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Der Meißner Winzer Tim Strasser sieht sich im Aufwind - Rothes Gut feiert im Sommer erstes Hoffest

Der Meißner Winzer Tim Strasser sieht sich im Aufwind - Rothes Gut feiert im Sommer erstes Hoffest

Meißen. Tim Strasser hat eigentlich immer ein Lächeln auf den Lippen. Der 29-jährige Winzer und Techniker für Weinbau und Kellerwirtschaft hat auch allen Grund zur Feude.

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Tim Strasser hat sich innerhalb von fünf Jahren einen Namen als sächsischer Winzer gemacht.

Quelle: Lars Müller

Sein Rothes Gut in Meißen entwickelt sich prächtig. Im Sommer feiert das Weingut sein fünfjähriges Bestehen. Obwohl noch so jung, werden die Weine von Tim Strasser und seinem Kellermeister Martin Biedermann in der Fachpresse hochgelobt, Strasser mitunter sogar als der Newcomer in Sachsen gefeiert. Selbst Branchenkenner wundern sich über den regelrechten Hype, wenngleich wohl alle Weinkenner den Tropfen aus dem Rothen Gut neidlos eine kontinuierliche Qualitätssteigerung bescheinigen.

Tim Strasser bleibt bei all dem Rummel deshalb auch eher bescheiden. Er ist kein Typ, den es ins Rampenlicht drängt. "Wir arbeiten in der Landwirtschaft", sagt er. Da gehe es auf und ab, dafür sorge schon alleine das unberechenbare Wetter. Mit rund elf Hektar in der Lage Meißner Ratsweinberg gehört Strasser wahrlich nicht zu den kleinsten Haupterwerbswinzern der Region. Drei Mitarbeiter hat der Weinbauer, darunter seine Freundin Annekatrin Rades, die als gelernte Sommeliére mit viel Charme die Weine des Rothen Gutes vermarktet und mit Hingabe die Besuchergruppen durch Weinberge und Kellerei führt.

Die Eltern des Winzers, die schon in der DDR eine kleine Rebfläche für die Genossenschaft bewirtschafteten, helfen ebenfalls mit beziehungsweise sind Eigentümer der Weinberge. Bei den Sachsen kommt das an. "Es ist ein kleiner Betrieb mit Winzern vor hier", schwärmen Weinfreunde immer wieder, wenn Strasser auf Weinfesten ausschenkt.

Bekannt, ja geradezu berühmt-berüchtigt ist der Winzer vor allem für Hibernal und Helios, die er erstmals in Sachsen pflanzte und sortenrein ausbaute. Die neuen, pilzwiderstandsfähigen Rebsorten polarisieren - sie haben eingefleischte Fans, aber auch strikte Gegner unter den Weinfreunden. Tim Strasser zuckt mit den Schultern. So sei das eben, sagt er gelassen. Der Winzer steht zu diesen beiden Sorten, durch sie wurde er nicht nur bekannt, sie haben sich auch bewährt in seinen Weinbergen.

Natürlich gehören auch traditionelle Klassiker wie Müller-Thurgau, Spätburgunder, Grauburgunder, Goldriesling oder Traminer zum Rebsortenspiegel des Rothen Gutes. Viele Anlagen sind jung. Der recht sensible und von Wespen geliebte Frühburgunder kommt erst in diesem Jahr in Ertrag. Älter als der Winzer sind hingegen Reben aus dem elterlichen Bestand, etwa Riesling und Traminer. Sie würden mit gut 30 Jahren demnächst ihre wirtschaftlichen Grenzen erreichen.

In vier Jahren, so schätzt Tim Strasser, werde er die alten Rebstöcke roden. Genaue Pläne, was er dann dort pflanzt, hat er noch nicht. Aber der Winzer, der auf Wackerbarth gelernt und im fränkischen Veitshöchheim seinen Techniker gemacht hat, ist aufgeschlossen. So baut er auch Solaris sortenrein aus, andernorts wird diese frühreifende Rebsorte insbesondere für Federweißer verwendet. Es lässt sich aber auch eine schöne Spätlese daraus machen. Und was Süßes schätzten Senioren besonders zu Kaffee und Kuchen, sagt Annekatrin Rades. Dass Tim Strasser mit seinen Weinen so falsch nicht liegen kann, dürfte die Tatsache beweisen, dass er Ende 2014 komplett ausverkauft war.

Vom neuen Jahrgang 2014 hat er 48 000 Liter in Tanks und Fässern - so viel wie noch nie zuvor. Bei der Lese habe er trotz Fäulnisdrucks im feuchtwarmen Erntewetter herausholen können, was möglich war. Maximal sechs Tonnen in drei Pressdurchläufen könne das Rothe Gut pro Tag verarbeiten, sagt er. Dann müssten aber Freunde und Familie mit anpacken. Obwohl die Tankkapazitäten für 100 000 Liter reichen, baut Tim Strasser derzeit keine Weine für andere Winzer aus. "Wir konzentrieren uns auf unsere eigenen Trauben", sagt er. Diese werden fast ausschließlich von Hand gelesen, obwohl die Anlagen überwiegend techniktauglich wären und auch mit Vollernter befahren werden könnten. In diesem Jahr will der Winzer in neue Technik für den Weinberg investieren, einen Vollernter wird er sich aber nicht leisten. Stattdessen stehen ein neuer Traktor und Spritztechnik auf dem Wunschzettel.

Später sollen eine Vinothek, ein modernes Kühllagerhaus, ein Wohnhaus und Ferienwohnungen am Rothen Gut entstehen. Bis alles fertig ist, könnten aber noch zehn Jahre ins Land ziehen. Das Rothe Gut gibt es - das beweist ein Schlussstein mit Datum - seit genau 250 Jahren. Es war ein landwirtschaftliches Anwesen mit Scheunen und Ställen, Winzer wirkten allerdings nachweislich schon seit 1780 in dem Gut. Am 11. und 12. Juli will der Winzer zunächst sein fünftes Jubiläum feiern. Erstmals ist ein eigenes Hoffest geplant mit viel Musik und Wein und allerlei Attraktionen. Bisher hat sich der junge Betrieb nur am sachsenweiten Tag des offenen Weinguts beteiligt. Trotzdem finden bei schönem Wetter an den Wochenenden immer mehr Spaziergänger den Weg zum jungen Weingut in alten Gemäuern. Tim Strasser ist längst eine feste Größe in der sächsischen Weinwelt geworden.

www.rothesgut

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.04.2015

Lars Müller

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