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Der Wunsch nach der Märchenhochzeit in Radebeul

Der Wunsch nach der Märchenhochzeit in Radebeul

Radebeul/Coswig/Meißen/Moritzburg. Die Schlösser, Villen und Burgen der Region sind bei Brautpaaren hoch im Kurs. Immer mehr Heiratswillige kehren auf der Suche nach dem Besonderen den Standesämtern den Rücken.

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Besonders mit dem herrlichen Park hinter der Villa Teresa kann Villa-Chefin Christiane Matthé bei Heiratswilligen auftrumpfen. Sie beobachtet einen regelrechten Hochzeitstourismus nach Coswig. Fotos (2): Martin Förster

Quelle: Martin Förster

Beispiel Radebeul: Von 294 Ehen im Jahr 2011 wurden 203 im Standesamt, 74 auf Schloss Wackerbarth und 17 im Weingut Hoflößnitz geschlossen. Im vergangen Jahr haben sich dagegen von den insgesamt 276 Paaren nur 150 im Standesamt das Jawort gegeben, dafür 107 auf Schloss Wackerbarth und 19 in der Hoflößnitz.

Gut möglich, dass dieser Trend in der Lößnitzstadt anhält, ist das Standesamt doch Ende Februar vom beschaulich gelegenen Rosa-Luxemburg-Platz ins eher funktional angelegte Rathausareal gezogen. Die neuen Räume im alten Postgebäude sind zwar mit viel Aufwand eingerichtet worden, dennoch fehlt der Charme des alten Standorts. Das soll ein Hochzeitsgarten richten, der künftig mit einem Springbrunnen aufgepeppt wird. Allerdings muss der nach einen Künstlerwettbewerb erst noch in Auftrag gegeben werden.

Außerdem ist die Neugestaltung an den umliegenden Parkplatzflächen für Rathausmitarbeiter und -besucher gerade erst in Auftrag gegeben, so dass in diesem Jahr nicht unbedingt mit allzuviel Idylle in dem Areal gerechnet werden kann. Einstweilen werde das neue Standesamt aber schon gut angenommen. "Die Brautpaare, die sich die neuen Räume angeschaut haben, waren begeistert", sagt Viola Haak aus dem zuständigen Rechts- und Ordnungsamt.

Ein ähnlich großes Wachstum externer Hochzeiten wie in Radebeul lässt sich nicht überall beobachten. So bleiben die Zahlen in Moritzburg relativ stabil (2013: 90 Trauungen im Standesamt, 52 im Schloss oder Fasanenschlösschen), in Meißen gehen sie sogar leicht zurück. Dort entschieden sich 2011 sieben Brautpaar für eine Trauung in Proschwitz, 47 für die Albrechtsburg und 227 für das Standesamt. 2013 waren es dagegen zwölf in Proschwitz, nur 29 in der Albrechtsburg und 217 im Standesamt. Aber insgesamt bleibt die Trauung an besonderen Orten beliebt.

Daran ändern offenbar auch die Preise nicht viel, die zusätzlich zu den Standesamtgebühren für die Raummieten an den externen Trauungsorten bezahlt werden müssen. So beginnen die Mietgebühren für die Albrechtsburg für den kleinsten Raum bei 550 Euro. In Moritzburg sind es 500 Euro für das Schloss und 650 Euro für das Fasanenschlösschen am Großteich.

Eine Besonderheit ist Coswig: Dort findet die Mehrzahl der Trauungen in der Villa Teresa und nicht im Standesamt statt. So wurden im Vorjahr 45 Ehen im Coswiger Rathaus geschlossen, 82 in der Villa. Mag sein, dass das etwas mit den Preisen zu tun hat, die mit 200 Euro Mietgebühren für eine Trauung nicht allzu heftig ausfallen. Andererseits hat sich das Ensemble aus historischer Villa und dahinter liegendem prachtvollen Park, der für die obligatorischen Hochzeitsfotos die geeignete Kulisse abgibt, herumgesprochen. 2003 wurden in der Villa erstmals Brautpaare getraut. Es waren insgesamt 14. Seither sind die Zahlen kontinuierlich gestiegen, bis an die Belastungsgrenze. So sind in diesem Jahr allenfalls noch im Oktober Termine zu bekommen, im nächsten Jahr sind Mai und Juni schon ausgebucht, wie Villa-Chefin Christiane Matthé sagt.

Noch früher melden muss sich, wer auch in der Villa zur Hochzeitsfeier bleiben will. 26 Gesellschaften feierten im vorigen Jahr das junge Eheglück. Sieben andere Veranstaltungen kamen hinzu. In diesem Jahr sind bereits 34 Hochzeitsfeiern und sieben andere Feste angemeldet. Ein ordentlicher Boom, der Matthé auch Zusatzeinnahmen in die Kasse spült, mit der sie die hochklassigen kulturellen Veranstaltungen, für die die Villa Teresa eigentlich bekannt ist, quersubventioniert.

Die Nachfrage wird auch durch die "Casa Bohemica" befeuert, die sich auf demselben Grundstück befindet. In dem frisch sanierten Gebäude befinden sich zwei Appartements, die zu den zwei Gästeappartements und der Suite in der Villa Teresa hinzu gemietet werden können. Entsprechend attraktiv sei der Ort für Paare, bei denen wenigstens ein Ehepartner aus der Region stammt und lieber in der alten Heimat als am neuen Wohnort Hochzeit feiern will. "Wir heiraten doch viel lieber bei Dresden als in Essen", habe erst neulich ein Ehepaar ihr gegenüber erklärt, sagt Matthé.

Sie beobachtet eine Art Hochzeitstourismus, der auch den sonst weniger beliebten Freitagstermin zu neuen Ehren kommen lässt: Da wird freitags in der Villa gefeiert, am Sonnabend das Gelände verlassen und der Sonntag für Ausflüge in die Region genutzt. Kein Wunder, dass Oberbürgermeister Frank Neupold (parteilos) immer wieder sagt: "Ein günstigeres Marketing als durch unsere Villa Teresa kann die Stadt nicht haben."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.05.2014

Uwe Hofmann

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