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Die Flüchtlinge sind gegangen, ihre Kunst bleibt

Niederau Die Flüchtlinge sind gegangen, ihre Kunst bleibt

„Als der letzte Bus in Richtung Bremer Straße nach Dresden abfuhr, hatten wir Tränen in den Augen“, sagt Anja Janßen. Es war der 30. Juni, als die letzten Asylbewerber die aus purer Raumnot in einem früheren Supermarkt in Niederau eingerichtete Erstaufnahme verließen. Janßen hatte in der vor knapp einem Jahr eingerichteten Großunterkunft für das Deutsche Rote Kreuz als Teamleiterin gearbeitet.

Restauratorin Bettina Klath aus dem Haus der Geschichte demontiert eine hölzerne Verkleidung, die ein Flüchtling in Niederau bemalt hat.

Quelle: Uwe Hofmann

Niederau. „Als der letzte Bus in Richtung Bremer Straße nach Dresden abfuhr, hatten wir Tränen in den Augen“, sagt Anja Janßen. Es war der 30. Juni, als die letzten Asylbewerber die aus purer Raumnot in einem früheren Supermarkt in Niederau eingerichtete Erstaufnahme verließen. Janßen hatte in der vor knapp einem Jahr eingerichteten Großunterkunft für das Deutsche Rote Kreuz als Teamleiterin gearbeitet, ist inzwischen beim DRK Riesa mit Verwaltungstätigkeiten beschäftigt. Sie ist den meisten der insgesamt 3160 in Niederau untergekommenen Asylsuchenden aus 31 Nationalitäten – darunter 676 Kinder unter zwölf Jahren – begegnet, hat ihren Alltag geregelt, mit ihnen Weihnachten gefeiert und im Sommer auch manchen langen Abend verbracht.

Die Unterkunft ist nun leer, sie gehört zu den ersten, die der Freistaat nach dem Abflauen der Asylbewerberzahlen geschlossen hat. „Und das ist auch gut so“, bekräftigt DRK-Landesvorstand Rüdiger Unger. Was mit dem Heim weiter geschehe, sei noch nicht beschlossen. Geblieben ist eine gespenstisch stille Halle, in der die alten Absperrungen, die Familien und Alleinreisenden etwas Privatsphäre verschafften, und leere Doppelstockbetten stehen. Geblieben sind auch die Kunstwerke, die Flüchtlinge geschaffen haben.

Einige Werke hat nun Sammlungsdirektor Dietmar Preißler für das Haus der Geschichte in Bonn ausgewählt. Sie sollen „in 50 oder 100 Jahren“ einmal erklären helfen, wie im Deutschland der Jahre 2014/15 viele Flüchtlinge ankamen, wie sie aufgenommen wurden und wie ihnen geholfen wurde, sagt er. Die Flüchtlingskunst ist dabei nur ein kleiner Teil der Exponate, die Preißler für die Nachwelt aufbewahren will. „Eine Weste von einem Bootsflüchtling haben wir schon, an einem Boot sind wir dran“, sagt er. Auch ein Schleußerfahrzeug habe man bereits erstanden. In Sachen Kunst sei er sehr dankbar, dass sich das sächsische DRK, das etwa 90 Prozent aller Flüchtlinge in Sachsen betreut hat, so kooperativ gezeigt hat.

In Niederau hat er sich für zwei auf hölzerne Wandverkleidungen aufgemalte Werke entschieden, die beide den ertrunkenen Flüchtlingsjungen Aylan abbilden, dessen Foto um die Welt ging. Das größere der Gemälde eines syrischen Künstlers, der nur mit seinem Pseudonym unterzeichnet hat, zeigt dabei Zeichentrickfiguren nachempfundene Meerestiere, die den Jungen beweinen.

Ein weiteres Bild, das ein Dankeschön an Sachsen und Deutschland formuliert, kann Preißler dagegen nicht mitnehmen. „Es befindet sich an einer tragenden Mauer“, bedauert er. Dafür hat er unter vielen Kinderzeichnungen aus Niederau und Dresdner Unterkünften wählen können, von denen viele ähnliches ausdrücken. Ebenso geht ein großes DRK-Banner in die Sammlung, das an der Bergstraße in Dresden hing. Es ist teilweise zerschnitten und beschmiert – die Auseinandersetzungen in der Flüchtlingsdebatte lassen sich daran ablesen, wie Preißler findet.

Von Uwe Hofmann

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