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Die Crystal-Falle: Zahl der Drogendelikte hat sich in Radebeul und Meißen verdoppelt

Die Crystal-Falle: Zahl der Drogendelikte hat sich in Radebeul und Meißen verdoppelt

Radebeul/Meißen. Die Lößnitzstadt hat ein Drogenproblem. Von 2010 zu 2012 hat sich allein die Anzahl der von der Polizei festgestellten Drogendelikte in Radebeul von 31 auf 76 mehr als verdoppelt.

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In der beschaulichen Lößnitzstadt Radebeul hat sich die Zahl der Drogendelikte innerhalb eines Jahres verdoppelt. Tendenz steigend.

Quelle: Martin Förster

Erschreckend sieht es auch in Meißen aus: Die Zahl der Drogendelikte ist von 76 im Jahr 2010 auf 137 im Jahr 2012 gestiegen. Im gesamten Landkreis Meißen gab es 2010 noch 448 Delikte in Zusammenhang mit Rauschmitteln, 2012 waren es 615 Vorfälle. Obwohl für das aktuelle Jahr noch keine abschließenden Zahlen der Kriminalstatistik vorliegen, geht Polizeisprecher Thomas Geithner davon aus, dass die Zahlen weiter steigen. Besonders häufig stößt die Polizei bei ihren Kontrollen im Landkreis auf die synthetische Droge Crystal und andere Amphetamine (zum Beispiel Speed) sowie auf Cannabis. Wesentlich seltener auf Heroin oder Kokain.

Durch Aufklärungskampagnen konnte zwar in den vergangenen Jahren der Tabakkonsum bei den unter 18-Jährigen erheblich gesenkt werden, dafür wächst den Behörden jetzt die Zahl der Crystal-Süchtigen über den Kopf. Laut Helmut Bunde, Vorsitzender der Sächsischen Landesstelle gegen Suchtgefahr der Diakonie, gibt es derzeit etwa 15 000 Crystal-Abhängige im gesamten Freistaat. In den Beratungsstellen ist die Zahl solcher Klienten von 50 pro 100 000 Einwohner im Jahr 2011 auf 80 pro 100 000 Einwohner im Jahr 2012 förmlich in die Höhe geschnellt. In der Suchtberatungsstelle Meißen/Radebeul stieg die Zahl der Klienten im selben Zeitraum von 44 auf 67.

"Wir spüren einen größeren Zulauf", bestätigt Mandy Forst, Leiterin der Suchtberatungsstelle Meißen, die in Radebeul auf der Dr.-Külz-Straße 4 eine Außenstelle betreibt. Insbesondere durch den Druck des Jugendamtes machen sich viele junge Mütter und Väter auf den Weg in die Beratungsstelle. Wie ein Damoklesschwert schwebt die Kindesentziehung über ihnen, da die Süchtigen durch den Crystalkonsum kaum in der Lage sind, ihre eigenen Kinder zu versorgen. Die synthetische Droge führt zu gravierenden körperlichen Schäden und bremst die persönliche Entwicklung aus. "Ein 25-Jähriger, der mit 13 Jahren begonnen hat, Crystal zu konsumieren, hat immer noch den Entwicklungsstand eines 13-Jährigen", erklärt Forst.

Die jeweils drei therapeutisch geschulten Sozialpädagogen der beiden Beratungsstellen stellen zunächst die Diagnose, informieren den Ratsuchenden und versuchen im Gespräch die Motivation zur Veränderung zu wecken. Bei Bedarf können sie den Süchtigen auch weitervermitteln, zum Beispiel in eine stationäre Entwöhnungstherapie. Die Betroffenen kommen nicht nur aus Radebeul und Meißen, sondern aus sämtlichen umliegenden Dörfern und Städten des Landkreises. "Den Hauptanteil machen alkoholabhängige Patienten aus, aber auch Tablettenmissbrauch ist ein großes Thema", sagt Forst. Im Gegensatz zum synthetischen Drogenmissbrauch seien die Fallzahlen hier jedoch stabil geblieben.

"Crystal befriedigt gerade die Bedürfnisse junger Leute", sagt der sächsische Suchtexperte Helmut Bunde. "Die Droge entspricht dem Leistungsgedanken der Gesellschaft und ist einigermaßen gut beschaffbar." So nehmen viele Mädchen, die dem Schlankheitsideal nacheifern, Crystal, um das Hungergefühl zu unterdrücken. Des Weiteren putsche die Droge auf, mache vermeintlich leistungsstärker, belastbarer und wacher. Doch der Schaden der Droge ist immens: Neben Zahnausfall und Verletzungen der Nasenscheidewand kann der Konsum zu Ausfäl- len des Kurzzeitgedächtnisses und massiven Persönlichkeitsveränderungen führen.

Laut dem aktuellen Fehlzeitenreport des AOK-Bundesverbandes (August 2013) gibt es mehr Fehltage, wo die Krankheitsursachen auf die verstärkte Einnahme von leistungssteigernden Mitteln wie Amphetaminen, Metham-phetaminen und Psychopharmaka zurückzuführen sind. Während die traditionellen Suchtmittel wie Alkohol und Tabak weiterhin das Gros der Fehltage verursachten, seien neue Suchtmittel wie das sogenannte "Gehirndoping" erkennbar auf dem Vormarsch, sagt Uwe Deh, Geschäftsführender Vorstand des AOK-Bundesverbandes. Insgesamt ist nach Analyse der Krankenkasse die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage, die durch die Einnahme von Suchtmitteln verursacht wurden, bundesweit in den letzten zehn Jahren um rund 17 Prozent angestiegen: Von 2,07 Millionen Fehltagen im Jahr 2002 auf 2,42 Millionen Fehltage im Jahr 2012.

iSuchtberatungs- und -behandlungsstelle: Meißen, Johannesstraße 9, Tel.: 03521/ 738173, E-Mail: sbb-meissen@diakonie-meissen.d; Radebeul, Dr.-Külz-Straße 4, Tel.: 0351 79552128, E-Mail: sbb-radebeul@diakonie-meissen.de; Außensprechzeit in Coswig: Di 8-12 Uhr, Radebeuler Straße 9

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.09.2013

Arndt, Madeleine

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