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Die Stadtgalerie bleibt zu - Der Kunstverein Pirna e.V. ist pleite / Ostsächsische Sparkasse hat Kredit gekündigt

Die Stadtgalerie bleibt zu - Der Kunstverein Pirna e.V. ist pleite / Ostsächsische Sparkasse hat Kredit gekündigt

Kunstinteressierte stehen bei der Stadtgalerie Pirna vor verschlossener Tür. Und es ist nicht abzusehen, ob das Haus je wieder öffnen wird.

Pirna.

Von Madeleine Arndt

Denn der Galeriebetreiber, der Kunstverein Pirna e.V., ist pleite. "Wir konnten den Kredit für das Haus nicht mehr bedienen und mussten Insolvenz anmelden", erklärt Johannes Leder aus dem Vereinsvorstand.

Im Jahre 2000 hatte der Kunstverein das Gebäude des ehemaligen Stadtgefängnisses in der Schmiedestraße erworben, um dort eine Stadtgalerie zu eröffnen. Die kommunale Galerie war nach der Wende geschlossen worden. Der Hauskauf wurde mit Hilfe eines Sparkassenkredits gestemmt und die monatlichen Raten zum großen Teil über Kulturfördermittel des Landkreises finanziert. Letztere lagen bei rund 11 000 Euro im Jahr.

Doch die Kulturfördermittel fließen seit gut zwei Jahren nicht mehr. Die Ursache liegt im neuen Kulturraumgesetz des Landkreises, nach dem Zins und Tilgung nicht mehr förderfähig sind. Dem Verein gelang es nicht mehr, die Monatsbeträge für den Kredit zu zahlen. Mitte Juni wurde die letzte Ausstellung in der Stadtgalerie beendet. Danach mietete sich noch ein Künstler privat ein. Nun ist ganz Schluss. "Wir sitzen auf 80 000 Euro Schulden", sagt Leder.

Seit anderthalb Jahren habe man sich laut Leder bemüht, aus dem Finanzloch zu kommen. Mehrere Ansätze wurden durchgespielt: So gab es die Idee, eine Stiftung einzurichten. Über diese würde das Haus gekauft, in das sich der Kunstverein dann einmieten kann. Die fälligen Mietbeträge wären nach dem Kulturraumgesetz förderfähig, da sie zu keiner Vermögensbildung beitragen. Leder hätte sich auch gern einen privaten Käufer gewünscht oder die Unterstützung der Stadt Pirna. Deren Wohnungsgesellschaft (WGP) hätte das Haus übernehmen können, damit Eigentum und Nutzung nicht mehr in einer Hand liegen. Doch zu alledem ist es nicht gekommen. Als die Ostsächsische Sparkasse schließlich den Kredit kündigte, musste der Kunstverein Insolvenz anmelden.

"Wir haben alles ausgeschöpft, was möglich ist, Tilgungen ausgesetzt und Raten gestundet", sagt dazu Sparkassensprecher Andreas Rieger. Letztlich habe man den Kredit kündigen müssen, um nicht zur Überschuldung des Kunstvereins beizutragen. Davor habe es jede Menge Gespräche gegeben. Nur sei zu den möglichen Lösungen weder ein nachhaltiges Konzept noch ein Beschluss der Mitgliederversammlung des Kunstvereins entstanden.

Leder hofft jetzt, dass der Insolvenzverwalter die Stadtgalerie retten kann. Er vermisst aber den Rückhalt der Stadt Pirna. "Wenn wirklich ein fester Wille bestehen würde, dann findet sich auch ein Weg für den Erhalt der Galerie. Aber ich habe das Gefühl, dass das nicht so ist", bedauert er.

"Wir haben in mehreren Runden versucht, eine Lösung zu finden", erklärt hier Stadtsprecher Thomas Gockel. So bot sich die Sparkasse an, das Haus zu kaufen und den Verein zur Miete einziehen zu lassen. Bedingung an den Verein war ein Konzept, wie die Kreditlast zukünftig gesichert werden kann. Ein Rückkauf des Gebäudes durch die WGP oder die Stadt Pirna stand nicht zur Debatte. Dazu fehlt laut Gockel im Haushalt das Geld. Interesse am Erhalt der Stadtgalerie besteht dennoch, so hatte Pirna in den vergangenen drei Jahren mit 7500 Euro die Ausstellungen unterstützt. Etwas verschnupft zeigte man sich deshalb in der Verwaltung, dass der Verein die Stadt bisher nicht über die Insolvenz informiert hat.

Zeit des Erwachens

Auch Kunst muss kalkuliert werden. Spätestens jetzt sollte den Köpfen des Kunstvereins klar sein, dass man mit schönen Ideen allein nicht aus der Misere herauskommt. Hier brauchte es längst frisches Blut - zum Beispiel einen Experten, der sich mit Projektanträgen und konzeptioneller Planung auskennt. Denn offensichtlich war der Vereinsvorstand in dieser Hinsicht überfordert.

Die Vereinspleite hätte nicht sein müssen, denn ein Käufer für das Gebäude stand bereit. Doch nun ist der Zug abgefahren und die Zukunft der Stadtgalerie liegt in den Händen der Insolvenzverwaltung. Sehr bedauerlich ist dabei, dass die Stadt Pirna während des ganzen Gezerres im vergangenen Jahr nicht dem Kunstverein stärker unter die Arme gegriffen hatte. Immerhin handelt es sich bei der Stadtgalerie nicht um irgendeinen belanglosen Laden, sondern sie ist ein Aushängeschild für Pirna. Mit ihr wirbt die Verwaltung auf ihrer Internetseite und die Ausstellungen in der Stadtgalerie hatten in den vergangenen Jahren viele Bürger und Touristen angezogen.

Von Madeleine Arndt

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 10.10.2012

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