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Der Landschaft verpflichtet: Maler Jochen Fiedler zeigt in Pirna Werke aus zwei Jahrzehnten

Der Landschaft verpflichtet: Maler Jochen Fiedler zeigt in Pirna Werke aus zwei Jahrzehnten

Der in seiner Arbeit vor allem auf die Landschaft orientierte, in Dresden gebürtige Maler Jochen Fiedler (geb. 1962) befindet sich in bester Gesellschaft. In der hiesigen Kunst hatte - und hat teilweise noch - das Landschaftssujet einen nicht weg zu denkenden Platz.

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Jochen Fiedler. Tafelberge im Abendlicht, Öl, 2009. Repro: PR

Das heimische Umfeld bot und bietet dafür inspirierende Voraussetzungen, wobei jede Künstlergeneration, so weit es ihr vergönnt war, sich immer auch anderen Gefilden - besonders denen Italiens, Frankreichs oder etwa der Nordseeküste, in Abhängigkeit von den unterschiedlichen Zeitläuften und ihren Kunstrichtungen, seien es die Romantik oder die Freilichtmalerei - zuwandte. Es ging um Maßstab setzende Kulturerfahrungen, aber ebenso anderes Licht, andere Landschaftserlebnisse.

Auch Jochen Fiedler suchte diese - dann, als es möglich war: ab 1992 reiste er häufig in die Provence, die Toskana, nach Umbrien, in die Pfalz. Daheim hatte er zuvor - er studierte 1982 bis 1988 an der Hochschule für Bildende Künste Dresden, war hier anschließend ein Jahr Meisterschüler von Gerhard Kettner - etwa in der Kunst Theodor Rosenhauers und Paul Wilhelms sowie der französischen Impressionisten für sich Inspirierendes gefunden. Ältere Bilder des Künstlers - auch dabei viele Landschaften - zeigen die typisch dunkel-kräftigen "Dresdner" Farbtöne, manchmal den bekannten "Grauschleier" gedämpfter Tonigkeit. Im Fall des etwas anderen, recht traurig wirkenden "Stillleben(s) mit Puppe" (1990), auf dem Sonnenblumen in einer hellen Flasche vor sich hin welken, erscheint diese Farbwahl heute wie eine Reflektion auf die damalige, sicher auch mit Ungewissheit erfüllte Zeit.

Das Stillleben sowie einige weitere der früheren Bilder sind Teil von Fiedlers jüngster, seinem 50. Geburtstag gewidmeten Präsentation im Stadtmuseum Pirna. Zu sehen sind "Gesichter einer Landschaft", die seit 15 Jahren - seit- dem wohnt Fiedler in Cunnersdorf bei Hohnstein in der Sächsischen Schweiz - die seine ist. Es sind Ergebnisse eines Schaffens, das sich in hohem Maße vor der Natur vollzieht, vom unmittelbaren Eindruck inspiriert ist. Freilich ist dies kein Dogma. Mitunter kann ein Pastell, das draußen entstand, Vorlage für ein Ölbild werden. Beides - Landschaftspastelle und -ölbilder - bilden denn auch den Hauptteil des Gezeigten. Dabei sind Werke, die wie "Lochmühle in Aprilsonne" (2010) einen Ort, ja seine Aura vergegenwärtigen, sie festhalten. Angesichts des fortschreitenden Verfalls, auf den eine - zugegeben - eher "gnädige" Sicht gewählt ist, wird das Bild zum Zeugnis der Erinnerung an einen geschichtsträchtigen Platz. Andere Werke, so die flächigen "Tafelberge am Abend" (2008), bieten in großem Panorama eine Sicht auf die Sächsische Schweiz, die einen Hauch von Ewigkeit auszustrahlen scheint, wenngleich dabei dankenswerterweise keine Verklärung herauskommt.

Anders bemerkenswert sind Bilder wie der etwas ältere "Erzgebirgshof im Winter" (2001), der mit einer gewissen Leichtigkeit des Pinselstrichs daherkommt und dem Betrachter damit durchaus das Gefühl der Besonderheit dieses Mittelgebirges im Winter, der rau sein kann, vermittelt. Hingewiesen sei zudem auf unvermittelt wirkende Pastelle, mit denen Fiedler die "Felsen am Basteimassiv" (2009), einen alten "Blühenden Wildkirschbaum" (2011) oder den "Bootshafen in Pirna" (2009) bildhaft festhält.

All diese Landschaftsdarstellungen wirken zwar traditionell, aber nicht altbacken, sind voller Empfindung für den "Wert" der blühenden Gärten oder Rapsfelder, der Dörfer mit den "Gesichtern" alter Fachwerkhäuser und der Hügelketten, aus denen die Tafelberge ragen. Fiedler versucht gar nicht erst, sich "modern", zeitgeistig, zu geben. Das würde nicht zu ihm passen, nicht zu seinem Anliegen, ein realistisch geprägtes Bild von jener Kulturlandschaft zu schaffen, in deren Zentrum die Stadt Dresden liegt. Diesem auf die Realität gerichtetem Anliegen folgen auch die Zeichnungen von Menschen seines Umfeldes. Einen besonderen Platz in der Ausstellung nimmt das Porträt des für viele Dresdner Künstler zur wichtigen Leitfigur gewordenen Kunstkritikers Diether Schmidt ein, der vor nicht allzu langer Zeit verstarb.

Die umfangreiche Schau, in der zudem zahlreiche Skizzen und Studien gezeigt werden, gibt über zwei Etagen des Pirnaer Stadtmuseums Einblick in ein umfangreiches Schaffen, das auch etwas spüren lässt von der Freude und dem Drang, immer wieder zu Stift, Kreide und Pinsel zu greifen. Die Ausstellung "Gesichter einer Landschaft" zeigt zugleich das Reifen dieses Künstlers in seinem selbst gewählten Feld.

Bis 11. November, Di-So 10 bis 17 Uhr. 3. November, 14 Uhr: Ausstellungsrundgang mit Jochen Fiedler; 10. November, 19.30 Uhr: Galeriekonzert

www.museum-pirna.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 02.11.2012

Lisa Werner-Art

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