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Ein Dorf ist erschüttert: Hilfsaktion nach Großbrand in Döbra

Ehemalige Schule abgebrannt Ein Dorf ist erschüttert: Hilfsaktion nach Großbrand in Döbra

Nach einem Großbrand ist ein ganzes Dorf erschüttert: In Döbra im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge wurde die alte Schule ein Opfer der Flammen. Die Familie, die das Haus bewohnte, steht vor dem Nichts. Das Dorf reagiert mit einer bemerkenswerten Aktion.

Die alte Schule in Döbra wurde ein Opfer der Flammen.
 

Quelle: Daniel Förster

Liebstadt.  „Die alte Schule ist ein Denkmal für unser Dorf“, sagt Manuela Bobe. Viele im Liebstädter Ortsteil Döbra verbinden mit dem um 1870 errichteten Haus unzählige Erinnerungen. In Gedanken schwelgen sie in ihrer Kinder- und Jugendzeit. Die 38-jährige Döbraerin wohnt direkt neben dem Gebäude im Unterdorf, das in der Nacht zum vergangenen Dienstag Opfer eines Flammeninfernos wurde. „Die Älteren haben dort die Schulbank gedrückt und die jüngere Generation war dort im Kindergarten“, erzählt die Frau. Gemeinsam mit ihrer Bekannten Susan Rochlitzer (39), auch einer Einwohnerin, ist sie in den vergangenen Tagen zweimal auf und ab durch das Dorf gelaufen. Beide hingen Zettel mit einem „Spendenaufruf“ an Anschlagtafeln und klingelten bei den Leuten im Ort. „Unsere Mitbewohner waren sehr spendabel. Jeder hat etwas gegeben“, berichtet Bobe. Das liegt sicher daran, dass die Döbraer, als sie von der Brandkatastrophe hörten, selbst sehr erschüttert waren.

Den beiden Spendensammlern gehe es darum, der abgebrannten Familie in ihrer Not „ein kleines Startkapital“ zu verschaffen. „Wir wollen die Betroffenen unterstützen, die schwere Situation zu meistern, damit sie schnellstmöglich zur Normalität zurückkehren können, und damit sie zum Beispiel für ihre Notwohnung etwas kaufen können, oder persönliche dringend nötige Sachen, die in Mitleidenschaft gezogen worden sind, ersetzen können“, so Bobe. Auch für unerwartete Kosten, die möglicherweise von der Versicherung nicht gedeckt würden, könne es ein Zuschuss sein. Manuela Bobe koordiniert die Spendenaktion. Wer diese unterstützen und auch helfen möchte, erreicht die Döbraerin unter folgende Email-Adresse manuelabobe16@gmail.com und kann mit ihr darüber in Verbindung treten.

Nach dem Feuerdrama haben die 43-jährige Hauseigentümerin und ihr drei Jahre älterer Lebenspartner den Schock über die Katastrophe inzwischen einigermaßen überwunden. Das nächtliche Großfeuer hatte das Obergeschoss und den Dachstuhl im Schutt und Asche gelegt. Sie hatten mit ansehen müssen, wie die alte Schule, in dessen Erdgeschoss sie vor etwa anderthalb Jahren eingezogen waren, lichterloh brannte. Die Frau hatte das Haus vor mehr als zehn Jahren von der Stadt gekauft. Seitdem hatte sie viel Arbeit und Geld investiert, um sich gemeinsam mit ihrem Partner und ihrem siebenjährigen Sohn ein schmuckes Heim zu schaffen. Schrittweise wurde es umgebaut und modernisiert, eine Werkstatt eingerichtet. Eine Seite der Fassade war bereits fertig, auch das Obergeschoss sollte noch fertig ausgebaut werden.

Familie hatte Feuer gar nicht bemerkt

„Wir hatten gerade den Jungen ins Bett gebracht, als wir rausgeklingelt wurden“, schildert der Freund der Eigentümerin, wie er die Schreckensnacht erlebte. Die Familie hatte das Feuer selbst gar nicht bemerkt. „Ein Nachbar sagte, dass es bei uns brennen würde. Wir konnten es gar nicht glauben.“ Der Nachbar war Ortswehrleiter Matthias Stübner. Der 53-Jährige wohnt auf der Anhöhe gegenüber auf der anderen Seite der Döbraer Straße. Gemeinsam mit einem Bekannten, einem Feuerwehrmann aus Bärenstein, wollte er kurz vor 20 Uhr nach Liebstadt. Dort waren sie zur Musikstunde der Jagdhornbläser verabredet. „Eigentlich wollten wir schon etwas eher los.“ Beim Schritt aus seinem Dreiseitenhof blickte der Feuerwehrchef rüber zur alten Schule und wurde stutzig. „Ich sah im ersten Stock, dort wo eigentlich niemand wohnt, im hinteren Fenster einen Feuerschein.“ Irgendwie kam es ihnen komisch vor. Die beiden liefen rüber, um nachzusehen. „Als wir drüben waren, fing es an, aus dem Dach zu qualmen. Da wussten wir: Es brennt wirklich.“ Die Bewohner liefen ins Freie.

„Es wird schon nicht so schlimm“, dachte der Familienvater, der kurz darauf den Jungen zu den Großeltern ins benachbarte Seitenhain brachte. Als dort später auch die Sirene ging, „schwante mir Böses“. Bei diesen Worten begann er zu weinen. In der Zwischenzeit hatte sich das zunächst noch kleine Feuer zu einem Großbrand ausgeweitet. Etwas über eine Stunde nachdem das Feuer bemerkt wurde, brannten der gesamte Dachstuhl und das Obergeschoss lichterloh. Meterhohe Flammen schlugen in den Himmel, überall im Dorf war das Feuer zu sehen. Offenbar war das Feuer außer Kontrolle geraten.

„Wir hatten keine Chance“, erklärt Ortswehrleiter Stübner. „Gleich am Anfang ist ein Trupp mit Atemschutzgeräten rein. Es brannte in der Zwischendecke zum Boden.“ Dort öffneten die Brandschützer die Dielung. Dabei konnten sie aber „nicht verhindern, dass Sauerstoff an den Brandherd kam. Dann zündete es durch.“ Wind blies aus dem Seidewitztal ins Oberdorf. Offenbar hatten die Böen das Flammenmeer begünstigt. Die zehn Feuerwehrleute aus Döbra waren auf einmal machtlos und forderten zusätzliche Unterstützung an. Die kam später aus Liebstadt, Börnersdorf, Dittersdorf und schließlich auch aus Bad Gottleuba und Pirna.

In der Brandnacht hatte das nun obdachlos gewordene Paar bei unmittelbaren Nachbarn übernachtet. „Über deren Hilfe sind wir sehr dankbar“, sagt der Partner der Eigentümerin. Zur Beruhigung und um den Schock zu verkraften, hatte der Notarzt ihnen Medikamente gegeben. Um die durchnässte Gebäudesubstanz zu retten, sei jetzt dringend ein Notdach erforderlich. Ein Gerüstbauer hat inzwischen ein Aufmaß gemacht. Das zerstörte Haus soll in den nächsten Tagen notgesichert werden. Auch der Gutachter werde noch erwartet, um den entstandenen Schaden für die Versicherung aufzurechnen. Das Paar hat inzwischen einiges Hab und Gut aus dem Brandhaus geholt und zieht nun vorübergehend in eine Notwohnung in Liebstadt. Die hatte Bürgermeister Hans-Peter Retzler (Die Linke), der noch in der Nacht an den Brandort geeilt war, zur Verfügung gestellt.

Für die Döbraer steht fest, dass die betroffene Familie das Schadensereignis nicht allein bewältigen muss, zumal die Eigentümerin angekündigt habe, dass das zerstörte Haus wieder aufgebaut werden soll. Feuerwehrleute und ein paar Männer aus dem Dorf wollen aktiv werden, heißt es. „Einige haben sich schon bereit erklärt, mit anzupacken. Wenn es soweit ist, wollen wir einen Arbeitseinsatz machen, und helfen, das Gebäude und das Gelände vom Schutt zu beräumen oder auszuräumen“, sagt Spendensammlerin Manuela Bobe.

Von Daniel Förster und Marko Förster

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