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"Dieser Raum atmet Mittelalter"

Meißner Dombaumeister zieht Bilanz "Dieser Raum atmet Mittelalter"

23 Jahre war Günter Donath Dombaumeister am über 750 Jahre alten Meißner Dom, der seit 1581 evangelisch ist. Ende Januar 2016 gibt der aus Wilsdruff stammende und dort bis heute lebende Architekt, im August 65 Jahre alt geworden, das Amt an seinen Nachfolger Knut Hauswald ab.

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Günter Donath mit dem von ihm und Frank Richter verfassten Buch "Gärten aus Stein - Die Pflanzenwelt des Naumburger Meiters" (Michael Imhof Verlag) vor dem Meißner Dom. Nach 23 Jahren als Dombaumeister geht er 2016 in den Ruhestand.

Quelle: Tomas Gärtner

Radebeul. 23 Jahre war Günter Donath Dombaumeister am über 750 Jahre alten Meißner Dom, der seit 1581 evangelisch ist. Ende Januar 2016 gibt der aus Wilsdruff stammende und dort bis heute lebende Architekt, im August 65 Jahre alt geworden, das Amt an seinen Nachfolger Knut Hauswald ab. Im Gespräch mit Tomas Gärtner zieht er Bilanz.

Welche Aufgaben hatten Sie als Dombaumeister?

Günter Donath: Schon seit dem Mittelalter müssen die Dombaumeister den baulichen Erhalt des Domes sichern. Mein Vorgänger hatte unter DDR-Bedingungen wenig Möglichkeiten. So war die Situation in Meißen 1992 verheerend. Das Gebäude war an allen Ecken und Enden kaputt. Die Domtürme waren baupolizeilich gesperrt. Die Schäden mussten analysiert, Prioritäten gesetzt und geplant werden.

Was waren die Höhepunkte Ihrer Tätigkeit?

Es ist so vieles, was sich aneinanderreihte. Da war zum Beispiel die kleine Achteckkapelle genau so wichtig wie die Sanierung der großen Westturm-Anlage. Jetzt sind wir einmal um den ganzen Dom ringsum gekommen. Auch innen haben wir alles in Ordnung gebracht. So kann ich jetzt mit gutem Gewissen gehen und den Dom in andere Hände übergeben.

War für die Sanierung genügend Geld da?

Mir ist es gelungen, dem Meißner Dom zum Status eines national bedeutsamen Monumentes zu verhelfen. Damit wurde die Bundesrepublik an der Finanzierung beteiligt. Als Kofinanzierung liefert der Freistaat den gleichen Anteil. Damit hatten wir keine finanziellen Sorgen mehr. Hinzu kam die Unterstützung durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt.

Konnten Sie auch gestalten?

Wir haben heute Heizung, hochmoderne LED-Leuchten und Halogen-Spots, die man aber nicht sieht. Wir haben Räume zugänglich gemacht im Sinne eines modernen Dom-Museums. Und wir haben Kunstwerke ergänzt. Ein spätgotisches Triumphkreuz über dem Lettner zum Beispiel. Dazu kamen Besucherinformation und neuartige Besucherführung über den Kreuzgang. Die Allerheiligenkapelle ist ein Andachtsraum geworden.

Hat sich Ihre Sicht auf den Dom in Ihrer Amtszeit verändert?

Der Dom ist ein Stück meines Lebens geworden. Man muss ein intensives Verhältnis zu dem Gebäude haben, um es verstehen, seine Baustruktur zu erkennen und entsprechend reparieren zu können. Wie eine Mutter, die alle Wehwehchen ihres Kindes kennt.

Ihre Empfehlung - was sollten sich Besucher im Dom unbedingt ansehen?

Ich empfehle immer Sonderführungen zu speziellen Punkten. Was der Meißner Dom zeigt, ist teilweise einzigartig. Ob es die mittelalterliche Glasmalerei ist oder dieses nahezu unverstellte Erlebnis eines gotischen Raumes, bis hin zu den kleinen Kapellen. Ein ganz besonderes Highlight ist die Domschatzkammer. Dieser Raum atmet noch unmittelbar das Mittelalter. Von dort geht es in den mittelalterlichen Höckrigen Turm, der 1401 zur Domweihe bereits fertig war. Man kann da in die Konstruktion hineinschauen.

Sind Probleme ungelöst geblieben?

Nicht gelungen ist mir, die gewissermaßen traumhafte Verbindung zwischen Dom und Albrechtsburg wieder herzustellen. Seit Arnold von Westfalen, der auch Dombaumeister war, gibt es eine Verbindungstür zwischen der offenen Loggia der Albrechtsburg zur Lettnerbühne des Domes. Die ist für den Gottesdienstbesuch des Herzogs und des Kurfürsten mit Gefolge konzipiert worden. Diese Tür hat man nach der Reformation vermauert. Man brauchte nur diese Vermauerung herauszunehmen und zwei Türflügel einzusetzen. Aber da gibt es auch politische Widerstände, die ich nicht überwinden konnte.

Was haben Sie sich für den Ruhestand vorgenommen?

Im Verbund mit der TU Dresden läuft unsere Forschung, bei der wir den Weg der Bauhütten durch Europa untersuchen. Herausgegriffen haben wir die Bauhütte des Naumburger Meisters, die von Meißen bis ins spanische Burgos weitergezogen ist und von da weiter an die Kathedrale von Leon. Und zur Architekturgeschichte biete ich Studienreisen etwa nach Spanien an.

Der neue Dombaumeister im Porträt

Neuer Dombaumeister in Meißen wird Knut Hauswald. Das Domkapitel des Hochstifts Meißen wählte den 54-jährigen promovierten Architekten. Er lebt im Schloss Batzdorf und hat seit 1990 ein Büro in Meißen. Anfang Februar 2016 beginnt er als Nachfolger von Günter Donath mit der Arbeit am Dom. Eingeführt werden in sein Amt soll er am 8. Mai 2016, dem Sonntag Exaudi, zum Kapiteltag und Kirchweihfest.

Hauswald stammt aus Dresden. 1981 bis 1986 studierte er an der TU Dresden Architektur und begann anschließend im damaligen VEB Kreisbaubetrieb zu arbeiten. Seit Jahren beschäftigt er sich besonders intensiv mit Denkmalpflege, Kunstgeschichte, Archäologie und Bauarchäologie. Er forschte zur Entwicklung städtischer Bürgerhäuser in Meißen von den Anfängen bis zum 30-jährigen Krieg (1618-1648). Mit seinen Erkenntnissen über denkmalpflegerische Sanierung und deren Beitrag zur Erforschung der städtischen Wohnkultur promovierte er 2013 an der Bauhaus Universität Weimar.

Erfahrungen bei der Sanierung denkmalgeschützter Gebäude sammelte er beispielsweise in der Meißner Altstadt sowie in den Schlössern Batzdorf und Scharfenberg.

Tomas Gärtner

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