Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -7 ° Schneeregen

Navigation:
Google+
Ehepaar Krumpolt aus Kleinzadel kämpft verzweifelt mit den Folgen der Flut

Ehepaar Krumpolt aus Kleinzadel kämpft verzweifelt mit den Folgen der Flut

Barbara Krumpolt kämpft mit den Tränen: "Das ist zu viel für uns. Mein Mann und ich, wir können einfach nicht mehr", sagt sie. Zum zweiten Mal hat das Hochwasser ihr idyllisch hinter Meißen an der Elbe gelegenes Häuschen und den weitläufigen Garten drum herum verwüstet.

2002 stand das Wasser schon einmal im Erdgeschoss. Damals haben sich die beiden wieder aufgerappelt. Doch inzwischen sind elf Jahre ins Land gegangen. "Gottfried wird jetzt 75, ich bin 67", berichtet Barbara Krumpolt.

Obwohl das Ehepaar seit Tagen schuftet, bietet sich bei unserem Besuch ein Bild der Verwüstung. Das Anwesen, muss man wissen, befindet sich in Kleinzadel bei Diera-Zehren in einem alten Steinbruch. Keine 200 Meter sind es bis zur Elbe. Die Beete im Garten mit den Erdbeeren, den Kartoffeln standen unter Wasser. Und alles ist fortgeschwommen, was nicht niet- und nagelfest war - das ganze Feuerholz zum Beispiel. Auch die Goldfische aus dem Teich und ein Großteil der Kois sind weg. "Wir haben Netze gespannt, um sie zu retten, aber es hat nichts genützt", erzählt Barbara Krumpolt. Überhaupt die Tiere. Das Ehepaar betreibt eine kleine Tierpension. Hasen, Fasane, Tauben, Gänse, Enten, Wachteln, Papageien und jede Menge Wellensittiche gibt es auf dem Hof. In guten Zeiten seien Spaziergänger oft bewundernd am Gartenzaun stehen geblieben, hätten Fotos gemacht.

Nicht alle Tiere konnten vor dem Wasser in Sicherheit gebracht werden. Die Vögel zum Beispiel nicht. "Als die Flut kam, haben wir in unserer Not Styroporplatten in die acht Volieren gelegt und ganz viel Futter drauf gestreut", sagt Gottfried Krumpolt. Die Platten mit den Vögeln darauf seien quasi auf dem Wasser geschwommen. "Trotzdem sind ein Fasan und eine Taube ertrunken", berichtet der alte Mann. Die beiden Schildkröten hat er ins Tierheim gegeben. Hund Timmi, ein Rehpinscher, und Katze Mops sind geblieben. "Sie haben sich in der schlimmen Zeit den ganzen Tag nicht gerührt", erzählt Barbara Krumpolz.

Elbe stand einen halben Meter im Erdgeschoss

Drinnen im Häuschen sieht es kaum weniger trostlos aus als draußen: Die Feuchte zieht sich durchs Erdgeschoss, 50 Zentimeter stand die Brühe dort. "Als klar war, dass die Elbe kommt, haben wir auf der Treppe zum ersten Stock gesessen und gebetet, dass das Wasser nicht so hoch steigt wie 2002", sagt Barbara Krumpolt.

Überall riecht es jetzt muffig. "Anders als vor elf Jahren haben wir zwar beizeiten die Möbel im Wohnzimmer ausgeräumt und versucht zu retten, was zu retten war", erklärt die Rentnerin. Die Einbauküche jedoch habe nicht ausgebaut werden können, auch der schöne alte Kachelofen nicht. Und die Eckbank sei bereits im Sperrmüll gelandet. Nur im Obergeschoss gibt es inzwischen wieder Strom. Dort stapeln sich jetzt die vor Wochen in Sicherheit gebrachten Habseligkeiten.

Tagelang hat das Paar im ersten Stock ausgeharrt - ohne Strom, ohne Wasser. "Wir haben uns in einer Schüssel mit Selters gewaschen und abends bei Kerzenschein dagesessen", erinnert sich Barbara Krumpolt. An Schlaf sei noch immer nicht zu denken. Weil das Häuschen einst etwas schräg in den Hang hineingebaut wurde, konnten die beiden aus dem rückwärtig gelegenen Fenster im Obergeschoss nach draußen ins Trockene gelangen, um die nötigsten Besorgungen zu machen. Durch den Richtung Elbe gelegenen Eingang hätte man nur ins Freie schwimmen können. Seit 45 Jahren leben Barbara und Gottfried Krumpolt in dem Anwesen an der Elbstraße, das schon weit über hundert Jahre auf dem Buckel hat. Haben es Stück für Stück saniert. "Alles in Eigenleistung", fügt der Senior leise hinzu. Bis zur Rente war er Meister im benachbarten Kabelwerk. Seine Frau hat bei der Post die Briefe sortiert und ausgetragen.

"2002 war der Zusammenhalt größer, heute macht jeder seins"

Haben die beiden alten Leutchen genügend Hilfe bekommen? "Ohne unsere Freunde aus Winkwitz und Merschwitz - die Aurichs, die Fratzkes und Henry Stasch - wären wir verloren gewesen. Sie haben uns ganz viel geholfen", sagt Barbara Krumpolt. Auch die Söhne des Ehepaars, alle drei kurz unter der 50, haben sich nach Kräften bemüht mit anzupacken. "Doch sie sind alle krank, der älteste hat Thrombose, der zweite Borreliose nach einem Zeckenstich, der jüngste Krebs."

Die beiden Rentner mussten auch schlechte Erfahrungen machen: Sie habe nur 20 Sandsäcke erhalten, berichtet Barbara Krumpolt. "Auf die Nachfrage in der Gemeinde, ob weitere Säcke angeliefert werden könnten, hieß es: nein." Wenig später wäre das Gemeinde-Auto, am Häuschen vorbeigefahren - beladen mit vollen Sandsäcken. Befremdlich sei auch gewesen, dass die Bewohner im benachbarten Winkwitz oben auf dem Berg Informationsblättchen über den Pegelstand der Elbe bekommen hätten. "Und hier unten kam nichts an, wir waren abgeschnitten, erst nach Tagen haben wir uns dann ein batteriebetriebenes Radio organisiert", berichtet Barbara Krumpolt. "2002 war der Zusammenhalt größer, heute macht jeder seins", resümiert sie bitter. Am Wochenende hat das Paar einen Antrag auf Fluthilfe bei der Diakonie ausgefüllt. Maximal 1500 Euro können sie bekommen. Die Gelder stammen aus der DNN-Spendenaktion "Dresdner helfen Dresdnern".

Und wie geht es jetzt weiter? "Wir müssen erst einmal wischen im Haus und räumen", sagt Gottfried Krumpolt. Mindestens zwei Monate werde es wohl brauchen, bis alles so weit getrocknet ist, dass gemalert werden kann. Tapete soll es nicht mehr geben. Die beiden alten Leute wünschen sich Helfer, die mit anpacken: "Wir brauchen zum Beispiel einen Ofensetzer, damit unser kaputter Kachelofen wieder funktioniert", sagt Barbara Krumpolt.

Wegziehen wollen die beiden trotz alledem nicht. Nur einen Tag lang hat die Rentnerin mit dem Gedanken gespielt und ihn dann wieder verworfen. "Ich kann meinen Mann nicht mehr verpflanzen", weiß sie. Einen Gehirnschlag habe er schon gehabt. Und auch Gottfried Krumpolt meint schließlich: "Immer mit der Ruhe. Das wird schon wieder."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.06.2013

Katrin Richter

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Region News
Anzeige

Ob zur Entspannung, in der Mittagspause oder zum Spaß mit Freunden. Auf unserer Spieleseite können Sie wählen zwischen Denksport-, Geschicklichkeits-, Such- und Sportspiele. Jetzt gratis spielen im Spieleportal von DNN.de! mehr

Die Friedensburg gehört als fester Bestandteil zu Radebeul. Soll sie zukünftig wieder als Gaststätte genutzt werden? Und falls ja, wie genau? Sagen Sie uns Ihre Meinung und stimmen Sie ab! mehr