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Eisberg-Prinzessin im Klimawandel: Märchenhafte Kinderoper an den Landesbühnen Sachsen in Radebeul

Eisberg-Prinzessin im Klimawandel: Märchenhafte Kinderoper an den Landesbühnen Sachsen in Radebeul

Die einzige Kritik gleich vorab: Warum wieder das Muster von der spröden, eisgekühlten und selbstgefälligen Prinzessin, für deren Eroberung sich sogar ein König abstrampeln und verbiegen muss? Und wann hat der eigentlich seine Primärerfahrungen als perfekter Lover, ja Liebespädagoge gemacht? Mit dieser bewährten Konstellation programmiert Autor und Cartoonist Friedrich Karl Waechter jedenfalls eine Grundspannung und eben jenen Lernprozess, den die Prinzessin auf dem Eisberg stellvertretend für die Unisex-Zielgruppe erlebt.

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Iris Stefanie Maier (links) spielt die Prinzessin, Kazuhisa Kurumada den König. Zudem wirkt Anke Teickner (im Hintergrund) als Großmutter mit.

Quelle: Detlef Ulbrich

Denn Adressaten sind die Fast-schon-nicht-mehr-Kinder ab 10, denen die ersten Erfahrungen mit dem "süßen Regen", wie es poetisch im Text heißt, absehbar bevorstehen.

Diese zärtlich zu begleiten, haben die Landesbühnen Sachsen in ihrem neuen "jungen.studio" eine knapp einstündige Kammeroper "Eisberg nach Sizilien" herausgebracht. Der Eisberg, auf dem die eitle und unnahbare Prinzessin hockt, ist natürlich ebenso ein metaphorischer wie der warme Süden Siziliens, dessen junger König unrettbar in die kühle Schönheit verliebt ist. Zur Illustration des Eisbergs genügen übrigens zwei weiße Tücher und eine Leiter, die dann praktischerweise auch gleich als Schiff für die Überfahrt gen Süden dient.

Wir ahnen es: Die Prinzessin ist nur deshalb so spröde, weil sie noch nicht erweckt ist. Der junge König schafft das zunächst auch nicht und schließt deshalb einen Pakt mit des Teufels Großmutter, in deren Dienst er drei Jahre tritt. Die ist im Nebenberuf gleich Erzählerin der Geschichte und sieht in Person von Anke Teickner so aus, als habe sie dem etwas hilflosen König alle Liebestricks und Verführungskünste selber beigebracht. Zu denen gehört es interessanterweise, dass er sich erst einmal als Mädchen verkleiden muss. Homoerotik also öffnet verschlossene Herzen und Pforten. Was dann aber an Dialogen, vorsichtigen Annäherungsversuchen und Elementarunterricht an Berührungskunde vor allem auf der Schifffahrt gen Süden folgt, ist anrührend und allerliebst anzuschauen und Kern des Stücks. Es geht mit behutsamer Sinnlichkeit jedenfalls weit über die Hohe Minne hinaus bis zur Irritation, dass sich beim verkleideten König unterhalb des Bauches "das Glück" regt. Ein bisschen Verwechslungsspiel am sizilianischen Hof, selbstbewusstes Erwachen der gar nicht mehr so kühlen Schönheit, Happy End bei einer zur Horizontalen tendierenden Liebesbalgerei.

Diese poetische Aufklärungsgeschichte bringt die Regie von Klaus-Peter Fischer halb märchenhaft, halb ironisch ans dichtauf sitzende Publikum der Studiobühne. Bei einer solch intimen Kammeroper kann das Sängerpaar nicht einfach eine Partie absingen, sondern muss viel spielen. Das tun Iris Stefanie Maier und Kazuhisa Kurumada aus dem Ensemble auch auf erfrischende Weise, letzterer mit auffälliger Wandlungsfähigkeit.

Stimmlich verlangt Ihnen die Komposition des Österreichers Kurt Schwertsik nichts Übermenschliches ab. Dessen Musik schwebt irgendwie zwischen den Zeiten und Stilen, aber keineswegs über dem Geschehen. Denn sie ist ausgesprochen illustrativ und eng an die Handlung angelehnt, ohne ins Devote von Filmmusik abzugleiten. Für Kinder und Heranwachsende jedenfalls gut annehmbar und manchmal leitmotivisch unterstützend. Ein Lied der "Großmutter" über den "eigenen Stern" hat gar Brecht-/Weill'sches Format, und vor allem die der schmelzenden Geige Alexander Bersutskys vorbehaltenen lieblichen Passagen gehen ins Ohr.

Thomas Gläser leitet ein sechsköpfiges Ensemble überwiegend freier Musiker und verhilft uns zur Entdeckung des hier weitgehend unbekannten Komponisten Schwertsik. Seine Vertonung war übrigens eine Auftragskomposition der Jungen Oper Mannheim 2011.

Eigentlich schade, dass dieses Märchen die ach so coolen späteren Teens und Twens kaum noch ansprechen dürfte. Aber denen mit den ersten grauen Haaren, die vielleicht manches schon vergessen haben, könnte ein gemeinsamer Besuch mit der Zielgruppe auch nicht schaden.

nächste Aufführungen: 2. Dezember, 15 Uhr, 5./6. Dezember, jeweils 10 Uhr

www.dresden-theater.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 30.11.2012

Michael Bartsch

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