Volltextsuche über das Angebot:

28 ° / 18 ° Gewitter

Navigation:
Google+
Elf Millionen Euro Sanierungsstau auf Schloss Wackerbarth

Elf Millionen Euro Sanierungsstau auf Schloss Wackerbarth

"Ja, die Rede von einem Investitionsstau ist gerechtfertigt", sagt Till Neumeister, der Weinbaumeister des Staatsweinguts Schloss Wackerbarth. Er meint die Weinbergsmauern auf den Rebflächen, die zu einem großen Teil in einem erbärmlichen Zustand sind.

Voriger Artikel
Kriminalpolizei stellt in Radeberg gestohlene Waffen und anderes Diebesgut sicher
Nächster Artikel
Vodafone will Netzprobleme in Pirna beseitigen

Rund 400 Quadratmeter neue Trockenmauer lässt Wackerbarth in diesem Jahr am Hausberg und am Goldenen Wagen setzen.

Quelle: Martin Förster

Bei 60 Prozent der bisher noch nicht sanierten Trockenmauern bestehe dringender Handlungsbedarf, hat Wackerbarth in einer kürzlich erstellten Studie erfasst. Betroffen sind vor allem die Prestigelagen Goldener Wagen und Wackerbarthberg. Insgesamt müssten laut der Untersuchung elf Millionen Euro ausgegeben werden. Eine horrende Summe.

Bisher bringt das Staatsweingut jährlich zwischen 200 000 und 400 000 Euro für die Sanierung der Trockenmauern auf. Dieses Jahr sollen es eher 200 000 Euro sein, mit denen sich rund 400 Quadratmeter neue Mauer setzen lassen. Das ist bei einer Gesamtmauerfläche von rund 25 000 Quadratmetern nicht viel mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Für mehr sei einfach kein Geld da, teilt Wackerbarth-Chefin Sonja Schilg auf Anfrage der DNN mit. Die teils sehr schlechten Weinernten der letzten fünf Jahre hätten da nicht unbedingt für größere Spielräume gesorgt. Entsprechend sei ein Abschluss der Sanierungsarbeiten schlicht nicht abzusehen, wie es auf Nachfrage der DNN heißt. Wenn es so weiter geht, müsste man bei Wackerbarth bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag gegen einstürzende Weinbergsmauern ankämpfen.

Dieses Problem ist eigentlich seit längerem bekannt, wird aber immer akuter. Fast in der Juniflut 2013 untergegangen sind etwa die vielen Mauerbrüche, für die der anhaltende Dauerregen in den Weinbergen Radebeuls gesorgt hat. Die Trockenmauern sind teilweise hunderte Jahre alt und halten dem Wasserstrom schlicht nicht mehr stand. Während private Weinbauunternehmen ihre Schäden immerhin mit Fördermitteln aus dem Fluthilfetopf beseitigen konnten, stand Wackerbarth diese Möglichkeit als Staatsunternehmen nicht offen. Zudem ist es mit seinen Radebeuler Weinlagen, auf die sich die schlimmsten Schäden konzentrieren, von der regulären Förderung mit EU-Mitteln ausgeschlossen, weil die Lößnitzstadt nicht, wie von den Regularien verlangt, zum ländlichen Gebiet gehört. Unbestritten hat das Staatsweingut bei der Weinbergssanierung die größten Probleme, wird aber paradoxerweise vom Freistaat bisher allein gelassen.

Immerhin bemüht man sich hinter den Kulissen, daran etwas zu ändern. Man wolle auch die Radebeuler Winzer fördern, wenn sie ihre Trockenmauern sanieren, sagte etwa CDU-Landtagspräsident Matthias Rößler (CDU) jüngst bei einer Tourismus-Debatte in der Hoflößnitz. Man werde eine Lösung dafür finden, versprach der langjährige Weinbausprecher seiner Fraktion. Allzu viel Zeit darf man sich im Landwirtschaftsministerium dafür aber nicht nehmen, wie Wackerbarth-Weinbauleiter Neumeister bekräftigt: "Die natürliche Verwitterung der Steine wird in Sachsen durch die Zunahme der Witterungsextreme - Frost, flutartige Niederschläge 2003, 2009 und 2013 - beschleunigt. Die Gefahren für den Erhalt der sächsischen Weinkulturlandschaft wachsen direkt proportional." Bedeutet: Wer jetzt nichts tut, zahlt später drauf.

Deswegen ist man bei Wackerbarth nicht untätig und sucht den Schulterschluss mit den übrigen Winzern. In Zusammenarbeit mit dem Weinbauverband Sachsen werde zur Zeit eine generelle Bestandsaufnahme der Trockenmauern und des Sanierungsbedarfes für das gesamte Weinanbaugebiet Sachsen erfasst, heißt es. Ziel soll eine systematische Sanierung der Trockenmauern sein, weil man mit dem bloßen Flick einzelner durchgebrochener Stellen nichts erreichen kann. "Eine Einzellösung für die Terrassenweinberge von Schloss Wackerbarth wird nicht ausreichend sein", hat Wackerbarth-Chefin Schilg erkannt. "Es ist die Mission des Staatsweingutes, diese Prozesse für den Erhalt der Weinkulturlandschaft aktiv mitzugestalten." Von einer das gesamten Weinbaugebiet erfassenden Konzeption würden auch die Hobby-Winzer und die vielen kleinen privaten Weinbauunternehmen gleichermaßen profitieren, wirbt sie um die Idee. Klar ist aber auch: Am nötigsten von ihnen allen hat ein solches Programm das Staatsweingut selbst.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.06.2014

Uwe Hofmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Region News

Ob zur Entspannung, in der Mittagspause oder zum Spaß mit Freunden. Auf unserer Spieleseite können Sie wählen zwischen Denksport-, Geschicklichkeits-, Such- und Sportspiele. Jetzt gratis spielen im Spieleportal von DNN.de! mehr

17.08.2017 - 08:54 Uhr

Der CDU-Politiker widerspricht seinem Amtskollegen Boris Pistorius aus Niedersachsen und betont die besondere Gefährdung durch Verbrennungen

mehr