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Die Inszenierung "F.L.E.I.S.C.H" feierte Premiere in Meißen

Die Inszenierung "F.L.E.I.S.C.H" feierte Premiere in Meißen

Übrig geblieben ist ein Schlachtfeld. Auf dem Boden verteilt liegen dutzende Streichhölzer, angegessene Brotkrumen, Porzellanscherben. Stühle wurden umgeschmissen, haben ihre besten Zeiten nun hinter sich.

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Jonathan Strotbek als wütender Menschenfresser bei der Premiere von "F.L.E.I.S.C.H." im Wendelsteinkeller der Albrechtsburg Meißen.

Quelle: Hagen König

Von der einst schneeweißen Tischdecke tropft der edle Rotwein. Gläser, Teller, Schüsseln stehen vereinsamt auf der langen Tafel, die roten Kerzen wurden grausam aus ihrem Leuchter entfernt, das Licht der weißen ist längst erloschen. Doch der Applaus für Jonathan Strotbek, der dieses Chaos angerichtet hat, ist groß. Denn der Puppenspieler zeigte bei der Premiere von "F.L.E.I.S.C.H", eine Inszenierung der Landesbühnen Sachsen (Emilie Jedwab-Wroclawski) im Wendelsteinkeller der Albrechtsburg Meissen, wie verheerend das Gefühl des Hungers für jeden einzelnen Menschen sein kann.

Doch gehen wir zurück zum Anfang, als die große Tafel noch unversehrt war und nichts weiter als ein edel vorbereiteter Esstisch, an dem Strotbek, gekleidet in einem eleganten Anzug, Platz nimmt. Er beginnt, über Hunger und Appetit zu sprechen, erklärt den Zuschauern, dass er das Gefühl des Hungers kenne, dieses nagende Gefühl, das vom Bauch zum Kopf wandert und sogar zum Kannibalismus führt - selbst in den zivilisiertesten Gesellschaften. Der Appetit dagegen sei ein Produkt der heutigen Zeit und nicht, wie viele denken, eine Vorstufe des Hungers. Denn wem begegne in unserer Gesellschaft heute noch der Hunger? Wir haben alles, was wir brauchen. Um jedoch zu beweisen, dass der Hunger die wahre Macht über unser aller Leben hat, beginnt er anhand der auf dem Tisch bereit gestellten Objekte, vom Streichholz über die Kerzen bis hin zur Zuckerzange, eine Geschichte nach Motiven des französischen Märchens "Le Petit Poucet" (Der kleine Däumling) von Charles Perrault zu erzählen. Und die, wie könnte es anders sein, beginnt mit: Es war einmal...

...eine Holzfällerfamilie, die so arm war, dass die Eltern ihre sieben Söhne nicht ernähren konnten. Deshalb beschloss der Vater, die Kinder im Wald auszusetzen, denn er wollte nicht mit eigenen Augen ansehen, wie sie an Hunger sterben. Dort war es dunkel und kalt, hinter den Bäumen lungerten die hungrigen Wölfe. Doch plötzlich gelangten sie an ein Haus voller Essen - die Rettung für die Kinder? Wohl kaum, denn in dem Haus wohnte der Menschenfresser Oger mit seiner Frau. Dieser sperrte die Buben zunächst in eine Kammer ein, in der auch seine geliebten sieben Töchter schliefen. "Sie alle trugen ein Krönchen, dass sie nie ablegen", berichtete Strotbek den Zuschauern als Erzähler. Dies erkannte auch Däumling, der jüngste und kleinste der sieben Söhne, der kurzerhand die Mützen seiner Brüder mit den Krönchen der Mädchen tauschte. Als der Oger am nächsten Morgen, ganz früh, noch bevor die Sonne aufgegangen war, getrieben von seinem Hunger auf "geräucherte Backen und rosagebratenes Rückensteak" in der Kammer erschien, tötete er durch die List des Däumlings seine eigenen Kinder, während die Buben mit all dem Geld des Menschenfressers entkamen.

Eindrucksvoll wechselt der 30-jährige in Mutlangen geborene Strotbek, der an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst studierte, während des 50-minütigen Stückes zwischen den Rollen, mimt in dem einen Moment den entschlossenen Vater, der die wohl schwierigste Entscheidung seines Lebens traf, dann die verzweifelte Mutter, die vor Schreck über den Vorschlag ihres Mannes den Porzellanteller fallen lässt. Bereits im nächsten Moment spielt er mit piepsiger Stimme den angsterfüllten Däumling im Wald, der verwirrt um den Tisch herumläuft, sich darunter duckt und sich schließlich vor den zahlreichen Gefahren hinter den Stühlen versteckt. Er tritt als heulender Wolf auf und tobsüchtiger Menschenfresser, der getrieben von seiner Gier nach frischem Fleisch seine eigenen Töchter getötet hat. Wutentbrannt stampft er über den einst so schönen Esstisch, stößt die Flasche Wein um und schwörte Rache, die er aber nie bekommen soll. "Und die Moral von der Geschicht'?", fragte Strotbek in die Runde. "Wenn der Hunger Geige spielt, fängt das Gehirn an, einen bösen Tanz zu tanzen."

nächste Aufführungen: 12., 16. und 17.12, jeweils 10 Uhr, Landesbühnen Sachsen, 5.2., 10.30 Uhr, Schloss Hubertusburg

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 10.12.2014

Nadine Steinmann

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