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Dohnaer Nervenärztin Renate Frühauf hat das Bundesverdienstkreuz erhalten

Dohnaer Nervenärztin Renate Frühauf hat das Bundesverdienstkreuz erhalten

Renate Frühauf kennt die dunklen Seiten des Lebens. Als Nervenärztin hat sie jeden Tag damit zu tun - wenn etwa Menschen zu ihr kommen, die Stimmen hören, in tiefe Depressionen versinken oder sich das Leben nehmen wollen.

Dohna.

Von Christiane Raatz, dpa

Dohna. Renate Frühauf kennt die dunklen Seiten des Lebens. Als Nervenärztin hat sie jeden Tag damit zu tun - wenn etwa Menschen zu ihr kommen, die Stimmen hören, in tiefe Depressionen versinken oder sich das Leben nehmen wollen. "Wir brauchen in unserer modernen Welt auch Soziotope für Menschen, die eine andere Art haben, zu leben", sagt die 70-Jährige. Deshalb hat sie vor mehr als 20 Jahren den Klinikalltag hinter sich gelassen - und ein Zuhause für psychisch kranke Menschen aufgebaut.

Anfang der 90er Jahre, in der Aufbruchstimmung nach der Wende, gründete Renate Frühauf den Verein "Gut Gamig" und übernahm das alte Rittergut in Dohna. Schloss und Kapelle aus dem 16. Jahrhundert, die ehemaligen Stallanlagen - die denkmalgeschützten Gebäude waren dem Verfall preisgegeben. "Man brauchte schon Fantasie, um sich vorzustellen, wie alles einmal aussehen kann", erinnert sich Frühauf. Vieles ist mittlerweile saniert oder neu gebaut, auch mit der Unterstützung zahlreicher Helfer und Sponsoren.

Heute werden in den Rehabilitations- und Begegnungsstätten rund 200 Patienten betreut. 25 Menschen wohnen auf dem Gut, andere leben in Außenwohngruppen, manche kommen jeden Tag zum Arbeiten hierher. Zu tun gibt es genug: Auf dem rund 130 Hektar großen Gelände wird ökologische Landwirtschaft betrieben, es gibt Äpfel- und Kirschplantagen, auf den Feldern wachsen Kräuter, Blumen, Gemüse, Kartoffeln und Getreide.

In der Weberei wird die Wolle von den eigenen Schafen verarbeitet. Frauen sitzen gemeinsam um einen großen Tisch, kämmen, filzen und färben. "Ich habe früher gern Handarbeiten gemacht, die Arbeit hier gefällt mir", erzählt eine von ihnen. Nebenan in der Schneiderei werden bunte Kissen und Waschlappen genäht, in der Tischlerei historische Möbel in liebevoller Kleinarbeit restauriert. Nichts erinnert an eine psychiatrische Einrichtung - verschlossene Türen gibt es nicht. Stattdessen tuckert ein Traktor über den Gutshof, Schafe werden auf das Feld getrieben, vor dem Hofladen leuchten orangefarbene Kürbisse.

Das Credo auf Gut Gamig: Achtung vor Mensch und Natur, ein geregelter Tagesablauf und sinnvolle Arbeit. "All das kann helfen, ins Leben zurückzufinden", erklärt Frühauf. Dafür arbeiten Ärzte, Sozialarbeiter, Therapeuten und Patienten Hand in Hand. Dass sie 2002 das Bundesverdienstkreuz bekommen hat, berichtet die Ärztin nur, wenn man danach fragt. Patienten und Angehörige haben sie vorgeschlagen. Für sie ist es Beruf und Berufung, sich um die Schwachen der Gesellschaft zu kümmern. "Die fallen zuerst hinten runter." Denn es kann jeden treffen, weiß die Nervenärztin. Auch viele Patienten auf dem Gut seien erst im Lauf ihres Lebens krank geworden. Längst können nicht alle Bewerber einen Platz auf Gut Gamig finden.

"Die psychischen Erkrankungen nehmen in unserer Gesellschaft zu", sagt der Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Soziale Psychiatrie (DGSP), Richard Suhre. Für die Patienten seien oftmals gerade die Übergänge von der stationären zur ambulanten Betreuung ein "Riesenproblem". Auf Druck der Krankenkassen würden viele bereits nach wenigen Wochen und damit oft zu früh wieder entlassen. An dieser Schnittstelle will das Gut Gamig ansetzen. Im Dorf haben anfangs viele den Kopf über das Vorhaben geschüttelt: So etwas Verrücktes kann nur eine Nervenärztin machen, hieß es. Renate Frühauf nimmt es mit Humor: "Wir spinnen hier eben alle ein bisschen - und nicht nur Wolle." Mittlerweile gehöre das Gut samt seinen Bewohnern dazu - viele Besucher kommen am Wochenende in das Schloss-Café. Mit Veranstaltungen wie dem Tag der Offenen Tür am 6. Oktober will die Begegnungsstätte zudem auf ihre Arbeit aufmerksam machen.

Frühauf, die nebenher vier Kinder großgezogen hat, will noch zwei Jahre arbeiten und sich dann zurückziehen. Dass es noch keinen ärztlichen Nachfolger gibt, bereitet ihr Sorgen. "Für mich ist mit dem Gut ein Lebenstraum in Erfüllung gegangen", sagt die 70-Jährige. Und wenn sie geht, will sie ihn in guten Händen wissen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 25.09.2012

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