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Ein Lächeln ist ihr Lohn: Interview mit Renate Hartwig und Günter Tischendorf über ehrenamtliches Engagement

Ein Lächeln ist ihr Lohn: Interview mit Renate Hartwig und Günter Tischendorf über ehrenamtliches Engagement

Rentner haben niemals Zeit. Auf Renate Hartwig und Günter Tischendorf trifft diese Redewendung zu. Die 73-Jährige und der 69-Jährige engagieren sich gemeinsam mit 18 weiteren Mitstreitern in der "Gruppe ehrenamtlicher Helfer im Seniorenzentrum Sächsische Schweiz".

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Die guten Seelen vom Seniorenzentrum an der Einsteinstraße: Gunter Tischendorf und Renate Hartwig.

Quelle: Silvio Kuhnert

Statt den Lebensabend auf dem Sofa zu verbringen, schenken sie ihre Zeit den Heimbewohnern, singen, lachen, tanzen und lesen mit ihnen, begleiten sie bei Arztbesuchen und Spaziergängen und organisieren Ausfahrten. Am 18. September beteiligen sich Hartwig und Tischendorf mit weiteren sozial engagierten Vereinen der Stadt am Tag des Ehrenamtes. Im DNN-Interview sagen sie, warum freiwilliges Engagement wichtig ist.

Frage: Sie engagieren sich im Seniorenzentrum Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Wie sehen die Aufgaben Ihres Ehrenamtes aus?

Renate Hartwig: Unsere Gruppe der ehrenamtlichen Helfer leitet den Heimchor. Er feiert in diesem Jahr sein fünfjähriges Bestehen. Wir organisieren zweimal im Monat Kaffeefahr- ten, begleiten Heimbewohner bei Arztbesuchen, lesen ihnen vor, gehen mit ihnen spazieren und veranstalten in jedem Monat an einem Sonntagvormittag ein gemeinsames Singen im Speisesaal.

Günter Tischendorf: Schwerpunkt ist die individuelle soziale Betreuung der Bewohnerinnen und Bewohner. Es ist bekannt, dass bundesweit die Zeit des Pflegepersonals für individuelle Betreuung und Begleitung nur begrenzt ist. Was aber die älteren Menschen am meisten benötigen, ist persönliche Zuwendung, sich Zeit für sie nehmen, ihnen zuzuhören. Dies alles versuchen wir 20 ehrenamtliche Helfer, den Senioren zu schenken. Unser Ziel ist es, ihr Lebensgefühl zu verbessern, ihnen das Gefühl der Geborgenheit zu geben, ihnen Lebensqualität zu vermitteln. Kurzum: einfach da zu sein. Besonders kümmern wir uns um die Heimbewohner, die kaum von ihren Angehörigen besucht werden können oder keine Angehörigen mehr haben.

Die Liste Ihrer Aktivitäten ist lang. Es klingt fast wie ein Vollzeitjob statt nur ein Ehrenamt?

Renate Hartwig: Ist es auch!

Warum engagieren Sie sich ehrenamtlich? Was ist Ihre Motivation?

Renate Hartwig: Es liegt mir einfach sehr am Herzen. Meiner Meinung nach nimmt in unserer Gesellschaft immer stärker zu, dass keiner für den anderen noch da ist, sich für andere Zeit nimmt. Mir macht es Freude, für andere da zu sein. Wenn ich in das Seniorenzentrum komme und in ein strahlendes Gesicht blicke, kann ich nicht einfach vorbeigehen. Ich setze mich hin und höre zu.

Günter Tischendorf: Das Durchschnittsalter der Heimbewohner liegt bei über 80 Jahren. Hier wohnen Menschen, die Krieg erlebt haben, die ein sehr bewegtes Leben mit vielen schweren Situationen durchgestanden haben. Wenn man sie jetzt in der Phase ihres Lebensabend sieht, und weiß, dass Pflegeheime in unserer Gesellschaft nicht auf der Sonnenseite stehen, was personelle Ausstattung und finanzielle Rahmenbedingungen anbelangt, dann ist es einfach nötig - auch aus Respekt vor diesen Menschen - alles zu tun, dass sie Geborgenheit erfahren und ihnen Freude gemacht wird.

Ihr Lohn ist also die Freude und Dankbarkeit?

Günter Tischendorf: Ja! Wenn man zum Beispiel beim gemeinsamen Singen in ein lachendes Gesicht eines Menschen schaut, dem sonst im Alltag aufgrund seiner Probleme nicht zum Lachen ist, dann ist das der schönste Lohn.

Ist das Ehrenamt unersetzlich?

Günter Tischendorf: Diese Gesellschaft funktioniert ohne Ehrenamt nicht. Und die, die in unserer Gesellschaft was zu sagen haben, müssen noch mehr darauf achten, dass man nicht Aufgaben auf Ehrenamtler abschiebt, die eigentlich durch staatliche Fürsorge noch stärker begleitet werden müssten.

Warum ist Ehrenamt wichtig?

Günter Tischendorf: Es ist für die Atmosphäre in unserer Gesellschaft und das Lebensgefühl von großer Bedeutung, dass man erlebt und selbst daran beteiligt ist, wie man anderen Mitmenschen hilft - natürlich möglichst Hilfe zur Selbsthilfe. Es gäbe sonst mehr Menschen, die aufgrund von Krankheit, finanzieller Sorgen, Arbeitslosigkeit oder sozialer Isolierung es schwierig haben, mit dem Alltag zurecht zu kommen. Gerade in Zeiten, in denen Geld und Profit eine dominierende Rolle spielen, muss das menschliche Miteinander hochgehalten und gefördert werden. Die ehrenamtliche Arbeit in den Heimen muss zur Pflegepolitik in unserer Gesellschaft gehören.

Am 18. September findet auf dem Marktplatz in Pirna ein Ehrenamtstag statt. Was ist da genau geplant?

Günter Tischendorf: Im vergangenen Jahr wurde der Tag ins Leben gerufen. Anlass war die bundesweite Woche des bürgerschaftlichen Engagements. Unter dem Motto "Engagiert für Pirna" nutzen 18 sozial engagierte Vereine und Gruppen die Gelegenheit, den Marktbesuchern ihre Arbeit vorzustellen. Von 9.30 Uhr bis 14 Uhr wollen wir auf der Grünfläche gegenüber des Canalettohauses mit Bürgern ins Gespräch kommen, damit das Ehrenamt in Pirna noch größeres Gewicht erhält.

Renate Hartwig: Am Ehrenamtstag tritt wie im Vorjahr wieder unser Heimchor auf.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.09.2013

Kuhnert, Silvio

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