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Elektronische Rückspiegel von "AviRail" aus Freital sollen Bahnen sicherer machen

Elektronische Rückspiegel von "AviRail" aus Freital sollen Bahnen sicherer machen

Damit Bahnen sicherer werden und sich weniger Menschen durch unbedachte Manöver an ab- oder anfahrenden Zügen verletzen oder gar sterben, konstruiert das junge Freitaler Unternehmen "AVIrail" nun elektronische Rückspiegel.

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Thomas Hahne von AviRail Freital zeigt die Funktionsweise des elektronischen Rückspiegels.

Quelle: Heiko Weckbrodt

Anders als deren klassisch-gläserne Brüder zeigen deren geteilte Bildschirme ("Split Screens") dem U-, S- oder Straßenbahnfahrer auf einen Blick linke wie rechte Zugseite, kennen keine tote Winkel. "Haben Sie schon mal in einem richtig großen Fahrzeug wie einem Laster versucht, alle Rückspiegel im Auge zu behalten?", fragt "AVIRail"-Prokurist Thomas Hahne rhetorisch. "Bei unseren elektronischen Bildschirmen hat der Zugführer alles auf einen Blick."

Dass das so sicher funktioniert, wie es die gestrengen Verkehrsgesellschaften wünschen, darum kümmern sich 15 Ingenieure, Techniker, Programmierer und andere "AVIRail"-Kollegen im - ansonsten bisher eher schwach ausgelasteten - Freitaler Technologiezentrum: Sie entwerfen Leiterplatten, denken sich Belastungstests aus, erproben das Zusammenspiel von Displays, Videoweichen und Kameras. Produziert werden die eRückspiegel dann bei Auftragsfertigern wie der Dresdner "ECD" im nahen Gewerbegewebiet Coschütz-Gittersee.

Nun mag sich der Laie fragen: Was ist eigentlich so kompliziert daran, einfach einen Monitor und eine Kamera im Netz zu bestellen, zusammenzustöpseln und an eine Straßenbahn zu schrauben? "So haben das manch andere Anbieter versucht - und sind gescheitert", erklärt Hahne. Denn Standardkomponenten, die etwa in einer Shanghaier Hinterhofwerkstatt zusammengebaut wurden, taugen nicht für den harten Bahneinsatz, halten kaum einen Monat die Rüttelei, die Temperatur-Unterschiede, die Nässe und den Staub einer Bahnstrecke aus.

Deshalb sind die "AVIRail"-eRückspiegel auch speziell für diesen Bahneinsatz gemaßschneidert, besonders robust konstruiert und verkapselt und mit Elektronik versehen, die jahrzehntelang klaglos rechnet, wie Hahne versichert. Zudem setzen die Freitaler Ingenieure auf analoge statt digitale Technik. Das mutet wie ein Anachronismus an, hat aber gute Gründe: Bezahlbare digitale Kamera-Monitor-Systeme sind schlicht zu langsam. Sekundenlange Verzögerungen, bis das Rückspiegelbild das reale Geschehen auf dem Bahnsteig zeigt, wären aber ein enormes Sicherheitsrisiko - untragbar, wenn Menschenleben daran hängen, dass ein Zugführer sofort auf einen eilig aufspringenden Passagier noch reagieren kann.

Anderes bei der Analogtechnik: Deren Bildsignale werden durch die in Freital entwickelten Videoweichen ohne merkliche Verzögerung auf den Bildschirm geschleust. Auch in anderen sicherheitssensiblen Branchen sehen Hahne und sein Chef, der Firmengründer Kurt Lyvanec, daher Marktpotenzial für ihre eRückspiegel: zum Beispiel in gepanzerten Militärfahrzeugen oder auf riesigen Containerschiffen, die oft mit nur wenigen Matrosen an Bord über die Weltmeer schippern.

Zwar hat das erst vor einem Jahr gegründete Unternehmen bisher keine Bahnflotte mit seinen ihren elektronischen Spiegeln ausgerüstet, macht auch noch keine Gewinne, sucht erst nach Kunden. Doch das Argument "Mehr Sicherheit" zieht anscheinend schon bei manchen Verkehrsgesellschaften, obwohl die eRückspiegel mit Stückpreisen ab 5000 Euro aufwärts sicher 100 Mal teurer sind als ein klassischer Glasspiegel. "Das Interesse auf Messen war groß", versichert Hahne. So tüfteln die Freitaler nun emsig an der Serienreife ihrer eRückspiegeln, entwickeln weitere Komponenten wie etwa passende Videorekorder, die Bahnfahrten dokumentieren. Und langsam wird es schon wieder eng in den Büros: Immerhin hat sich die Belegschaft seit dem Start im Oktober 2013 verfünffacht. "AVIRail" werde nun mehr Räume im Technologiezentrum anmieten, kündigte Hahne an. Vielleicht sieht das dann auch nicht mehr so verlassen und düster aus-

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.10.2014

hw

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