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Die Grauzone im Grünen

Die Grauzone im Grünen

Was Wochenendhäuschen ist, soll Wochenendhäuschen bleiben. So lässt sich knapp zusammenfassen, was Radebeul in einem etwa 100 000 Quadratmeter großen Areal an der Dippelsdorfer Straße plant.

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Radebeul will einen Bebauungsplan für ein etwa 100 000 Quadratmeter großes Datschen-Gebiet an der Dippelsdorfer Straße erlassen. Das sorgt dort für Rechtssicherheit. Schwarzbauer und Dauerbewohner bekommen aber auch weiterhin Probleme.

Quelle: Martin Förster

Der Stadtentwicklungsausschuss (SEA) beschloss auf seiner jüngsten Sitzung die Auslegung eines Bebauungsplans, der erstmals sichere Rechtsverhältnisse für das vor allem in den 1970er und 1980er Jahren entstandene Gebiet schafft. Das befindet sich nämlich im Außenbereich, was legales Bauen selbst bei kleinen Veränderungen sehr schwer macht, wie Uwe Queißer von der Investorenleitstelle erläutert. "Wir haben in den nächsten Jahren aber einen Generationswechsel in dem Gebiet, deswegen brauchen wir jetzt eine Regelung", sagt er.

Die zieht für die Datschen-Besitzer des Gebiets deutliche Vor- und Nachteile nach sich. So können sie, sollte der Bebauungsplan Geltung erlangen, ihre Häuschen einfacher verkaufen oder an den Nachwuchs übergeben können, weil bauliche Veränderungen im engen Rahmen der Regelung kaum noch ein Problem sein dürften. Aber: Der Plan friert auch den Status Quo ein. Er verbietet einerseits die Vergrößerung der Gartenhäuschen und Schuppen. Andererseits erteilt er jeglicher Hoffnung, dass die Stadt das in Freiwilligenarbeit entstandene Wegenetz modernisiert oder einen Abwasserkanal verlegt, eine deutliche Absage.

Die Stadt verabschiedet sich damit endgültig von Plänen, das Areal als Wohngebiet zu vermarkten. Eine Entscheidung, die man erst nach "langer und reiflicher Überlegung" getroffen hat, wie Queißer sagt. Wahrlich keine Übertreibung: 2009 hatte man erstmals über einen Bebauungsplan debattiert, danach eine fünfjährige Denkpause eingelegt. Grund für den Entscheid ist, dass die Gegend für eine bauliche Erschließung einfach zu schwierig ist - sowohl technisch, was Straßen und Kanalbau angeht, als auch rechtlich, weil sie eben im Außenbereich liegt.

Aus diesen Gründen scheiterte auch CDU-Stadtrat Wolfgang Jacobi, der vehement ein ordentliches Straßennetz im Gebiet forderte. "Die Wege müssen in öffentlicher Hand sein. Wir bekennen uns dazu, dass die Menschen dort in Wochenendhäuschen wohnen dürfen, dann müssen wir auch dafür sorgen, dass sie dort hingelangen können", sagte er. "Das würde die Verwaltung viel, viel Geld kosten", entgegnete Baubürgermeister Jörg Müller (parteilos). Ein Argument, dem alle andere Stadträte folgten.

Wichtigste Bestimmung im Bebauungsplan ist die maximale Datschengröße. Sie wird auf 35 Quadratmeter begrenzt. Eine Größe, die historisch gewachsen sei, wie Queißer sagt. Schuppen dürfen noch einmal zehn Quadratmeter groß sein, eine überdachte Terrasse ebenfalls, außerdem ist ein überdachter Freisitz mit fünf Quadratmetern erlaubt. Mehr nicht. "Natürlich gibt es im Gebiet auch Bauten, die über diese Größen hinausgewachsen sind", sagt Queißer. Sie dürften Probleme mit der Bauaufsicht bekommen. Schon jetzt beschäftigt sich das Stadtplanungs- und Bauaufsichtsamt mit elf Datschen-Besitzern des Gebiets, weil diese ihre Wochenendhäuschen dauerhaft bewohnen. Neun solcher Verfahren habe man schon abgeschlossen, gibt Amtsleiter Ulrich Schröder Auskunft. Er ist einen Gutteil seiner Zeit mit Schwarzbauten und unerlaubter Wohnnutzung beschäftigt. 33 Verfahren laufen dazu aktuell im Stadtgebiet, weitere 89 hat er schon zu den Akten gelegt. Ein Ende sei nicht abzusehen. Sobald ein Verfahren an einer Stelle abgeschlossen sei, müsse man an anderer Stelle eines einleiten. Vielleicht schafft der Bebauungsplan zumindest in einem Teilgebiet da künftig Klarheit. "Es kommt jetzt auf die Erfahrungen an, die wir mit dem Bebauungsplan machen", sagt Queißer. Sind sie positiv, könnte das ein Modell für die übrigen Datschen-Gebiete der Stadt werden.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.11.2014

Uwe Hofmann

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