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Die "hausgemachte" Schlammlawine - Stadt Meißen will nach dem Erdrutsch handeln

Die "hausgemachte" Schlammlawine - Stadt Meißen will nach dem Erdrutsch handeln

Meißen. Bürgermeister Hartmut Gruner (parteilos) war bemüht, es in sorgfältig gewählte Worte zu packen: "Es ist ein gemeinsamer Auftrag an die Stadt", sagte er bei der Informationsveranstaltung zu den Folgen der Schlammlawine von Meißen-Triebischtal.

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Die Straße An der Hohen Eifer ist notdürftig mit Schotter zugeschüttet. Noch in diesem Jahr soll sie grundhaft saniert werden.

Quelle: Uwe Hofmann

Und er versprach: "Es wird Veränderungen geben." Man kann es auch anders formulieren. "Diese Katastrophe ist hausgemacht", sagt Helga Schilling. Ihr Haus steht an der Hohen Eifer, genau dort also, wo am 27. Mai die Schlammlawine den Hang hinunter schoss. Nur mit Hausschuhen und Unterwäsche bekleidet, flüchtete sie damals aus ihrem Haus, wohnt seither in einer Pension. Ein "Weiter so" könne sich die Stadt nicht leisten, sagt sie. Meißen selbst sei ja stark betroffen.

Das sind die zwei Seiten der Medaille. Denn einerseits ist der Erdrutsch von Feldern oberhalb des Triebischtals ausgegangen, die kaum durch Gräben oder eine Randhecke gegen ein solches Ereignis geschützt waren. Eigentümer der Flächen ist die Stadt, die inzwischen die Verantwortung für den Gefahrenherd übernimmt. Andererseits ist das - seit der letzten Flut gegen Elementarschäden nicht mehr versicherte - Stadtvermögen am stärksten betroffen. Auf 2,3 Millionen Euro werden die Schäden an den Straßen und Gebäuden geschätzt. 500 000 Euro habe man bisher für die Aufräumarbeiten und erste Reparaturen ausgegeben, sagt Dirk Herr aus dem Stadtbauamt.

Hinzu kommen die Schäden, die Stadttöchter wie die Stadtentwicklungs- und Stadterneuerungsgesellschaft (SEEG) verzeichnen müssen. 368 Wohnungen seien in 60 Hauseingängen durch den Schlamm in Mitleidenschaft gezogen, sagt SEEG-Sprecher David Császár. Gutachten über die genaue Schadenshöhe werden derzeit erstellt. Weiterer Leidtragender sind die Meißner Stadtwerke. "Wir hatten 300 Tonnen Schlamm auf unserem Gelände und haben 15 Fahrzeuge eingebüßt", sagt Geschäftsführer Hans-Jürgen Woldrich.

Unklar ist die Schadenshöhe im Stadtwald. Sie fällt laut Stadtförster Ronald Ennersch beträchtlich aus. Aus Sicherheitsgründen ist das Waldgebiet an der Hohen Eifer, durch das der Schlamm sich hindurchgewälzt hat, bis auf Weiteres gesperrt. Ennersch berichtet von umgestürzten und entrindeten Bäumen, von komplett zerstörten Wegen und davon, dass sich der inzwischen zum Rinnsal geschrumpfte Kirchbach an mehreren Stellen ein neues Bachbett gesucht hat. "Ich schlage vor, dass wir diesen neuen Flussverlauf beim Aufbau des Wegenetzes akzeptieren", sagt er. Er fordert auch einen wenigstens zehn Meter breiten Grünstreifen an der Grenze zwischen Wald und Feld, dazu die Anlage von Gräben und Wegen quer durch die Felder. "Strukturierung", nennt er das. Bürgermeister Gruner hat schon angedeutet, dass die Stadt in dieser Richtung etwas bewegen will. Es handelt sich um eine jahrhundertealte Praxis, die das Wasser auf den Feldern halten soll.

Schwierig gestaltet sich die Soforthilfe. Die SEEG ist beispielsweise noch damit beschäftigt, die aus ihren Verankerungen herausgerissenen Türen aufzuarbeiten. Bis sie wieder eingesetzt sind, soll ein Wachschutz für Sicherheit sorgen. Noch in diesem Jahr soll die komplett ruinierte Straße An der Hohen Eifer wieder aufgebaut werden, kündigt Herr an. 500 000 Euro soll das kosten.

Wenig Verständnis gab es für die Richtlinien für die Soforthilfe der Sächsischen Aufbaubank, die 1000 Euro für private Hausbesitzer und 1500 Euro für Unternehmer verspricht. "Wir haben dort fast nur Mieter, aus meiner Sicht geht das völlig ins Leere", kritisiert Stadtrat Matthias Rost (SPD). Auch Wohnungsunternehmen wie die Gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft (GWG) gehen dabei leer aus. Über ein weiteres Förderprogramm sei ihm nichts bekannt, sagt SAB-Vertreter Volker Haubold. Oberbürgermeister Olaf Raschke (parteilos) verhandelt derzeit mit dem sächsischen Innenministerium um Sonderförderung.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.06.2014

Uwe Hofmann

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