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Der einzige französische Winzer in Sachsen: Frédéric Fourré in Radebeul

Der einzige französische Winzer in Sachsen: Frédéric Fourré in Radebeul

Tritt Frédéric Fourré auf die Terrasse seiner kleinen Besenwirtschaft, kann er seinen Blick über das ganze Elbtal schweifen lassen. Sein Weinberg in Radebeul liegt direkt unter dem Spitzhaus.

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Der Winzer Frédéric Fourré.

Quelle: dapd

Knapp zwei Hektar bewirtschaftet der 41-jährige Franzose bisher. 2013 will er auf vier Hektar verdoppeln. Als einziger französischer Winzer in Sachsen ist er gut im Geschäft.

„Ich profitiere vom positiven Frankreich-Image“, gibt der gebürtige Pariser zu. „Man wird automatisch als Weinkenner und Genießer eingestuft. Dabei stimmt das gar nicht so ohne weiteres“, sagt er bescheiden.Der gelernte Sommelier hat sich von klein auf mit Weinen beschäftigt. „Mein Vater war Koch und hatte ein kleines Bistro in Paris. Als ich acht Jahre alt war, schenkte er mir seine Sammlung mit Wein-Etiketten. Diese Sammlung habe ich bis heute weitergeführt.“ Während der Ausbildung zum Weinverkoster pendelte er zwischen Frankreich und Sachsen.

Der Grund war die Liebe. Seine erste Frau, eine französische Balletttänzerin, hatte in Dresden ein Engagement an der Semperoper. Ende der 90er Jahre fand auch er eine Anstellung als Sommelier im neu eröffneten Kempinski-Hotel im Taschenbergpalais. Hier stehen rund 700 exklusive Weine auf der Karte. „Den Job habe ich vor allem gekriegt, weil ich Franzose bin“, sagt er. Trotzdem lernte Frédéric Fourré ganz intensiv Deutsch, weil es beim Wein so wichtig sei, wie man über ihn spreche. „Gerade bei anspruchsvollen Gästen muss man genau zuhören. Wein hat ganz viel mit Psychologie zu tun“, meint der Weinkenner.

Felsiger Boden verleiht Trauben mineralhaltigen Geschmack

Auf der Suche nach guten Weinen aus der eigenen Region kam Fourré mit vielen Winzern in Kontakt und lernte selbst viel über Weinanbau. „Dann habe ich ein paar Weinstöcke gekauft und sie zunächst nur am Wochenende gepflegt. Daraus ist dann immer mehr geworden.“ Schließlich gab er den Sommelier-Job ganz auf und zog nach Radebeul. „Im ersten Jahr habe ich 350 Flaschen produziert, heute sind es rund 10.000“, sagt Fourré.

„Inzwischen könnte ich drei- oder viermal so viel verkaufen wie ich produziere.“Der felsige Boden in der exklusiven Radebeuler Hanglage „Goldener Wagen“ verleiht seinen Trauben einen eigenen mineralhaltigen Geschmack. Auf engstem Raum gibt es hier ungewöhnlich viele verschiedene Rebsorten - „ein Erbe noch aus DDR-Zeiten“, sagt der Winzer.

Zu seinen Weinen gehören denn auch nicht nur Riesling und Müller-Thurgau, Traminer und Weißburgunder, sondern auch Morio-Muskat, Gutedel, Kerner und Scheurebe.Gemeinsam mit dem Radebeuler Winzer Karl Friedrich Aust probiert Fourré auch gern mal etwas aus, so gewinnt er zum Beispiel aus dunklen Trauben einen Weißwein - den „Blanc de Noirs“.

Außerdem produziert er einen eigenen Sherry-Wein und gibt einen kleinen Teil seiner Ernte zu Sektherstellung nach Schloss Wackerbarth. Die Sortenvielfalt nutzt er für Cuvée-Weine. „Das Vermengen unterschiedlicher Reben, das in Deutschland eher verpönt ist, gilt in Frankreich als hohe Kunst, bei der verschiedene Geschmacksrichtungen ausbalanciert werden“, erläutert der Winzer.

Ein Exot unter Sachsens Winzern

„Frédéric Fourré ist sehr experimentierfreudig“, sagt Bernd Kastler, Vorsitzender des Weinbauverbandes Sachsen. Unter den rund 2.500 Winzern im kleinsten deutschen Weinbaugebiet sei der Franzose ein Exot. Es gebe ansonsten nur noch einen weiteren ausländischen Winzer, einen Ungarn auf dem Coswiger Weingut Matyas. „Wir schätzen Fourrés Sachverstand als Sommelier und freuen uns, dass er immer neue Ideen einbringt. Das tut uns gut“, sagt Kastler. Der Franzose habe am Radebeuler Spitzhaus eine sehr gute Lage, aber „er macht auch Jahr für Jahr etwas daraus.“

Seinen Wein verkauft Fourré überwiegend an befreundete Sommeliers in sächsischen Restaurants, aber auch bei Weinfesten und an Privatkunden. „Leider ist die Bereitschaft, in guten Wein zu investieren, in der Bevölkerung nicht sehr groß“, bedauert er. „Nicht von ungefähr ist Aldi der größte Weinverkäufer in Deutschland.“Auch die alte traditionelle sächsische Küche mit Kartoffelpuffer und Klößen liegt dem Franzosen oft schwer im Magen. Lieber fördert er den Trend zu neuartigen Regionalprodukten und nimmt dafür an verschiedenen Marketing-Aktionen teil. „Zum Beispiel gibt es hier einige Molkereien in Sachsen, die machen ihren eigenen Käse. Der hat eine Qualität - wie bei uns in Frankreich.“

Von Birgit Holthaus, dapd

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