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Die Kunstsammlungen Freital zeigen Gemälde Herta Günthers

Zauberhafte Malerei Die Kunstsammlungen Freital zeigen Gemälde Herta Günthers

Wer sich ein wenig in der Kunstszene auskennt, dem dürften die Bildszenerien der 1934 in Dresden geborenen Herta Günther unvermittelt vor Augen stehen - zuvorderst wohl Beobachtungen wie im "Café zur roten Laterne" (o.J.).

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Herta Günther: Intimes Gespräch.

Quelle: Biokovar

bis 25. Wer sich ein wenig in der Kunstszene auskennt, dem dürften die Bildszenerien der 1934 in Dresden geborenen Herta Günther unvermittelt vor Augen stehen - zuvorderst wohl Beobachtungen wie im "Café zur roten Laterne" (o.J.), in dem markante Typen in lebhaftem Gespräch vertieft sind oder auch scheinbar unbeteiligt dreinschauen. Man erinnert sich ebenso an stille Kneipeninterieurs, etwa jenes von 1988, wo ein schales Bier an den letzten Gast erinnert, oder jenes, wo nur noch eine Katze die Stellung hält ("Kneipe 2", o.J.). Besonders da scheint den Bildern etwas Verträumtes, ja Wehmütiges, eigen.

Eher nicht verträumt wirken Herta Günthers vollblütige Damen. Attraktiv verhüllt oder unverhüllt - mit ihrer erotischen Ausstrahlung scheinen sie nicht ganz von dieser Welt zu sein, wenngleich man manchmal eine "Schwester" der Künstlerin in ihnen zu erkennen meint. Sehnsüchte nach freier Entfaltung und neuen Erfahrungen haben in vielen dieser Konstellationen wohl Ausdruck gefunden. Sicher nicht zufällig hat Herta Günther 1976 ein zum Schlüsselbrett umfunktioniertes Bildchen mit zwei Schönen "Paris bleibt Paris" genannt. Und auch die breiten Seemannstypen, die sie bis in die 1980er Jahre ebenfalls auf ihren Bildern platzierte, und in denen man mitunter ihren verstorbenen Mann Jürgen zu erkennen glaubt, sind wohl eine Art Prototypen der Sehnsucht nach einem freien Leben, selbst wenn die Vorbilder für die Seebären oft Elbfährmänner oder Küstenfischer gewesen sein dürften.

Parallel zu solchen charakteristischen Szenerien entstanden die vom Motiv her eher unspektakulären Landschaften: Es sei denn - welcher Dresdner ist nicht dieser Auffassung? - man betrachtet die Elblandschaft per se als spektakulär. Wie Herta Günther in "gewöhnlichen" Menschen einen speziellen kernigen - oder im Falle der Frauen - erotischen Typ entdeckt, so drückt sie auch den Orten ihren phantasievollen Zauberstempel auf - etwa den stillen alten Straßen in "Pieschen" (1973), einem "Blick auf die alte Anlegestelle", 2005) oder dem "Elbbogen Übigau" (2009). Da sind der kleine "Circus in Pieschen" (2007), der wohl gerade noch in seiner Ruhephase ist, "Zwei auf der Brücke" (o.J.), die unvermittelt an die Konstellationen bei Caspar David Friedrich erinnern, oder ein wunderbar winterlicher Großer Garten ("Querallee Großer Garten", o.J.). Charakteristisch für alle diese Bilder ist: Menschen bevölkern sie - im Unterschied zu Kneipen- und Straßenbeobachtungen - nur vereinzelt. Und: sie fallen klein aus, sind hier eher in der "Nebenrolle".

Gerade über den Landschaftsbildern liegt eine ganz eigene, vielleicht etwas verklärte Stimmung. Die noch bis in jüngste Zeit sichtbar versehrte Stadt erscheint als weitgehend intakt. Bilder wie "Annenkirche" (1987), der noch die Turmhaube fehlt, sind wohl eher selten. Diese Konzentration auf das Liebens- und Lebenswerte hat gerade im über Jahrzehnte von Kriegszerstörung geprägten Dresden eine optimistische, dem Leben zugewandte Seite, etwas von einem Trotzdem. Es kommt ein Lebensgefühl zum Ausdruck, das in der Stadt immer noch etwas Besonderes sah - trotz der Zerstörung. Das Leben selbst "tobte" in den noch erhaltenen Geschäftsstraßen sowie den Gaststätten, Cafés und Weinschenken - jenseits der Altstadt. Und genau dort war Herta Günther in den 70er/80er Jahren unterwegs, und blieb es auch später.

Manchmal entdeckt man auf Bildern Zeichen der Zeit. Mal liest man "HO", mal "Cappuccino". Atmosphärisch dagegen scheint eine Aura von Vergangenem heraufbeschworen - eine Epoche, als in Dresden noch eine Szene aus Künstlern, Glücksrittern, Herren von Welt und Damen von Halbwelt sowie armen Schluckern Straßen, Plätze und vor allem Tanzdielen, Kneipen und Cafés bevölkerte. Herta Günther hätte vielleicht gern in den1920er/30er Jahren ihre Beobachtungen gemacht. Ihre mal mehr, mal weniger lasierende Malerei etwa lässt vermuten, dass eine Begegnung mit Dix, Griebel und Kollegen sie gefreut hätte. Und manche Zeichnungen und Pastelle sowie Grafiken führen durchaus in die Nähe der gekannten Dix'schen Expressivität und Schärfe. Meist aber betrachtet Herta Günther die Menschen liebenswürdiger. Schließlich ist sie ja auch in einer anderen Zeit zu Hause. Ihre Ölbilder zeigen sich oft einer "naiven" Sicht nah, deren Menschendarstellung mitunter entfernt an Albert Ebert ("Hochzeit", 1968) vielleicht aber auch den Zöllner Rousseau erinnert, der ja manchen Dresdner Künstler in den 1960er/70er Jahren inspirierte.

Die gedachte Verbindung zu Dix jedenfalls ist alles andere als spekulativ, studierte die Künstlerin doch von 1951 bis 1956 unter anderem bei einem einstigen Meisterschüler des 1933 von der Dresdner Akademie mit kräftigem Zutun Richard Müllers geschassten Professors. Die Rede ist von Hans Theo Richter (1902-1969), der von 1928 bis 1931 Dix' Schüler war. Richter wiederum gab an der Hochschule für Bildende Künste Dresden in einer von Dogmatismus geprägten Zeit neben anderen heute bekannten Künstlern aus dem Osten Deutschlands auch Herta Günther Orientierung. Gleiches gilt für den von Leipzig nach Dresden gewechselten Max Schwimmer (1895-1966), dessen ihm eigene Leichtigkeit, dessen Sinn fürs "Französische" und Erotische für die Künstlerin nicht weniger wichtig gewesen sein dürften. Später, etwa ab 1971, fand sie in Fritz Löffler (1899-1988), der ebenfalls die Kenntnis der Szene der 1920er/frühen1930er Jahre aus eigener Anschauung mit im geistigen Gepäck hatte, einen wichtigen Anreger. Er bestärkte sie, ihre unnachahmliche Sicht auf die Dinge und damit auch ihre Handschrift zu pflegen.

Begleiten kann man die Künstlerin durch die Jahrzehnte derzeit in den Städtischen Kunstsammlungen Freital. Aus Anlass ihres zurückliegenden 80. Geburtstages am 9. Mai 2014, den die Galerie Döbele gewürdigt hat, sind hier nun 75 Gemälde aus den Jahren 1967 bis 2009 zu sehen. Und die sollte man sich nicht entgehen lassen.

bis 25. Oktober, geöffnet Di-Fr 13-16, Sa/So 10-17 Uhr, zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen.

www.freital.de

von Lisa Werner-Art

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