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Ein Jahr beim Winzer: Einsatz im strömenden Regen für den Federweißer

Ein Jahr beim Winzer: Einsatz im strömenden Regen für den Federweißer

Sörnewitz/Meißen. Die große Sommerhitze scheint vorüber. Ein Hauch von Herbst weht über dem Meißner Spaargebirge. Bis zur Weinlese dauert es aber noch eine Weile, höchstens Tafeltrauben zum Naschen und Solaris oder Phönix für den Federweißer sind in den nächsten Tagen erntereif.

Trotzdem haben sich Winzermeister Holger Horter und Jungwinzer Matthias Schuh schon vor Tagen mit Rebscheren "bewaffnet" und ziehen durch den Klausenberg.

"Wir schneiden Trauben heraus", sagt der ausgebildete Weinbautechniker Matthias Schuh und lässt eine der rot-violett gefärbten Regent-Trauben auf den Boden zwischen den Rebzeilen fallen. Mit der Ertragsreduzierung könne die Qualität gesteigert werden, erklärt er. Klasse statt Masse, lautet das Motto. Nach diesem arbeiten inzwischen die meisten sächsischen Weinbauern und Weingüter. "Jeder anständige Winzer beschäftigt sich spätestens seit 1990 mit Ertragsreduzierung", betont Winzermeister Holger Horter. Es gebe allerdings auch Hobbywinzer, die alles hängen lassen, was der Weinstock hergibt. Das bekomme jedoch weder dem Rebstock sonderlich gut, noch der späteren Weinqualität. "Um Weine ausbauen zu können, die unserem Anspruch genügen, müssen wir die Menge reduzieren", sagt Matthias Schuh. So würden beim späteren Lesegut in den letzten Wochen am Stock noch die Aromaintensität erhöht und die Inhaltsstoffe konzentriert, weil die Pflanze ihre ganze Kraft in die verbleibenden Früchte stecken kann.

Das Herausschneiden beginnt, wenn sich die Rotwein-Trauben verfärben und die Trauben der Weißweine allmählich weich werden. "Wir schneiden jede dritte Traube am Trieb ab", sagt der Jungwinzer. Sehr kurze Triebe würden auch samt Trauben komplett entfernt, wenn das Blatt-Frucht-Verhältnis von mindestens sieben intakten Blättern pro Traube nicht mehr stimme. Ein kurzer fachmännischer Blick und schon fällt die nächste Traube zu Boden, während sich Matthias Schuh über Kopfhörer Musik von Phil Collins auf die Ohren gibt und so bei der Arbeit entspannen kann.

Bei der auch als Grünlese bezeichneten Ertragsreduzierung würden 20 bis 30 Prozent der Früchte entfernt, erklärt Matthias Schuh, während er ab und zu eine Beere probiert. Obwohl einige schon süß sind, können die abgeschnittenen Trauben nicht wirtschaftlich genutzt werden. Sie werden später bei der Bodenbearbeitung untergemulcht und dienen als biologischer Dünger.

Die am Stock verbleibenden Früchte legen bis zur Lese noch etwa 15 bis 20 Prozent an Gewicht zu, indem sie größer und saftiger werden. Da die Weinberge der Schuhs in diesem Jahr von großem Hagelschlag verschont geblieben sind, müssen die Winzer bei der Grünlese nicht allzu sehr auf beschädigte Trauben achten. Gäbe es viele davon, würden diese zuerst entfernt. Der Winzer zeigt eine Traube, an deren Beeren sich Wespen gütlich tun. Diese schneidet er heraus, die angefressenen Früchte könnten bei Regen schnell faulen und böten dem Botrytis-Pilz eine willkommene Eintrittspforte.

Vor allem beim Goldriesling, dem Regent, dem Dunkelfelder und bei Spätburgunder werden in diesem Jahr unreife Trauben entfernt. Beim Dunkelfelder und dem Spätburgunder würden zudem Trauben geteilt, so der Jungwinzer. Das bedeutet, dass bis zu einem Drittel von der Traubenspitze her abgeschnitten wird. Bei kompakt wachsenden Sorten, wie eben dem Dunkelfelder, bekommen damit die verbliebenen Beeren mehr Platz und werden bei der Volumenzunahme in den nächsten Wochen weniger gequetscht. Auch das hilft bei der Fäulnisvermeidung.

Seniorchef Walter Schuh ist mit der zu erwartenden Lesemenge dieses Jahr zufrieden. Es könne nach der Ertragsreduzierung endlich wieder einmal eine Durchschnittsernte eingebracht werden, die nach mehreren mauen Jahren die Weinkeller auffüllt - wenn es keine Wetterkapriolen mehr gibt. Lediglich beim Grauburgunder sei weniger zu erwarten, weil diese Rebsorte in der Blütezeit verrieselte (es wurden Blüten abgestoßen) und sich folglich die Trauben nicht so gut ausbildeten. Dort können die Winzer auf Ertragsreduzierung verzichten. Holger Horter und Matthias Schuh sind inzwischen im Regent weitergezogen. Sie wünschen sich mal wieder einen Tag mit sanften Landregen, der täte den Reben gut. Damit die Trauben danach schnell trocknen und noch viel Spätsommersonne abbekommen, wollen beide Winzer in den kommenden Tagen auch nochmals Laub entfernen, das seit Juli wieder nachgewachsen ist.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 08.09.2014

Müller, Lars

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