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Ein Jahr beim Winzer - Im Weinberg werden jetzt Blätter gezupft und Triebe gekürzt

Ein Jahr beim Winzer - Im Weinberg werden jetzt Blätter gezupft und Triebe gekürzt

Das Weingut Walter Schuh erlaubt ein Jahr lang einen Blick hinter die Kulissen. Im heutigen Teil steht Laubarbeit an: Eine schwüle Hitze liegt über dem Klausenberg im Meißner Spaargebirge.

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Matthias Schuh kürzt Triebe mit der Heckenschere. Die Laubwand wird gelichtet, damit die Trauben möglichst viel Sonne abbekommen.

Quelle: Lars Müller

Die Sonne schimmert nur schwach durch die Schleierwolken und taucht die Rebzeilen schon am Nachmittag in diffuses Licht. Die Weinstöcke - mit Trauben über Trauben behangen - wachsen den Winzern derzeit sprichwörtlich über den Kopf. Winzer und Weinbautechniker Matthias Schuh zieht eine der Reben herunter, die scheinbar in den Himmel wachsen will. "Wir müssen jetzt mit dem Gipfeln voran kommen", sagt der 26-Jährige.

So nennt der Winzer das Zurückschneiden der wuchernden Reben. Die würden nur unnötig Kraft rauben, der Rebstock soll sich aber auf die Entwicklung der Trauben konzentrieren. In welcher Höhe die Reben gegipfelt werden, ist reine Erfahrungssache. Oberhalb des Drahtrahmens, das steht fest. "Allerdings müssen auch noch genügend junge Blätter am Weinstock bleiben", betont Matthias Schuh. Diese übernehmen die Photosynthese, wenn die unteren und älteren Blätter "ihre Arbeit" in wenigen Wochen einstellen. Die Trauben entwickeln sich dann aber noch weiter und benötigen Nährstoffe.

"Üblicherweise gipfeln wir mit der Raupe", sagt der Juniorchef des Weinguts Walter Schuh. Dem schmalen Weinbergsgerät wird ein L-förmiger Laubschneider angebaut, der jeweils auf einer Seite die grünen Triebe einkürzt. Schießen diese allerdings an Stellen im Weinberg in die Höhe, wo die Raupe wegen zu kurzen Abstands zur Steinmauer nicht wenden kann, ist Handarbeit angesagt. Matthias Schuh zeigt, wie das geht und setzt eine herkömmliche Heckenschere an. Das sieht für Laien ziemlich rabiat aus. "Durch das Gipfeln verlagert die Rebe ihre Energie in die nun stärker wachsenden Geiztriebe", erklärt der Winzer, der die Schere inzwischen wieder beiseite gelegt hat. Schweißperlen rinnen ihm von Stirn.

Vor den Gipfeln wurden schon Blätter von den Rebstöcken gezupft. Das Entblättern geschieht im unteren Bereich der Laubwand - dort, wo die Trauben hängen. Die Beeren haben je nach Rebsorte inzwischen eine Größe zwischen Erbsen und Sauerkirschen. "Nun müssen sie möglichst trocken hängen, um Botrytis zu verhindern", sagt Schuh. Diese Pilzerkrankung nistet sich auf und in den Trauben mit den noch eng stehenden Beeren ein und sorgt für Fäulnis. Sind die Blätter entfernt, wird der Bereich der Trauben besser durchlüftet. Die Trauben trocknen schneller ab, sodass die Schlauchpilze weniger Chance haben, in die Beeren einzudringen. Später zur Lesezeit werden bestimmte Botrytiserreger zur Edelfäule sogar von Winzern geschätzt. "Zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht", stellt der 26-Jährige klar.

Zum Entblättern, was reine Handarbeit ist, wird im Weingut Schuh ein kleiner Stamm langjähriger Aushilfen eingesetzt. Etwas Erfahrung sei auch bei diesen Handgriffen nötig, gibt der Jungwinzer zu bedenken. Den gesamten Juli über wurde in den Steillagen der Schuhs entblättert. Lediglich beim Dunkelfelder steht das noch aus. Erst seit etwa zehn bis 15 Jahren legen die Winzer besonderen Wert auf diese zusätzliche Arbeit, die auch eine höhere Traubenqualität mit besserem Aroma liefern soll. Das geschieht, indem die Beeren mehr Sonne abbekommen und nicht vom Laub beschattet werden. Der richtige Zeitpunkt zum Entblättern ist allerdings für die Winzer nicht ganz einfach festzulegen. Geschieht dies zu spät, können die bereits saftigen Trauben bei klarem und heißem Sommerwetter einen Sonnenbrand erleiden.

Matthias Schuh zeigt beim Goldriesling an einer Traube drei Beeren, die nach Sonnenbrand aussehen, wie Rosinen aus der Weihnachtsbäckerei. Zugleich kann Laub die Trauben aber auch vor leichtem Hagel schützen. Ist es entfernt, prasseln bei Gewittern die Hagelkörner direkt auf die Beeren und bringen sie zum Aufplatzen. Hier zeigt der Winzer ein Beispiel beim Weißburgunder. "Die wenigen betroffenen Beeren trocknen ein und fallen vielleicht auch ab", ist er zuversichtlich. Man könne die Gefahren von Hagelschlag und Sonnenbrand nicht gegeneinander aufwiegen, sagt Schuh und schaut etwas ungläubig angesichts dieser Nachfrage. "Wir müssen als Winzer einfach entscheiden, wenn wir hohe Qualitäten erzielen wollen." Dabei spielten Erfahrungswerte eine große Rolle. Das klingt plausibel - zumindest, wenn man in einem Weingut aufgewachsen ist.

Mit dem Wetter ist der Juniorchef des Familienunternehmens bisher zufrieden. "Noch ein ordentlicher Regentag wäre gut", sagt er. Obwohl jetzt klassisches Oidium-Wetter herrsche, habe er bisher weder den gefürchteten Echten Mehltau noch andere Schäden in den Rebflächen feststellen können. "Dabei haben wir nicht mehr Pflanzenschutz als üblich ausgebracht", zeigt sich der Anhänger naturnahen Weinbaus glücklich.

Es hängen derzeit aber noch viel zu viele Trauben an den Rebstöcken. "Wir werden ab August den Ertrag reduzieren", kündigt er an. Zudem zeichnet sich ein früher Lesebeginn ab. Beim Regent werden erste Trauben schon jetzt rot. Frühe Reife könne bei ungünstiger Witterung und der dann noch herrschenden Wärme durchaus zu einem Fäulnisproblem führen. Wachsamkeit ist für die Winzer deshalb den ganzen Sommer über oberstes Gebot.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.07.2014

Lars Müller

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