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Elbland wirbt auf Grüner Woche - Asylthema sorgt für gemischten Rückblick

Gute Argumente gegen weniger gute Erwartungen Elbland wirbt auf Grüner Woche - Asylthema sorgt für gemischten Rückblick

Mit kulinarischen Köstlichkeiten will sich das sächsische Elbland auf der Grünen Woche in Berlin als Urlaubsziel empfehlen. Möglicherweise werfen die Aufmärsche der Pegida-Bewegung in Dresden und des Heimatschutzes in Meißen aber Schatten auf das Bild vom idyllischen Wein- und Kulturland.

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Anja Fritz baut Wein an, wandert mit Gästen durch die sächsischen Weinberge und vermietet Ferienwohnungen. Sie hat Sorge um den Ruf von Meissen.

Quelle: Lars Müller

Meißen. Nicht nur mit kulinarischen Köstlichkeiten will sich das sächsische Elbland auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin präsentieren, sondern sich auch als Urlaubsziel empfehlen. Möglicherweise werfen die Aufmärsche der islam- und asylkritischen Pegida-Bewegung in Dresden und des Heimatschutzes in Meißen aber Schatten auf das Bild vom idyllischen Wein- und Kulturland zwischen Pirna und Torgau. Die aktuellen Buchungszahlen zeigen zwar noch keine signifikanten Einbrüche. Dennoch blicken Touristiker mit gemischten Gefühlen auf die Saison 2016.

Anja Fritz zum Beispiel, sie ist Winzerin und vermietet in Meißen sieben Ferienwohnungen mit insgesamt 24 Betten. Für die 45-Jährige sind Feriengäste ein wichtiges Standbein. Sie bietet ihre Unterkünfte auf verschiedenen Plattformen im Internet an. "Im vergangenen Jahr hatte ich dort 25 Prozent weniger Suchanfragen als noch 2014", sagt Anja Fritz. Sie vermutet, dass das mit der Fremdenfeindlichkeit in der Region zu tun haben könnte. Stornierungen habe sie noch keine bekommen, Nachfragen von verunsicherten Gästen aber durchaus. Sie geht derzeit jedoch davon aus, dass die internationalen Krisen dem heimischen Tourismus helfen könnten. Von den regionalen Politikern fordert die Winzerin, dass Pegida und Heimatschutz nicht im Herzen der Altstädte aufmarschieren dürfen. "Das können wir Touristiker erwarten, schließlich zahlen wir alle in die Tourismuswerbung ein, die genau mit den Sehenswürdigkeiten um Gäste buhlt, vor denen Extremisten ihre Parolen verbreiten." Und auch die Bundespolitik sieht Anja Fritz in der Pflicht. Es müsse eine geregelte Einwanderung umgesetzt werden, wie dies in anderen Ländern wie z.B. der Schweiz auch funktioniere, um Verunsicherung in der Bevölkerung endlich abzubauen. Ihre Sorge bleibt es aber, dass Meißen und Dresden als ausländerfeindliche Städte abgestempelt werden könnten und ihr Ruf dauerhaft ramponiert werde.

Der Vereinsvorsitzende des Tourismusverbandes Sächsisches Elbland und Rathauschef von Radebeul reagiert bei dem Thema spürbar gereizt. "Wir sollten nicht immer ein Randproblem thematisieren", sagte er den DNN. "Extreme" gäbe es schließlich überall. Stattdessen forderte er auf Nachfrage, das Hauptproblem - "eine drohende Spaltung der Gesellschaft wie vor dem Ersten Weltkrieg" - zu verhindern.

Der Tourismusverband Sächsisches Elbland kann bisher noch keine negativen Auswirkungen feststellen. Geschäftsführerin Sindy Vogel will diese aber auch nicht ausschließen und verweist auf das Projekt "Dialog der Gastgeber". Diese gemeinsam mit dem Landestourismusverband und der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung für alle Tourismusregionen gestartete Aktion soll Gastgebern und Tourist-Informationen Fakten und Argumente zur Kommunikation an die Hand geben und sie so besser auf eventuelle Anfragen oder Stornierungswünsche vorbereiten. "Da das Asylthema eine stark emotionale und subjektive Komponente darstellt, ist es schwierig, hier gesonderte Kampagnen zu fahren", so Sindy Vogel. Zudem sei es kein Thema, was nur das Sächsische Elbland betrifft, sondern ganz Sachsen, wenn nicht sogar Deutschland und Europa. Somit sei es wichtig, gemeinsam Sachsen jetzt positiv zu platzieren.

2015 war für das Elbland "ein durchwachsenes Jahr und sicherlich auch nicht das einfachste Jahr für Sachsen", betonte die Tourismuschefin der Region. "Insgesamt können wir aber zufrieden sein", sagt sie und führt in einem Atemzug "die Problematik des Niedrigwassers für die Dampfschifffahrt und die negative Medienberichterstattung zu Ausländerfeindlichkeit in Sachsen" als Schwierigkeiten für den Fremdenverkehr an.

"Ohne Reha-Kliniken haben wir von Januar bis Oktober ein leichtes Minus von 0,5 Prozent bei den Ankünften und rund drei Prozent Minus bei den Übernachtungen", so Sindy Vogel. Meißen, Weinböhla und Radebeul hätten gegen den Trend zugelegt. Das zeitweise schlechte Image von Heidenau wurde demnach eher auf die Sächsische Schweiz projiziert. "Sichtbare Einbrüche nach den Anschlägen auf Flüchtlingswohnheime sind nicht erkennbar." Dem Tourismusverband lägen aktuell keine Stornierungswünsche vor. "Zu akuten Zeiten im Juli" - nach dem Brand der noch nicht bezogenen Flüchtlingswohnung in Meißen - habe es in der Tourist-Information Meißen aber Gäste gegeben, die von einer Anreise absahen, räumt die Tourismuschefin des Elblandes ein. Dresden mit seinem Kongressgeschäft habe es aber ungleich schwieriger, wobei auch nicht immer klar sei, ob die Bettensteuer oder Pegida der Grund für Fernbleiben von Besuchergruppen aus dem In- und Ausland ist.

von Lars Müller

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