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Elf Schüler des Lößnitzgymnasiums fahren in Radebeuls ukrainische Partnerstadt Obuchiw

Schüleraustausch in schwierigen Zeiten Elf Schüler des Lößnitzgymnasiums fahren in Radebeuls ukrainische Partnerstadt Obuchiw

8.20 Uhr ist Treffen auf dem Bahnhof, von da geht es für elf Schüler des Lößnitzgymnasiums in die Ferne. Nach eineinhalb Tagen Zugfahrt werden sie in Obuchiw ankommen, seit 1999 Radebeuls Partnerstadt in der Ukraine. Im Gepäck: Ein schwieriges Stück deutsch-ukrainischer Geschichte.

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Schüler des Lößnitzgymnasiums präsentieren mit OB Bert Wendsche (3.v.l.) und Lehrerin Margrit Schubert-Enskrath (4.v.l.) die zwei Tafeln fürs Obuchiwer Museum.

Quelle: Uwe Hofmann

Radebeul. 8.20 Uhr ist Treffen auf dem Bahnhof, von da geht es für elf Schüler des Lößnitzgymnasiums in die Ferne. Nach eineinhalb Tagen Zugfahrt werden sie in Obuchiw ankommen, seit 1999 Radebeuls Partnerstadt in der Ukraine. Im Gepäck: Ein schwieriges Stück deutsch-ukrainischer Geschichte: Zwei Tafeln, die die Zehnt- und Elftklässler in wochenlanger Arbeit nach dem Unterricht zusammengestellt haben. Mit großen Fotos und in kyrillischer Schrift wird über in Zeithain internierte sowjetische Strafgefangene im Zweiten Weltkrieg informiert. 17 Namen von Soldaten aus Obuchiw sind zu lesen.

Die Radebeuler haben sie bereits 2012 ein erstes Mal in Obuchiwer Zeitungen bekannt gemacht, woraufhin einer Nachfahrenfamilie Unterlagen zum Verbleib des 1942 verstorbenen Michail Berewinskiy übergeben werden konnten. „Für die Familie konnte endlich ein Stück offener Geschichte geschlossen werden – ein rührender Moment“, sagt Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos).

Möglich, dass sich nun weitere Nachfahren melden, schließlich werden die Tafeln der Radebeuler Schüler am Sonnabend unter großem Medienaufsehen ins Stadtmuseum von Obuchiw aufgenommen. Auch dort wird eine Lücke geschlossen, tut sich die Ukraine doch nach wie vor schwer, die Geschichte der sowjetischen Kriegsgefangenen, von denen 30 000 in Zeithain interniert waren und 25 000 dort starben, aufzuarbeiten.

Hinzu kommen erschreckende Parallelen zur Gegenwart. Neun junge Männer aus Obuchiw seien inzwischen bei den „kriegerischen Auseinandersetzungen“ in der Ukraine zu Tode gekommen, wie Lehrerin Margret Schubert-Erkrath mit Verweis auf den typischen Sprachduktus des Landes sagt. Das Wort Krieg will in der Ukraine keiner in den Mund nehmen. 1500 Flüchtlinge aus den östlichen Landesteilen leben in der etwa 50 Kilometer von Kiew entfernten Kleinstadt. Zumeist sind sie bei Familienangehörigen untergebracht.

Es ist also bei weitem keine einfache Lage in Land, dennoch freuen sich die Schüler auf den eineinhalbwöchigen Aufenthalt. Man wolle dort endlich ein Mal das sonst nur im Unterricht benutzte Russisch sprechen, sei neugierig auf Land und Leute, meinen sie. „Es ist gut, dass ihr in Familien untergebracht seid“, gibt ihnen der OB auf die Reise. Man sei so viel näher an den Menschen dran.

Die Teilnahme am Stadtfest am Sonntag steht bei den Schülern auf dem Programm und der Besuch des Museums zum Zweiten Weltkrieg in Kiew, das seine Ausstellung in den letzten Jahren komplett modernisiert habe, wie Schubert-Enkrath sagt. „Wir hoffen, dass wir uns in Kiew einen Tag frei bewegen dürfen, zuletzt waren wir dort keinen Moment ohne Beobachtung“, fügt sie an. Man werde auch über die Zukunft des seit fünf Jahren bestehenden Austauschprogramms diskutieren müssen.

Denn eigentlich wollten 14 Radebeuler Schüler die Fahrt mitmachen. Da sich in der Ukraine nur elf Austauschfamilien gefunden haben, bleiben drei der Deutschen zurück. Die Gründe hierfür können vielfältig sein, dass ein Ticket nach Deutschland derzeit einen ukrainischen Monatslohn kosten kann, macht die Sache sicher nicht einfach. Insofern ist es ein starkes Zeichen, dass es überhaupt weitergeht. Im nächsten Jahr werden die Ukrainer zum Gegenbesuch erwartet.

Von Uwe Hofmann

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