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Dresdens Heinrich-Schütz-Konservatorium mit Karl Jenkins' Friedensmesse in der Marienkirche Pirna

Dresdens Heinrich-Schütz-Konservatorium mit Karl Jenkins' Friedensmesse in der Marienkirche Pirna

Es ist ein denkwürdiges Jahr, in dem wir einerseits auf den Beginn des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren und den des Zweiten Weltkrieges vor 75 Jahren zurückschauen, andererseits aber täglich mit Kriegen im Nahen Osten und der Ukraine konfrontiert werden.

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"The Armed Man" in Pirnas Marienkirche.

Quelle: Roger Günther

Der englische Komponist Karl Jenkins schrieb seine Friedensmesse "The Armed Man" vor 14 Jahren noch vor dem Hintergrund des Kosovo-Krieges. In Europa und den USA ist sie seither über 1500 Mal erklungen. Nun wurde sie von rund 180 jungen Musikern des Heinrich-Schütz-Konservatoriums (HSKD) erstmals in der Marienkirche Pirna aufgeführt.

Ein Konzert in dieser Größenordnung ist für das HSKD eine Besonderheit - zumal bei diesem Werk: Jenkins gemahnt in seiner Friedensmesse an den gemeinsamen Ursprung aller monotheistischen Religionen, bindet dazu im zweiten Satz auch den islamischen Gebetsruf des Muezzins in seine Musik ein. Das sorgte etwa bei einer Aufführung der Messe in der Konstanzer Kirche 2013 für Proteste. Der zweite Satz musste dort entfallen. Das war in Pirna zum Glück nicht der Fall, unter der Leitung von Milko Kersten bescherten das Dresdner Jugendsinfonieorchester, der Knabenchor Dresden und der Dresdner Motettenchor des HSKD hierzu einen aufrührenden Konzertnachmittag.

Der Jenkins-Messe stellten sie mit Heinrich Schütz' Motette "Verleih uns Frieden" und Arvo Pärts "Silouans Song" für Streichorchester zwei passende Eröffnungsstücke voran. Vor allem bei Pärt legte Kersten den Akzent auf klare Abstufungen, steigerte die Dramatik sachte, um dann zu beklemmender Stille zurückzufinden. Diese führte, fast wie ein unausgesprochener Gedanke im Raum schwebend, hin zur Jenkins-Messe. Ein bisschen flirrte die Aufregung der jungen Musiker noch im Raum, als der Trommelmarsch aus dem ersten Satz anfangs fast tänzerisch anhob, um dann mit Fanfarentönen in einen bedrohlichen Marsch überzugehen. Kersten arbeitete die immer brutaler werdende Vehemenz dieses ersten Satzes mit zunehmender Dynamik in Orchester und Chören gut heraus. Wie in einem Thriller lässt Jenkins hier "The Armed Man" (den bewaffneten Mann) musikalisch in die Kirche einmarschieren.

Seine Messe beschreibt einen Krieg im Namen von Religionen - und das mit einer Unmittelbarkeit, der man sich kaum entziehen kann. Auf den ruhigen Ruf des islamischen Muezzins folgt das erhabene Kyrie Eleison der Christen. Dann steigert sich das Gotteslob in der Musik hin zu lauter Kriegseuphorie. Kersten setzt dabei auf klare, oft fast brachiale Wechsel, lässt das Orchester im 5. Satz "Sanctus" immer wieder mit voller Wucht hereinbrechen: hochmütig ertönt das "Hosanna in der Höh". Bis zum Angriff im 7. Satz steigert er die Dynamik stetig, gestaltet so den musikalischen Aufruhr und Krieg in der Kirche, bis der große Knall am Ende des Satzes das Äußerste markiert.

In der zweiten Hälfte ist dann zunächst Schluss mit großen Kontrasten. Fast lautmalerisch beschreibt die Musik hier den flirrenden Staub, den Rauch, die aufglühende Asche nach dem Krieg. Es gelingt den Chören und dem Orchester gut, auch diese nun andächtige Stille hörbar zu machen. Kersten arbeitet jetzt eher sachte Betonungen heraus, lässt im neunten Satz etwa "lebende Fackeln" im stillen Klagegesang auflodern, ganz kurz nur, doch umso eindrücklicher. Im Klagelied im 11. Satz überlässt er der Solostimme das Wort, Orchester und Chor sind hier deutlich zurückgenommen.

Überraschend schließt sich im 13. Satz dann der Kreis: Wieder ist der Marsch vom Beginn zu hören, der "The Armed Man" läutet dieses Mal jedoch den Frieden ein. Hoffnungsfroh verschränken sich die Stimmen im Kanon zum "Ring out/Ring in", es ist eine wuchtige Aufforderung, die Friedenszeit zu beginnen. Kersten steigert das Tempo dabei sachte, gestaltet den Schluss-Vers, bei dem Gott nun als Friedens- nicht als Kriegsargument verstanden wird, als musikalischen Höhepunkt des Satzes. - Danach dauert es eine Weile, bis in der Marienkirche der Schlussapplaus ansetzt. Er fällt zu Recht reichlich aus und man wundert sich gleichzeitig, warum ein so aufrüttelndes Werk wie diese Messe bislang nie in Pirna und Dresden aufgeführt wurde. In Zeiten, in denen "patriotische Europäer" vor unserer Haustür gegen die angebliche Islamisierung des Abendlandes auf die Straße gehen, sollte es eigentlich viel öfter erklingen.

Jenkins' Friedensmesse am 29.11., 16 Uhr in der Lukaskirche Dresden

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.11.2014

Nicole Czerwinka

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