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Derber Humor und kostbare Wandgemälde im Marcolini-Haus

Derber Humor und kostbare Wandgemälde im Marcolini-Haus

Der Satz musste irgendwann fallen. "Das hat sich gelohnt", fand Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) gestern nach einer Besichtigung im Marcolini-Haus anerkennend.

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Bundesinnenminister Thomas de Maizère (CDU) im Gespräch mit Margitta Hensel, die als Kuratorin von Schloss Moritzburg für das Fasanenschlößchen verantwortlich ist. Der Festsaal im Marcolini-Haus, in dem beide stehen, wird zur Bewirtung von Gesellschaften und für Veranstaltungen genutzt.

Quelle: Uwe Hofmann

Moritzburg. Dort erstrahlt der Festsaal, den Camillo Marcolini (1739-1814) - unter Kurfürst Friedrich August III. ein ähnlich großer Strippenzieher wie Heinrich Brühl unter Friedrich August II. - in den 1770er Jahren in seinem herrschaftlichen Anwesen errichten ließ, wieder im alten Glanz. De Maizière hat selbst seinen Anteil daran, weil er sich vor drei Jahren dafür persönlich einsetzte, dass Sylvio Stelzer, Moritzburger Gastronom und Eigentümer des Marcolini-Hauses, Fördermittel aus einem Bundesprogramm überwiesen bekam. "Das ist bei Privatpersonen gar keine so einfache Sache", erläuterte de Maizière, warum es seines Einflusses bedurfte. Stelzer bekam so 90 000 Euro vom Bund und weitere 90 000 Euro vom Freistaat, die ihn die ins Haus stehende Rechnung für die Sanierung des Saals von 250 000 Euro wesentlich leichter tragen ließen.

Das Ergebnis ist wenigstens aus kunsthistorischer Sicht eine kleine Sensation. Bei der Sanierung der Wände in dem im Obergeschoss gelegenen Raum kamen unter anderen Farbschichten von Wandgemälden aus der Ursprungszeit des Marcolini-Hauses zutage, die so dort niemand erwartet hatte. Figürliche Wandmalereien aus dieser Zeit haben sich im Dresdner Raum sonst kaum erhalten. Drei der Gemälde konnte man weitestgehend sanieren, sie sind jetzt die Prunkstücke des Hauses. "Ich denke ja, dass da Giacomo Casanova die Finger mit im Spiel hatte, vielleicht hat er auch selbst gemalt", meint Stelzer. Ob das nun stimmt oder nicht: Auch so sind die Gemälde einzigartig. So zeigen sie alle drei Unfälle mit Tieren - ein Pferd das sich losreißt, ein Eber, der auskeilt, und ein Schaf, das in ein vornehmes Pärchen hinein prescht. Der zeitgenössische Humor war wohl ein derber.

Zum anderen ist auf einem von ihnen die früheste bekannte Darstellung des Fasanenschlößchens zu sehen, wie dessen Kuratorin Margitta Hensel bemerkt. Das Marcolini-Haus wurde Anfang 1770 als Bestandteil des kurfürstlichen Ensembles von Fasanengarten, -schlößchen und Leuchtturm angelegt - das Land hatte Marcolini vom Kurfürsten selbst gepachtet. Heute sei man wieder so weit, die Anlage als ganzes zu begreifen, sagt Hensel. Diese Sichtweise wertet Marcolini-Haus und auch die Fasanerie, die beide privat betrieben werden, deutlich auf.

2007 kaufte Stelzer das damals sehr marode Marcolini-Haus und restaurierte es seither Stück für Stück. Inzwischen betreibt er es ganzjährig. Das Engagement hat zwar seine Grenzen, wie Stelzer sagt. "Bei der Fassade kommen wir nicht weiter, das ist einfach zu teuer", sagt er. Rund 1,5 Millionen Euro würde es kosten, die originale Gestaltung, die unter dem Grauputz liegt, wieder ans Licht zu bringen.

Dennoch hält man beim Landesamt für Denkmalpflege große Stücke auf den Unternehmer. "Der Vorbesitzer wollte hier das meiste abbrechen", erinnert Denkmalpfleger Ralf-Peter Pinkwart. Das Marcolini-Haus besitze wegen des 2007 noch erbarmungswürdigen Zustands und den seither gemachten Entdeckungen "eine Brisanz, die wir als Denkmalpfleger nicht oft haben", sagt Pinkwart. Er hatte auch deutliche Mitsprache bei der Restaurierung des Festsaals, in dem es früher mehrere "Raumstrukturen", teils aus nachfolgenden Jahrhunderten gegeben habe. Da sich dieses Zimmergewirr nicht wiederherstellen ließ, ohne die Wirkung der Wandgemälde zu beeinträchtigen, beließ man es bei einem großen Saal, in dem der frühere Verlauf von Trennwänden allerdings dezent kenntlich gemacht wird.

Stelzer kann das nur freuen: Der neue Raum ist der ideale Veranstaltungsort für Konzerte der Reihe La Serata Camillo.

uwe hofmann

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