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Die Radebeuler Schriftstellerin Tine Schulze Gerlach ist verstorben

Die Radebeuler Schriftstellerin Tine Schulze Gerlach ist verstorben

Eine Ahnung davon verspürte sie wohl schon seit langem. Doch diese Ahnung war niemals von Trübsinn, Schrecken oder gar Tränen begleitet. Für die Radebeuler Schriftstellerin Tine Schulze Gerlach hatte der Tod nie ein schwarz verhülltes Gesicht und keine Furcht erregende Aura.

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Tine Schulze Gerlach

Radebeul. Radebeul. Eine Ahnung davon verspürte sie wohl schon seit langem. Doch diese Ahnung war niemals von Trübsinn, Schrecken oder gar Tränen begleitet. Für die Radebeuler Schriftstellerin Tine Schulze Gerlach hatte der Tod nie ein schwarz verhülltes Gesicht und keine Furcht erregende Aura. Ganz im Gegenteil. Sie glaubte an die Erlösung durch ihn. Am 12. Oktober nun hat er sie schließlich aus einem langen, wunderbar aufregenden und vor allem großartigen Leben mitgenommen auf die andere Seite. Denn so hat Tine Schulze Gerlach sich selbst und ihr irdisches Dasein immer gesehen. Als einen wunderbaren Moment in der Ewigkeit des Planeten Erde.

Ihren 90. Geburtstag im April 2010 hat sie noch im Kreise ihrer Kinder, deren Ehemänner und Ehefrauen und ihrer Enkel gefeiert. Es passte zu ihr, dass sie in einem Frühlingsmonat geboren wurde. Niemand freute sich wohl in jedem Jahr so sehr auf den Frühling wie sie. Denn dann konnte sie endlich wieder aus ihrer Wohnung in den Garten hinaus. Konnte dort sitzen und die wärmenden Sonnenstrahlen genießen.

Vier Kindern hat sie das Leben geschenkt, den Mann hat sie sehr zeitig verloren. Von Hellerau im Dresdner Norden zog sie nach Radebeul. Das war um 1960 herum, das Jahr, in dem auch ihr erster Roman entstand. In die Lößnitzstadt brachte sie sich ein mit all der Kraft, die dieser kleinen Frau zur Verfügung stand. Das Bücherschreiben wurde ihr Passion und schließlich Profession. Da war kaum jemand hierzulande, der mit der "Bürgschaft für ein Jahr" nichts anzufangen wusste. Von ihren insgesamt 15 Büchern sollte dieses das wohl populärste werden. Eines, das gar mit sehr gutem Erfolg verfilmt wurde.

Vor mehr als zehn Jahren rezensierte ich ihr Büchlein "Elbe, mein Fluß", das von Gitta Kettner illustriert worden war. In dem Buch beschrieb Tine Schulze Gerlach in ihrer so typischen luftig leichten und dennoch so tiefgründig analysierenden Sprache eine Schiffsreise auf der Elbe. Auf einer Karte dankte sie mir damals für die Besprechung und fügte dann noch den Satz hinzu "Jetzt brauche ich nur noch einen ähnlichen Nachruf eines Tages-wenn es soweit ist".

Nun ist es soweit, Tine Schulze Gerlach hat sich aus dem Leben verabschiedet. Still und leise; so wie sie dieses Leben 91 Jahre lang still und leise gelebt hat. Sie wird nicht nur ihrer Familie, sie wird auch den Radebeulern fehlen. In ihren "Abschiedskrümeln" - einem Lyrikband aus dem Jahre 2001 - findet man ein Gedicht mit dem Titel "Lustig". Es endet "-lachen tut so gut, auf wessen Kosten auch immer" Darunter hat Tine Schulze Gerlach geschrieben "Tschüß, ihr alle!" Bleibt uns allen nur zu antworten "Tschüß, du auch!" W. Zimmermann

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.10.2011

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