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Die Erzeugnisse der sächsischen Eismanufaktur in Dohna machen nicht nur sächsische Schleckermäuler glücklich

Die Erzeugnisse der sächsischen Eismanufaktur in Dohna machen nicht nur sächsische Schleckermäuler glücklich

Fast ein bisschen unscheinbar liegt das sandgelbe Häuschen am Eingang des Ortsteils Meusegast. Wer hier vorbei fährt, wird kaum glauben können, dass dort gerade Stress der Hochsaison herrscht.

Dohna.

Das schmucklose Haus ist Sitz der sächsischen Eismanufaktur. Jede Woche produziert die kleine Fabrik rund 350 Liter und bis zu 20 Eistorten.

Der Kopf hinter der sächsischen Eismanufaktur ist Thomas Nierade. Eigentlich gelernter Reiseverkehrskaufmann gründete er 2008 gemeinsam mit seinem Bruder das Unternehmen. "Wir hatten damals ein Café in der Pirnaer Innenstadt", erzählt der Dohnaer. Dort verkauften die Brüder zunächst das handelsübliche Industrieeis. Doch der Geschmack schien die Neu-Gastronomen nicht zu überzeugen. "Aus wirtschaftlichen, aber vor allem aus qualitativen Gründen haben wir uns dann entschieden, das Eismachen einfach selbst mal auszuprobieren", berichtet Nierade.

Rund 50 verschiedene Eissorten stellt der Betrieb inzwischen her, die vorwiegend an Cafés und Hotels in Sachsen geliefert werden. Bestellungen für die Eistorten flattern sogar aus Luxemburg, den Niederlanden und der Schweiz in Dohna ein. 15 Mitarbeiter arbeiten in der Hochsaison an den Pasteurisier- und Eismaschinen und rühren mit vollem Krafteinsatz cremige Massen in den weißgefliesten Manufakturräumen. Mitarbeiterin Anja Mehnert erhitzt dort zum Beispiel ein nach Vanille duftendes Milch-Zucker-Sahne-Gemisch, das die Grundlage eines jeden Milcheises bildet, in einem Pasteurisierer auf 70 Grad. "Damit die Keime abgetötet werden", erklärt die Eisexpertin. Der Eisansatz wird danach auf vier Grad herunter gekühlt und muss über Nacht reifen, bevor er durch Geschmackspasten oder Gewürze zu Vanille-, Rocher- oder auch Cherry-Mania-Eis werden kann. Jetzt, in den Sommermonaten steht Mehnert bis zu 12 Stunden in der Manufaktur. "Ich esse trotzdem noch gerne Eis - aber nur das, was frisch aus der Maschine kommt", erläutert sie.

Die streng geheimen Rezepte kreiert Manufaktur-Chef Thomas Nierade gemeinsam mit seiner Frau Gabriele Lemmel-Nierade. "Die deutschen Eisesser sind sehr konservativ. Da ist es wichtig, die Waage zwischen Kreativität und Wirtschaftlichkeit zu halten", meint der Geschäftsmann. Vanille, Schokolade, Erdbeere seien noch immer die Renner an den sächsischen Eistheken. Kreationen wie Buttermilch-Holunder oder Joghurt-Maracuja kämen ebenfalls gut bei den Sachsen an. "Allzu anspruchsvoll darf es aber für den hiesigen Gaumen nicht werden. Erdbeer-Basilikum verkauft sich einfach nicht", meint Nierade schulternzuckend.

Wenig später tropft aus den Eismaschinen schon eine cremige, schneeweiße Masse in ein silbriges Metallschälchen. "Gerade haben wir Raffaelo gemacht", meint Nierade - auch eine sehr gefragte Sorte. Bis zu 70 solcher Schälchen füllt Nierades Team am Tag in verschiedenen Geschmacksrichtungen.

Nebenan tüftelt Gabriele Lemmel-Nierade an einer Eistorte. Die Grundlage dafür bildet immer ein Korpus aus den Eissorten, die die Kunden im eigens dafür eingerichteten Onlineshop per Mouseklick frei auswählen. Seine Dekoration erfolgt dann in liebevoller Kleinarbeit - zum Beispiel mit handgefertigten Rosen. Aus rosarotem Marzipan modelliert Lemmel-Nierade sie geduldig für eine Hochzeitstorte. Bis zu 20 Stück platziert sie auf einer solchen Eisbombe - das macht mindestens 200 Rosen pro Woche.

Zur Eistortenfachfrau wurde Lemmel-Nierade auf Umwegen. Ihre Schwiegermutter Karin Nierade brachte ihr die mühevollen Grundgriffe aus dem Konditorenhandwerk bei. Denn die heute 78-Jährige war Sachsens erste Konditorenmeisterin überhaupt, arbeitete im Dresdner Haus am Altmarkt und im berühmt berüchtigten Café Toscana. "Drei Tage habe ich mit der Schwiegermutter nur Rosen geübt, das ist schwieriger als es aussieht", meint Gabriele Lemmel-Nierade.

Seit 2008 ist die sächsische Eismanufaktur auf dem aufsteigenden Ast. In der Dresdner Centrum Galerie gibt es seit etwa zwei Jahren einen festen Verkaufsstand. "Das hilft vor allem gut, um über den Winter zu kommen", weiß Nierade. Bald soll dort zusätzlich ein Café entstehen. Außerdem ist eine Art Werksverkauf in Dohna geplant. Ab dem kommendem Jahr will der Betrieb erstmals auch eine Ausbildung zur Fachkraft für Speiseeis anbieten. "Wir wachsen langsam aber stetig, da brauchen wir über kurz oder lang auch mehr Personal", erklärt der Manufakturchef, der gerade eine Probe aufs Exempel tätigt. Das Quark-Limetten-Eis wird dem kritischen Gaumen des Chefs unterzogen. "So muss es sein", schmatzt er zufrieden. Qualitätstest bestanden.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.07.2014

Susann Schädlich

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