Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
Google+
Ein Jahr beim Winzer: Junger Goldriesling kommt in die Flaschen

Ein Jahr beim Winzer: Junger Goldriesling kommt in die Flaschen

Zum Beweis klopft Winzer und Weinbautechniker Matthias Schuh mit der Hand dagegen, der Edelstahlbehälter mit einem Volumen von 3.000 Litern hallt.

Voriger Artikel
Der Freistaat Sachsen stellt der Porzellan-Manufaktur Meissen eine Stiftung an die Seite
Nächster Artikel
Sächsische Schweiz: Banker packen im Wald an

Matthias Schuh im Lager des elterlichen Weinguts, wo die frisch gefüllten Weine bis zum Verkauf gelagert werden.

Quelle: Lars Müller

Dieser Tank ist leer. "Wir haben einen ganzen Tag lang gefüllt", sagt der Jungwinzer. Fast die komplette Familie sowie weitere Aushilfen zogen den ersten Goldriesling des Jahrgangs 2014 auf die Flaschen. Der wird vor Weihnachten verkauft. "Daneben haben wir noch gereifte Rotweine abgefüllt", erklärt der 27-Jährige - "den Dunkelfelder des Jahrgangs 2012 und unseren Cuvée Rouge aus Dornfelder eines Traubenerzeugers und eigenem Dunkelfelder, insgesamt 10.000 Flaschen."

Dem Rotwein widmet der Jungwinzer besonders viel Aufmerksamkeit. Mit einem Anteil von 35 Prozent liegt das Weinhaus Schuh über dem sächsischen Durchschnitt. "Lass uns mal zu den Holzfässern ins Kühllager gehen, ich erkläre dir, wie wir den Rotwein machen", schlägt Matthias Schuh vor. Ein bis drei Wochen liege der Rotwein nach der Lese zunächst auf der Maische. Während dieser Zeit beginnt der Most zu gären, der entstehende Alkohol und steigende Temperaturen lösen Farb- und auch Aromastoffe aus den Beerenschalen und Kernen. "Danach wird der dadurch überhaupt erst rot gewordene Wein gepresst und kommt zunächst in Edelstahltanks", so Schuh. "Dort macht er einen biologischen Säureabbau durch", erklärt er weiter. Innerhalb von etwa drei Wochen wandeln dabei Milchsäurebakterien die spitze Äpfelsäure aus den Trauben in die weichere Milchsäure um. "Das geschieht bei 18 bis 20 Grad, notfalls müssen wir den Kellereiraum auf diese Temperatur heizen", sagt der Fachmann. In einem Holzfass hat er Weißwein liegen, wo gerade dasselbe passiert. Er zieht den Pfropfen heraus. "Höre mal rein. Es knistert, die Milchsäurebakterien sind noch voll in Aktion." Ist die Äpfelsäure abgebaut - was der Winzer durch chemische Analysen bestimmen kann - kommen in dem Familienbetrieb alle Rotweine unfiltriert in Holzfässer, überwiegend aus französischer Eiche zum Neupreis von bis zu 700 Euro je Stück. Etwa 80 davon hat das Unternehmen derzeit in Nutzung, alle gefüllt. Üblicherweise werden sie drei bis vier Mal in Folge mit Rotwein belegt. "Im Holzfass kommt der junge Rotwein mit Sauerstoff in Verbindung, Farb- und Bitterstoffe werden durch den Sauerstoff zu langen Molekülketten verbunden", erklärt Schuh, ohne chemische Formeln zu vertiefen. Der Wein reift, die Farbe wird intensiver, Bitterstoffe weicher und die Aromen aus dem Berg prägen sich aus. Je nach Weinstil und gewünschtem Ergebnis bleibe der Rotwein ein bis zwei Jahre im Holz. "Deshalb haben wir vom Dunkelfelder jetzt erst den 2012er gefüllt", betont der Winzer. Der Holz- oder Barriquegeschmack im Rotwein kommt von der sogenannten Toastung der Fässer. Die Dauben der Holzfässer können nur unter Feuer zur Fassform gezogen werden. Übrigens nehme der Jungwein in den ersten beiden Monaten besonders viel vom Holzaroma an. "Da dürfen wir nicht nervös werden und den Wein gleich wieder aus dem Holz holen. Geduld ist wichtig, nach und nach binden sich die Holzaromen harmonisch ein", sagt der Experte routiniert. Weil das Sörnewitzer Weingut in einem ehemaligen Bauernhof residiert, verfügt es über keinen klassischen, tiefen Weinkeller. Die Fässer liegen in modernen Hochregalen eines auf zehn Grad gekühlten Lagers. Optimal wäre eine Luftfeuchte von 75 Prozent. "Geht bei uns nicht, weil wir hier auch die Kartons mit den fertigen Flaschen für die Auslieferung lagern", sagt Matthias Schuh. Die würden aufweichen. Also muss der Winzer jeden Monat einen halben Liter Wein je Fass auffüllen, diese Menge verdunstet in dem trockenen, klimatisierten Lager. Zum Nachfüllen wird jeweils derselbe Wein verwendet. Einen Vorrat davon legt der Winzer stets in kleinen Edelstahltanks an. Nach etwa einem Jahr wird der Wein in den Holzfässern geschwefelt und damit die Oxidation gestoppt. Die Entscheidung für den richtigen Zeitpunkt sei reine Erfahrungssache. "Ich habe wie jeder Winzer meinen eigenen Stil", betont Schuh. Die Handschrift des Winzers ist neben der individuellen Kultivierung der Rebstöcke im Berg ein Garant dafür, dass selbst die Tropfen derselben Rebsorte, desselben Anbaugebiets und des gleichen Jahrgangs aus jedem Weingut anders schmecken. Beim Dunkelfelder haben die Weinfreunde in Sachsen allerdings keine Vergleichsmöglichkeit: Diese intensiv dunkelrote bereits Anfang des 20. Jahrhunderts gekreuzte Rebsorte wird im hiesigen Anbaugebiet nur vom Weinhaus Schuh sortenrein ausgebaut. Vor dem Füllen in die Flaschen landet der Rotwein nochmals kurz im Edelstahltank. Er wird bis zu dreimal filtriert, dann ist er klar, steril und haltbar. "Dunkelfelder und Regent können noch gut zehn Jahre in der Flasche mit hochwertigen Korkverschlüssen lagern, sie haben viel Potenzial und entwickeln sich weiter", betont Matthias Schuh und zeigt das penibel geführte Weinbuch, in dem alle Arbeiten an den einzelnen Weinen im Keller dokumentiert sein müssen. Die Einsteiger-Cuvées sollten jünger getrunken werden. Feierabend hat der Winzer noch längst nicht: "Jetzt muss ich den Weintalk für Sonnabend (22. November) planen", sagt Matthias Schuh. Zu diesem hat er den befreundeten Winzer Christian Müller aus Franken eingeladen. Gemeinsam mit Gästen verkosten die "Jungen Wilden" ihre Weine und vergleichen ihre Philosophien der Weinbereitung in ungezwungenem Plausch. Solche Veranstaltungen gehörten heute einfach dazu, sagt Schuh - selbst, wenn diese weit über die eigentliche Arbeit früherer Weinbauern in Berg und Keller hinausgehen.

Auch im Weinverkauf erwarten die Feinschmecker immer neue Idee. Seine Schwester Katharina Pollmer bereitet derzeit die beiden Vinotheken für das Weihnachtsgeschäft vor: "Erstmals gibt es unseren gutseigenen Glühwein aus Dunkelfelder in Flaschen abgefüllt", kündigt die Sommelière an. Der Winzerstollen, der gemeinsam mit einer Coswiger Bäckerei entwickelt wurde, sei bereits fertig. Der Clou daran: Die Rosinen werden vor dem Backen in gutseigenen Schieler-Wein eingelegt.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 17.11.2014

Lars Müller

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Region News

Ob zur Entspannung, in der Mittagspause oder zum Spaß mit Freunden. Auf unserer Spieleseite können Sie wählen zwischen Denksport-, Geschicklichkeits-, Such- und Sportspiele. Jetzt gratis spielen im Spieleportal von DNN.de! mehr

21.11.2017 - 17:46 Uhr

Bis der Platz tatsächlich steht, werden aber noch einige Jahre ins Land gehen. Radebeuls Bürgermeister rechnet in etwa fünf Jahren mit dem Baubeginn.

mehr