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Eine besondere Form von Glück

Eine besondere Form von Glück

Der aufmerksame Spaziergänger wird in diesen Tagen nicht nur zu Konzertzeiten, sondern auch am Vormittag Musik etwa aus der Moritzburger Kirche wahrnehmen - dort und an weiteren Spielstätten wird eifrig für das Moritzburg Festival geprobt, fünf Konzerte sind noch bis zum Abschluss am Sonntag zu erleben.

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Lise de la Salle

Quelle: Marco Borggreve

An diesem Tag sind es mächtige Klavierklänge von Johannes Brahms, die aus der Kirche tönen - die französische Pianistin Lise de la Salle probt die "Händel-Variationen", die sie am Sonnabend in ihrem Porträtkonzert vorstellen wird. Die 26-jährige Pianistin wird weltweit für ihr Spiel gefeiert, in Dresden hat sie bereits mit beiden Orchestern konzertiert und ist zum dritten Mal in Moritzburg zu Gast.

Die in Cherbourg geborene Künstlerin gibt bis zu 70 Konzerte im Jahr, was auch angesichts der Breite ihres Repertoires staunenswert ist. "Wir Pianisten können uns ja glücklich schätzen mit unserem Instrument, wir haben eine wirklich riesige Auswahl, was wir spielen können", verrät sie in einer Probenpause in der Kirche. "Natürlich habe ich eine Affinität zu bestimmten Komponisten, aber ich versuche mein Repertoire offen zu halten, weil es gut ist, Herausforderungen zu finden und auch manchmal spannende Überraschungen zu erleben. Man lernt auf diese Weise auch viel mehr über die Musik und sich selbst." Den Moment, wenn sie die Bühne betritt und anfängt zu spielen, beschreibt sie mit leuchtenden Augen: Es sei schwer zu erklären, was sich da gefühlsmäßig abspielt, wenn man in ein Stück eintritt, sie habe oft das Gefühl eines Traums oder Märchens und gleichzeitig eine besondere Form von Glück. Glück auch, die Fähigkeit zu besitzen, dem Publikum mit dem Klavier etwas erzählen zu dürfen. "Ich habe als Kind schon völlig fasziniert in Konzerten gesessen und zugehört und dachte immer, ich möchte da oben sitzen und selbst den Zuhörern Musik geben. Jetzt haben sich die Rollen umgekehrt, das erfüllt mich sehr." Die Atmosphäre im Konzertsaal nehme sie jedoch sehr genau wahr beim Spielen: "Ich bin vielleicht abgeschnitten von der Welt beim Spielen, aber nicht vom Raum und von den Menschen, das ist eine Art Union, die man eingeht. Die Energien sind von Konzert zu Konzert sehr unterschiedlich, und natürlich beeinflusst das auch mein Spiel und mein Reagieren in inspirierender Weise."

Gefragt nach ihren Vorbildern, nennt sie sofort Swjatoslaw Richter und Annie Fischer, auch von Dinu Lipattis sensiblem, intelligentem Spiel habe sie sehr viel gelernt. Sie höre zudem gerne Pianistenkollegen ihrer Generation zu, aber natürlich seien diese drei unbestrittene Meister, die ihr auch heute noch viel geben. Als erfolgreiche Pianistin hätte sich Lise de la Salle für ihre Sommeraktivität Meisterkurse oder Festivals rund um die Welt aussuchen können, warum kehrt sie erneut nach Moritzburg zurück? "Hier gibt es einen besonderen Spirit - über das Jahr ist man 'on the road', und hier trifft man dann musikalisch erstklassige Freunde und Kollegen wieder und verbindet sich im Spiel. Und das geschieht natürlich in dieser tollen Umgebung mit Wäldern und Seen, was fast wieder Urlaubsfeeling aufkommen lässt."

Kammermusikalisch wird Lise de la Salle an zwei "Schwergewichten" mitwirken - Tschaikowskis Klaviertrio op. 50 und Schostakowitschs Klavierquintett. "Das sind zwei außergewöhnliche, sehr persönliche Werke - Tschaikowski braucht diese Schwere und das dramatische Element, aber wir haben schon in den Proben bemerkt, dass wir dem Stück auch Luft und Leichtigkeit geben wollen. Und bei Schostakowitsch fasziniert die Magie der langsamen Sätze, die fast in eine andere Welt abheben - wenn er fast nichts 'sagt', die Stimmen sehr reduziert sind, dann ist es am intensivsten. Demgegenüber steht das Dynamit der anderen Sätze, das ist faszinierend."

Sicherlich ist Lise de la Salle auch für heranwachsende Pianisten ein Vorbild, was würde sie diesen Talenten mit auf den Weg geben? "Einen generellen Rat gibt es wohl nicht - jeder muss seinen eigenen Weg finden, um glücklich mit der Musik zu werden. Man sollte immer wissen, dass eine höchst intensive, gar intime Beziehung zur Musik, zum Instrument besteht und man Stunden, Tage und Wochen vor dem Klavier verbringt. Aber wenn man die Musik wirklich liebt, kann ich nur sagen: Go for it!"

Lise de la Salle wirkt heute, 20 Uhr im Konzert im Schloss Moritzburg, sowie am 23.8., 19 Uhr und 20 Uhr in der Kirche Moritzburg mit.

CD-Tipp: Robert Schumann, Klavierwerke, Lise de la Salle, Label naive

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 20.08.2014

Alexander Keuk

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