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"Der Stein" eröffnet die Landesbühnentage Radebeul

"Der Stein" eröffnet die Landesbühnentage Radebeul

Die meisten Leistungsschauen an Deutschen Theatern haben einen großen Hintersinn: zu sehen, mit wie viel Wasser die anderen kochen. Nicht anders bei den 16. Landesbühnentagen, die seit Sonntag erstmals in Sachsen stattfinden und wofür die gastgebenden Radebeuler gleich sechs ihrer Stammgastspielorte im Elbtal und in Nordsachsen einbeziehen.

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Szene aus "Der Stein" mit Sybill Güttner-Selka als Witha.

Quelle: Jürgen Meusel

Der Beginn war schlau gewählt, spielt doch Marius von Mayenburgs "Der Stein" hoch oben auf dem Dresdner Hirsch - und auch Radebeul kennt solche turmartigen Villen zuhauf. Nur sprüht hier wie da niemand "Wessis raus" mit drei Ausrufezeichen an die Mauern. Doch das Stück spielt ja auch 1993, als die ersten Eigentümer ihre bei der DDR-Flucht verlassenen Gebäude in treuhänderischer Güte zurückgeschenkt bekamen.

So auch Familie Heising, die nur aus drei Damen in drei Generationen besteht und einige Geheimnisse birgt, die vor allem die 15-jährige Enkelin Hannah (Lisa Marie Liebler) bewegen, hat sie doch den Plan gefasst, die einstige Besitzerin der Villa, die heute vermeintlich in New York als berühmte Galeristin leben und dort einst Max Beckmann berühmt gemacht haben soll, zu besuchen.

Denn die Mär der familiären Judenrettung, so überlieferten es ihr Mutter Heidi (Marie-Luis Kießling) und die leicht demente Oma Roswitha (Sybill Güttner-Selka) unisono, hat es über alle 48 Jahre der Handlung, die per Rückblenden in mehreren Zeitebenen spielt, geschafft. Mählich werden die Verknüpfungen erkennbar: Omas Wolfgang (Gerold Ströher) beerbte seinen jüdischen Chef 1935 sowohl am Institut als auch zu Hause üblich unlauter und erschoss sich dann 1945 wie ein ordentlicher Nazi, bevor die Russen kamen. 1953 verpissten sich Oma und Mutter gen Westen, 1978 kamen beide nochmal zurück, um im Garten Papiere zu suchen. Da war Hannah schon im Bauch und das Haus von der jungen Stefanie (Julia Siebenschuh) bewohnt, die nun dank der Rückübertragung den Großvater und ihr Zuhause verliert, während ihre Eltern auch in den Westen flohen. Sie will jetzt zumindest lautstark stören - nur leider weiß sie nichts von der früheren feindlichen Übernahme, bei der nicht nur das Klavier der elitären Mignon "Mieze" Schwarzmann (Mona Luana Schneider) draufging.

Hannes Hametner inszeniert das in Ruhe, seriös, ohne Ekstase, aber auch ohne Überraschungen in einer pausenlosen 90-Minuten-Version, so dass es niemanden überfordert. Das ist nicht leicht, denn Mayenburgs Text ist bedeutungs- wie schuldschwanger überladen.

Dennoch ist diese Art westgesamtdeutsche Sicht auf das Zusammenwachsen vom Sujet her durchaus interessant: Denn in jeder Grund- und Bodenhistorie steckt vergangenes wie gelebtes Unrecht, in jeder Familienbiografie harren solch verborgene Lügen in Form von nachgelagerter Schönrede. Leider endet das Stück genau dort, wo es anfängt, spannend zu werden, und an der Szenen- und Rollenvielfalt verzweifelte nicht nur die Dresdner Inszenierung im Societaetstheater, sondern schon die Salzburger Uraufführung vor rund sieben Jahren. Da tat die Harzer Kürze gut.

Vorausgegangen war eine kurze Eröffnung des Treffens, die es seit 1981 meist aller zwei Jahre gibt, in der es sich Matthias Rößler als Schirmherr und Landtagspräsident nicht nehmen ließ, den sächsischen Anteil an der ostdeutschen Revolution hervorzuheben. Bereits im Vorwort zum Programmheft dieser Tage fiel er mit der These auf, dass sich die Landesbühnen seither "zu einer schauspielerischen, musikalischen, tänzerischen, dramaturgischen und logistischen Qualität aufgeschwungen haben, wie sie dem Raum Dresden entspricht".

Gastgeber Manuel Schöbel verwies nach dem Schlussapplaus auf das einzige große Musiktheatergastspiel, das bereits heute nach Radebeul lockt: Die Oper von Philip Glass nach der Poe-Novelle "Der Untergang des Hauses Usher", dargeboten vom Theater Hof.

Landesbühnentage bis 29. März

www.landesbuehnentage.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 17.03.2015

Andreas Herrmann

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