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Ein Dirigent, der inszeniert: Jan Michael Horstmann, Landesbühnen-Oberspielleiter und Operndirektor

Ein Dirigent, der inszeniert: Jan Michael Horstmann, Landesbühnen-Oberspielleiter und Operndirektor

Künstler, die singen, schauspielern und auch noch tanzen können, sind ein Pfund, mit dem Theater gern wuchern. Aber ein Dirigent, der inszenieren kann, ist ein Glücksfall.

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Jan Michael Horstmann

Quelle: Martin Reißmann

Die Landesbühnen Sachsen haben Jan Michael Horstmann als Musikalischen Oberleiter und Operndirektor in Personalunion. Einen inszenierenden Dirigenten, einen dirigierenden Regisseur. Derzeit bereitet er James MacMillans Musikdrama "Parthenogenesis" vor. In einer Probenpause sprach er mit Michael Ernst.

Frage: Ist Ihre Doppelrolle als Dirigent und Regisseur Ausdruck besonderer Begabung oder eher eine Belastung?

Jan Michael Horstmann: Rein zeitlich gesehen ist das natürlich eine Belastung, für mich aber eine sehr schöne Herausforderung. Ob es in meinem Fall auch eine Begabung ist, müssen andere beurteilen.

Mit den Sparzwängen im Kulturbereich hat Ihre Funktion als Musikchef und Operndirektor an den Landesbühnen aber nichts zu tun?

Ohne Manuel Schöbel wäre ich nie auf die Idee gekommen, Regie zu führen. Als er in Radebeul Intendant wurde und ich noch GMD in Freiberg war, hatte er mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, mal ein Stück zu dirigieren und zu inszenieren. Insofern sehe ich das sogar als Bereicherung. Primär geht es aber darum, dass unser Haus nicht nur einen inszenierenden Oberspielleiter hat, sondern dass in dieser Funktion die musikalische Seite betont wird. Mit der Fusion der Elblandphilharmonie entstand ja eine neue Struktur, in der es den Generalmusikdirektor der Landesbühnen nicht mehr gibt.

Momentan erarbeiten Sie Ihre vierte Produktion als Regisseur-

Und meine erste Inszenierung, die ich nicht auch selbst dirigiere!

Ist es da ein Problem, den Musiker in sich zu verleugnen?

Man muss sich daran gewöhnen, bei einer Orchesterprobe nicht immer gleich aufzuspringen, wenn musikalisch mal was nicht so ganz läuft. Ich stamme ja aus einer Theaterfamilie und weiß, wie wichtig eine gute Zusammenarbeit ist. Nichts ist schrecklicher, als wenn Dirigent und Regisseur sich nicht kennen.

Umgekehrt ist es aber von Vorteil, wenn der Dirigent weiß, wann er sich mal zurücknehmen und auf die Szene konzentrieren muss. Oder an welcher Stelle ich als Regisseur auf Aktionen verzichte, um die Musik zu betonen. Bisher hatte ich an den Landesbühnen Charpentiers "Médée" und Monteverdis "L'Orfeo" ja ausschließlich Werke inszeniert, die ich vorher schon musikalisch einstudiert hatte und folglich sehr gut kannte. Mit "Mozart Wunderkind" habe ich zum ersten Mal ein Schauspiel inszeniert, das ich auch selbst entworfen hatte.

Arbeiten Sie damit auch gegen den Trend mancher Musiktheater, die sich mit großen Namen aus Schauspiel und vom Fernsehen schmücken, deren Träger aber nicht viel von der Musik verstehen?

Ich persönlich habe nie schlechte Erfahrungen mit Regisseuren gemacht, sondern in der Zusammenarbeit mit ihnen die Faszination dieses Berufes kennengelernt. Auch meine langjährige Arbeit mit dem Tanztheater von Pina Bausch hat mir da sehr geholfen. Und aus meiner Magdeburger Zeit weiß ich, wie spannend es sein kann, wenn ein Schauspielregisseur wie Sebastian Hartmann ausgerechnet ein spezielles Werk wie Vivaldis "Orlando furioso" - obendrein in italienischer Sprache - zu seinem Debüt als Opernregisseur wählt.

Ihre nächste Neuproduktion, "Parthenogenesis" von James MacMillan, hatten Sie in Magdeburg sogar als deutsche Erstaufführung herausgebracht. Mussten Sie viel Überzeugungsarbeit leisten, es nun auch in Radebeul zu machen?

Unser aktuelles Thema ist ja die Familie, wie beispielsweise "König Ödipus" und "Gianni Schicchi" sehr unterschiedlich zeigen. Da habe ich Manuel Schöbel rasch überreden können, dieses Stück zu machen, in dem es um das Entstehen von Familie geht. Der Titel bezieht sich auf die geschlechtslose Jungfernzeugung, und da steht die Frage, ob wir das brauchen beziehungsweise was passiert, wenn durch diese Entstehungsform menschliche Abziehbilder geschaffen werden. Die werden dann fragen, wer bin ich? MacMillen hat da etwas sehr Ethisches geschrieben und behandelt die Diskrepanz zwischen Wahnsinn und Identität solcher Designerbabys.

Sie haben dazu eine deutsche Textfassung geschrieben?

In Magdeburg hatten wir "Parthenogenesis" im englischen Original gespielt. Weil wir es hier in einer Schule aufführen, bot sich eine Übersetzung an. Die Premiere findet im Luisenstift statt, wo wir jetzt auch proben. Eine 11. Klasse entwickelt zusätzlich drei Performances, die das Thema ethisch, biologisch und literarisch betrachten. Im November kommt "Parthenogenesis" dann zum Landesbühnen-Spektakel auch in unser Stammhaus.

In Freiberg hatten Sie sich mit Ausgrabungen und musikalischen Raritäten einen eigenen Ruf erarbeitet. Vermissen Sie diese Offenheit im Konzertalltag?

Schon. Dort war es noch möglich, etwa das Schlagzeugkonzert von James MacMillan zu spielen. Aber ich bin sehr froh, dass es mir gelungen ist, die Elblandphilharmonie davon zu überzeugen, die 7. Sinfonie von Allan Pettersson ins Programm des 5. Sinfoniekonzerts zu nehmen. Und im Herbst werden wir "Copernicus" von Oliver Korte als Koproduktion am Festspielhaus Hellerau uraufführen.

"Parthenogenesis": Premiere Sonnabend, 19 Uhr, Gymnasium Luisenstift Radebeul

5. Sinfoniekonzert der Elblandphilharmonie: 22.3., 19 Uhr, Landesbühnen

www.landesbuehnen-sachsen.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 19.03.2015

Michael Ernst

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