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Ein Jahr beim Winzer: Rebstöcke wissen sich selbst zu helfen

Ein Jahr beim Winzer: Rebstöcke wissen sich selbst zu helfen

Sörnewitz/Meißen. Ein strammer Westwind hat die Wolkendecke über dem Meißner Spaargebirge an diesem Mittag aufgerissen. Die Luft ist nach etlichen trüben Tagen ungewohnt klar, die Wintersonne taucht den Klausenberg in beinahe frühlingshaftes Licht.

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Matthias Schuh zeigt, wie vital der Boden des Klausenbergs ist. Auf synthetische Düngung verzichtet der Jungwinzer, soweit es geht.

Quelle: Lars Müller

Die Temperaturen liegen knapp über dem Gefrierpunkt. Winzer Matthias Schuh rammt einen Spaten in die steinige Erde des Weinbergs. "Hin und wieder schaue ich mir den Boden zwischen den Rebzeilen genauer an, um Düngung und Einsaat besser planen zu können", sagt der 27-Jährige.

"Wenn wir endlich wieder einmal einige Tage Frost hätten, müssten wir Dung in jeder zweiten Reihe ausbringen", sagt Schuh. Dabei setzt der Jungwinzer - in der Region inzwischen bekannt für seine nachhaltigen und naturnahen Weinbaugedanken - auf natürliche Düngung. So wird auch das schon geschnittene Rebholz demnächst untergemulcht. "Fast alles, was wir aus dem Weinberg heraus holen, bringen wir auch wieder zurück", betont er. Ausgenommen hiervon ist natürlich der Most, aus dem im Keller derzeit der Wein reift.

Der Trester aus Kernen, Beerenschalen und Stielgerüsten aber wird am Rande des Weinbergs mit Pferdemist gemischt, zwischen Strohlagen geschichtet und mit einer weiteren Lage Stroh abgedeckt. Innerhalb eines Jahres reift in dieser Miete eine fette, dunkle Komposterde heran, die den Rebstöcken die meisten benötigten Nährstoffe liefert. Es sei eben ein ganz natürlicher Kreislauf, sagt der Winzer. Er wolle das Bewusstsein für den Boden als die Basis für das Leben fördern - auch bei seinen Kunden und berichtet deshalb bei Weinbergwanderungen immer auch von diesem Kapitel seiner Arbeit. Das französische Wort "Terroir" ist inzwischen eine der meistgebrauchten Vokabeln in der Weinwelt, wenn es um die Weinberge geht. Gemeint ist mit Terroir aber nicht nur der Erdboden, sondern auch das Mikroklima der Lagen und wohl auch das Können der Winzer und das Wissen um ihre Rebflächen - aus dem Zusammenspiel all dessen entsteht schließlich ein möglichst perfekter Wein.

"Wir verzichten fast komplett auf synthetische Dünger", sagt Jungwinzer Schuh ein wenig stolz. Inzwischen hat er mit dem Spaten einen Erdballen ausgehoben, hebt ihn hoch und lächelt. "Sieht doch gut aus", sagt er sichtlich zufrieden und zeigt einen Regenwurm sowie kräftige Wurzeln eingesäter Grünpflanzen, welche die Erde lockern und durchlüften. Alle zwei bis drei Jahre wird der Boden mit Technik zudem bis 60 Zentimeter tief gelockert. Sämtliche Bodenbearbeitung erfolgt bei den Schuhs maschinell mit Spezialgeräten, die an die wendige Weinbergsraupe angebaut werden.

Den Klausenberg bedeckt Syenit-Granit-Verwitterungsgestein. An manchen Stellen bestehe der Boden zur Hälfte aus Steinen, erklärt Matthias Schuh. Vermutlich schon seit Jahrhunderten wird auf dem Richtung Süd-Südwest ausgerichteten Klausenberg, der an manchen Sommertagen an einen Glutofen erinnert, Wein kultiviert. Die Schuhs haben Sachsens kleinste Einzellage in den 1990er-Jahren aufwendig wieder urbar gemacht und komplett neu aufgerebt. Der Boden sei recht sauer, sagt Schuh junior. Deshalb müsse hin und wieder mit Kalk der pH-Wert auf das gewünschte Niveau von 6,5 gebracht werden.

Der Jungwinzer versucht, seine Rebflächen immer besser zu verstehen. So zeige sich auch der Klausenberg nicht einheitlich, an manchen Stellen gediehen die Rebstöcke besser als nur wenige Meter weiter. Das will Matthias Schuh mit gezielter Düngung ausgleichen. Zwischen den Rebstöcken werden im Frühjahr und Hochsommer jeweils abwechselnd spezielle Grünmischungen eingesät. Im Frühjahr dominieren Leguminosen, die nach dem Mulchen die Rebstöcke mit Stickstoff versorgen. Hierzu zählen etwa Klee, Wicken oder Erbsen, die zugleich mit ihren Blüten noch Bienen oder Florfliegen anlocken. Florfliegen sind Raubinsekten, die Larven von Traubenwicklern und Milben vertilgen und so ganz ohne Chemie die Schädlinge im Weinberg in Schach halten. An sonnigen Tagen tummeln sich auch Falter und Schmetterlinge auf den Rebflächen der Schuhs. Im Sommer wird Wintergetreide eingesät. Das eingesäte Getreide hält den Boden in der vollsonnigen Lage im Jahr darauf feucht, da es im Frühsommer eingemulcht als Strohabdeckung dient. Zusätzlich wird durch ein besse-res Bodengefüge die Erosion bei Starkregen vermindert. Neben Stickstoff, so Matthias Schuh, benötigen die Pflanzen auch weitere Nährstoffe, wie Kalium, Kalzium oder Phosphor sowie einige Spurenelemente. Separat ausgebracht werde bei Bedarf aber lediglich Magnesium. Alle fünf Jahre analysiert nach gesetzlichen Vorgaben ein Fachlabor Bodenproben aus den Weinbergen.

In der Zwischenzeit setzt Matthias Schuh auf Zurückhaltung. Von Überdüngung halte er gar nichts, sagt der Winzer und Weinbautechniker. "Solange die Reben vital aussehen, ist eigentlich keine Düngergabe nötig." Dasselbe gelte fürs Bewässern. Es bringe beispielsweise nichts, zur falschen Zeit mit Stickstoff im Hochsommer einen Wachstumsschub auszulösen, der die Reben enorm treiben und die Beeren aufquellen lässt, die sich dann selbst abquetschen und letztendlich faulen. Zudem wissen sich die Rebstöcke gut selbst zu helfen, immerhin können ihre Hauptwurzeln bis einige Meter in die Tiefe reichen. Auf eine genaue Zahl will sich der Jungwinzer nicht einlassen. Die Fachliteratur geht aber davon aus, dass sich einige Pfahlwurzeln alter Rebstöcke auf der Suche nach Wasser und Nährstoffen durchaus zehn bis 20 Meter in die Tiefe vorarbeiten können.

Eigentlich könnte Matthias Schuh noch Stunden über die Besonderheiten der Böden der elterlichen Rebflächen auf dem Klausen- und dem Kapitelberg leidenschaftlich referieren. Allerdings fehlt ihm die Zeit dafür. Es stehen noch andere Arbeiten an: Unlängst wurde Solaris gerodet, weil die Rebstöcke von einem Virus befallen waren und keinen Ertrag mehr brachten. Auf der nun freien Fläche soll im Frühjahr Scheurebe angepflanzt werden. Im Keller muss das Abfüllen von Goldriesling, Elbling und Schieler vorbereitet werden. Am heutigen Montag kommt der Wein in die Flaschen. Bevor Matthias Schuh sich wieder auf den Weg in den Weinkeller macht, lässt er sich noch einmal kurz den beißenden Winterwind frontal ins Gesicht wehen und seinen Blick etwas nachdenklich übers Elbtal in die Ferne schweifen. Dann schaut er noch bei Winzermeister Holger Horter vorbei und klopft ihm auf die Schultern. Der langjährige Mitarbeiter des Familienweinguts ist einige Zeilen weiter mit dem Rebschnitt im Goldriesling beschäftigt. Die beiden Winzer sprechen kurz anstehende Arbeiten ab. Damit schließt sich das Jahr beim Winzer, das Anfang Februar 2014 im ersten Teil der DNN-Serie mit dem Rebschnitt begonnen hatte.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 02.02.2015

Lars Müller

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