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Der Speckgürtel wird breiter: Meißen präsentiert ersten Immobilienbericht

Boomtown Meißen? Der Speckgürtel wird breiter: Meißen präsentiert ersten Immobilienbericht

„Meißen ist an der Reihe“, sagt Andrè Adami. Für das Berliner Büro der Bulwiengesa AG hat er eine Studie erstellt, in der die Porzellanstadt als Immobilienstandort untersucht wird. Die Studie ist als Köder gedacht, mit der die Stadt Investoren anlocken will, die auf dem Dresdner Markt nicht zum Zuge kommen.

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Blick über die Meißner Altstadt. Während dort vor allem die Sanierung denkmalgeschützter Substanz das Thema ist, gibt es in den Randbereichen der Stadt jede Menge neue Siedlungsgebiete für Häuslebauer.
 

Quelle: Uwe Hofmann

Meißen.  „Meißen ist an der Reihe“, sagt Andrè Adami. Für das Berliner Büro der Bulwiengesa AG hat er eine Studie erstellt, in der die Porzellanstadt als Immobilienstandort untersucht wird. Ihr Tenor lässt sich in groben Zügen so beschreiben: Weil es auf dem Dresdner, Radebeuler und auch Coswiger Immobilienmarkt immer schwieriger sei, ein günstiges Grundstück zu ergattern, werde sich der Immobilienboom künftig mehr auf Meißen verlagern. „Investoren suchen immer nach einer Möglichkeit, günstig einzukaufen“, sagt Adami. „Sie blicken in die zweite Reihe“ und sehen dort: Meißen.

Die Vorzüge der Stadt zu betonen, wird Oberbürgermeister Olaf Raschke (parteilos) seit Jahren nicht müde. „Aber uns sagen Investoren dann immer: Ist doch klar, dass ihr alles mit rosaroter Brille seht, es ist ja schließlich eure Stadt.“ Deshalb sei es wichtig, dass man für den ersten Meißner Immobilienbericht den unabhängigen Immobilienberater Bulwiengensa engagiert habe. Während Raschke vor allem weiche Faktoren aufzählt, etwa die zwei neu gebauten Kitas der letzten zwei Jahre sowie Einkaufs- und Kulturangebote in der Stadt und nicht zuletzt die Nähe zu Dresden, hat Bulwiengensa ein hartes Zahlenwerk vorgelegt.

„Jetzt entdecken viele die Stadt mit neuen Augen“, schildert Raschke eine Erfahrung, die er bei Gesprächen auf dem ersten Meißner Immobiliensymposium gemacht hat. Dazu hatte die Stadt in dieser Woche eigens geladen, um den Bericht in geeignetem Rahmen vorzustellen. Das Treffen hat die Stadt mit Unterstützung der Sparkasse Meißen und der Volksbank und Raiffeisenbank Meißen-Großenhain innerhalb eines Jahres vorbereitet. Einladungen gingen vor allem an Planer, Banker, Architekten und weitere Berufsgruppen aus Branchen, die allesamt mit Investoren zu tun haben. Die Strategie dahinter wird klar, wenn man weiß, dass unter den mehr als 100 Gästen etwa 80 von außerhalb der Stadt kamen. Die Hälfte der Einladungen seien nach Dresden gegangen, sagt OB Raschke. Für ihn ist das der Schritt an die Quelle, machten Investoren in Dresden doch mehr und mehr die Erfahrung, dass sich ihre Pläne wegen hoher Preise oder weil geeignete Grundstücke nicht verfügbar sind nicht so einfach realisieren lassen. In Meißen ist dagegen sei vieles möglich, sollen diese Investoren frühzeitig erfahren.

Das betrifft zum einen Häuslebauer. So hat die Stadt neben dem derzeit im Bau befindlichen Ziegeleipark weitere acht Wohngebiete mit insgesamt 134 000 Quadratmetern in Arbeit. Der Durchschnittspreis für den Quadratmeter Bauland liegt laut Studie bei 54 Quadratmetern und damit zum Teil deutlich unter den Angeboten anderer Gemeinden im Dresdner Speckgürtel. Außerdem sind laut Bericht Eigentumswohnungen im Bestand, die derzeit eine beliebte Kapitalanlage sind, in der Regel noch unter 1000 Euro je Quadratmeter zu haben. „Damit können auf Basis der durchschnittlichen Mieten von 5,20 Euro pro Quadratmeter Renditen von sechs Prozent und mehr erzielt werden“, heißt es in der Studie.

Raschke will mit Bericht und Symposium aber auch Gewerbe und Handel ansprechen. Nicht ohne Grund habe man den Vorstand des Dresdner Konsums eingeladen, sagt er. Den dürfte zum Beispiel die Kaufkraftkennziffer interessiert haben, die die Studie bei 81,9 und damit unter dem Bundesdurchschnitt verortet (Dresden: 105,9). Die Tendenz sei aber ansteigend, wie auch die durchschnittlichen Einkommen der Meißner von 2009 auf 2015 um 19 Prozent auf 17 915 Euro angestiegen seien.

Das ist nicht der einzige positive Trend, weshalb man die Studie durchaus zum richtigen Zeitpunkt in Auftrag gegeben hat, wenn man damit eine positive Entwicklung der Stadt belegen wollte. So ist der Einwohnerschwund seit 2013 gestoppt, was allein an einem positiven Wanderungssaldo liegt. 2014, also vor dem Heraufschnellen der Asylbewerberzahlen, verzeichnete Meißen einen Zuwachs um 137 Einwohner. 2015 waren es aufgrund der Unterbringung von Flüchtlingen 800. Derzeit leben etwa 27 500 Menschen in Meißen. Mehr als 12 000 Arbeitsplätze gibt es in der Stadt, gegenüber 2008 ein Anstieg um 540. Da es nur 9000 werktätige Meißner gibt, ist die Quote der Pendler in die Stadt hinein relativ hoch. Unter ihnen hofft man, neben den Dresdnern, vor allem Neubürger zu finden.

Die Studie zeigt allerdings auch Probleme auf. So ist die Altersstruktur der Stadt alles andere als ein Ausweis eines jungdynamischen Gemeinwesens. 28 Prozent der Meißner sind 65 Jahre und älter, nur 14 Prozent unter 18 Jahre alt. Genau das wolle man durch das Ausweisen von Siedlungsgebieten ändern, sagt OB Raschke. In Einfamilienhäuser zögen schließlich vor allem junge Familien.

Von Uwe Hofmann

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