – massiv auf den Markt. Das Edelgemüse von sächsischen Feldern ist dagegen noch rar. Das soll sich bald ändern.

Die Spargelanbaufläche in Sachsen hat sich nicht verringert. Wie das Statistische Landesamt Sachsen veröffentlichte, wurde 2015 auf 324 Hektar Fläche Spargel angebaut.

Quelle: dpa-Zentralbild

Dresden. Schon seit rund zwei Wochen drängt im Raum Dresden Spargel aus Beelitz – südlich von Potsdam gelegen – massiv auf den Markt. Das Edelgemüse von sächsischen Feldern ist dagegen noch rar. „Wir sind in den Startlöchern“, sagt zum Beispiel Roland Naumann, Gesellschafter der Agrar GbR Naundörfel, die den Nieschützer Spargel produziert. „Wir hoffen jetzt auf Sonne.“

Im Unternehmen von Josef Brummer aus Klingenhain wurden wie die Jahre zuvor schon im Februar die ersten weißen Stangen aus der Erde geholt. Denn der Spargelbauer heizt einen Teil seiner Felder mit der Abwärme aus Biogasanlagen. Der Anteil des auf diese Weise verfrühten Spargels ist jedoch - sachsenweit gesehen – mit etwa einem Prozent gering. Zudem macht sich der Aufwand im Preis bemerkbar. Zwischen 11 und 13 Euro pro Kilo muss man schon hinlegen, wenn man vor der Zeit Spargel essen möchte. Denn „normalerweise ist Erntestart, wenn man mit Folie verfrüht, um den 20. April. Nimmt man keine Folie, dann Anfang Mai“, erinnert Naumann aus Nieschütz. Bei Brummers werde jetzt aber auch schon auf den ungeheizten Feldern gestochen. „Ich denke, dass es zum Wochenende hin bei uns in Sachsen so richtig mit der Spargelernte losgeht“, so Holger Schöne, Vorsitzender des Sächsischen Spargelverbandes.

In Beelitz war dagegen schon am 14. April offiziell Spargelsaisoneröffnung. „Wir sind zehn Tage später als sonst“, meint Manfred Schmidt, der Vorsitzende des dortigen Spargelvereins, sogar. Und man sei mittendrin in der Ernte. Der Grund: Die Brandenburger betreiben einen Riesenaufwand beim Verfrühen des Spargels.

Manfred Schmidt aus Beelitz erläutert, wie: Wie in Sachsen auch würden die Felder mit einer zweifarbigen Folie abgedeckt. Die eine Seite ist schwarz, die andere weiß. Solange es noch kühl ist, kommt die schwarze Seite nach oben, um die Sonne „anzuziehen“ und den Boden aufzuheizen. Ist es dagegen heiß, kommt die weiße Seite nach oben. Die reflektiert das Sonnenlicht, so dass sich die Erde nicht zu sehr erwärmt. Mit Hilfe von Drahtbügeln spannen die Brandenburger dann eine zweite durchsichtige Thermofolie über die zweifarbige Folie, die jetzt mit der schwarzen Seite nach oben liegt. „Und darüber kommt dann – immer über drei Spargelreihen – eine dritte Folie. Die ist dünn, durchsichtig und hat viele kleine Löcher. So nutzen wir wie mit einem Brennglas einfach jeden Sonnenstrahl und es dauert nicht lange, dass sich der Boden auf 10, 12, 14 Grad erwärmt.“ Die Lochfolie lasse man bis etwa Ende April gespannt, dann komme sie weg. Sobald die Außentemperatur um 20 Grad Celsius liegt, werde auch die Thermofolie entfernt. Alles in allem ein immenser Aufwand, der sich ebenfalls im Preis niederschlägt – bei bis zu 13 Euro pro Kilo für den ersten Spargel.

Hat die Ernte dann richtig eingesetzt, fallen die Preise. Inwieweit sich der Mindestlohn beim Endverbraucherpreis auswirkt, dazu wollte kein von uns befragter Spargelbauer konkrete Angaben machen. In der Landwirtschaft steige der Mindestlohn stufenweise. Vergangenes Jahr 7,20 Euro, dieses Jahr 7,90 Euro und nächstes Jahr 8,60 Euro. Man habe 2015 versucht, das irgendwie zu kompensieren, hieß es. Doch der Ertrag steige nicht so schnell wie der Mindestlohn. Auch andere Kosten steigen. Also werde sich das wahrscheinlich im Endverbraucherpreis niederschlagen.

„Bei uns waren die Löhne schon in dem Mindestlohnbereich. Wenn man gute Leute will, muss man sie auch ordentlich bezahlen“, sagt Josef Brummer zum Thema. Und es werde leistungsgerecht entlohnt. Dass erfahrene Erntehelfer beim Spargelstechen ein nicht zu unterschätzendes Pfund sind, bestätigt Holger Schöne. Denn wenn die Stangen nicht sachgerecht aus der Erde geholt werden, leidet die Qualität und verfällt der Preis, den man für die Ware verlangen kann. Schöne, nicht nur Verbandsvorsitzender, sondern auch Chef des Spargelhofes in Ponickau in Thiendorf, hat ein Haus ausgebaut und kleine Wohnungen geschaffen, wo in der Spitze bis zu 40 Leute unterkommen. Denn die Erntehelfer in Sachsen und auch in Brandenburg kommen nur zu einem geringen Teil aus Deutschland, sondern reisen von weit her an: vor allem aus Polen, Rumänien und Bulgarien, aber auch aus Kroatien und Slowenien, erfahren wir bei unserer Umfrage.

Die Spargelanbaufläche in Sachsen hat sich nicht verringert. Wie das Statistische Landesamt Sachsen veröffentlichte, wurde 2015 auf 324 Hektar Fläche Spargel angebaut. 2014 waren es 315,8 Hektar. Im Ertrag standen 2015 insgesamt 254,3 Hektar, ein Jahr zuvor 194 Hektar. Die Diskrepanz entsteht, weil der Spargel, wenn er gepflanzt wird, erst wachsen muss. In der Regel kann man erst im dritten Standjahr das erste Mal ernten.

Von Catrin Steinbach

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