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Der Herr über die Mondbäume von Tharandt

Der Herr über die Mondbäume von Tharandt

Stephan Holfert bewirtschaftet im Tharandter Wald eine geheimnisumwitterte Weihnachtsbaumplantage. Am 28. November leuchtet der nächste Vollmond über Sachsen.

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Arbeitsrythmus nach dem Mond: Stephan Holfert in seiner Plantage.

Tharandt . Tharandt (DNN). Stephan Holfert bewirtschaftet im Tharandter Wald eine geheimnisumwitterte Weihnachtsbaumplantage. Die ersten Blaufichten schneidet der Forstingenieur stets schon drei Tage vor dem elften Vollmond - dann nadeln sie später

Am 28. November leuchtet der nächste Vollmond über Sachsen. So wird Holfert drei Tage zuvor in seinem Blaufichtendickicht die ersten Weihnachtsbäume der Saison schneiden. Allerdings, so betont er, dürfe er die Säge erst nach Sonnenuntergang ansetzen. Schließlich nenne sich das, was wieder eine ganze Reihe Kunden bei ihm vorbestellte, Mondbäume. "Sie behalten dann acht Wochen lang ihre Nadeln - aber nur, wenn sie drei Tage vorm elften Vollmond geschlagen wurden", erzählt der 31-Jährige.

Holfert ist selbst diplomierter Forstwirt. Mit Aberglauben hat er nichts am breitkrempigen Försterhut. Dennoch weiß er, dass irgendetwas dran sein muss an der Rolle, die dem Mond beim Wachstum von Pflanzen unterstellt wird. Wissenschaftlich bewiesen sei es nicht, sagt er. Doch steckten hinter dem Mondkalender letztlich jahrhunderte- alte Beobachtungen von Förstern und Landwirten. So lasse sich auch Waldholz, das jeweils am 1., 7., 25. oder 31. Januar geschlagen wird, problemlos zu Dachrinnen verarbeiten: "Es modert nicht." Und die Stämme der Bäume, die man am 1. März nach Sonnenuntergang fällt, wären so unbrennbar fest, dass sie selbst für Kaminschlote taugten.

"Wir haben schon in der Lehre im Forstamt Tharandt Mondholz geschlagen", verrät er. Zudem weiß er, dass man damit in Bayern "extreme Preise" erzielt. Auch sein Opa schlug, solange er denken kann, den jährlichen Baum fürs Fest stets drei Tage vor dem elften Vollmond: "Die Nadeln hielten dann bis in den Februar." Der junge Waldexperte hat seine eigene Theorie dafür: Bei zunehmendem Mond steige der Saft der Wurzeln in den Stamm und zu den Ästen hinauf, bei kleiner werdendem Mond sinke er dann wieder. Also wiesen die Zweige bei Vollmond "den höchsten Wassergehalt auf, was dann den Nadeln zugute kommt".

Ökologischer Anbau

Von Wilfried Wetzel, seinem Großvater, übernahm Holfert auch die Plantage, die er momentan im Nebenerwerb bewirtschaftet. Heute hat er hier knapp 6000 Blaufichten stehen. Denn diese Baumart gilt als weitgehend resistent gegenüber Schädlingen. "Das ist wichtig, da wir rein ökologisch arbeiten, ganz ohne chemischen Pflanzenschutz", versichert er. Tannen hingegen wären gerade hier im Gebirgsvorland spätfrostgefährdet. Da Forstreviere knapp sind in Sachsen, arbeitet Holfert derzeit beim Grünflächenmanagement in Dresden. Für acht Wochen ist er sogar ganz zu Hause - in väterlicher Elternzeit. Das schafft ihm auch Freiräume für die Vermarktung der Weihnachtsbäume, die er am 8. Dezember beginnt. Erneut rechnet er mit einem soliden Geschäft. "Der Trend geht zum Zweitbaum", schmunzelt er. Immer mehr Familien kauften erst eine Fichte für Terrasse oder Kinderzimmer und dann später noch eine für die gute Stube.

Überdies begännen lohnende Zeiten für heimische Weihnachtsbaumerzeu- ger, beobachtet er. Allein Sachsen importierte 2011 etwa 28 000 Bäume weniger als im Jahr zuvor, weiß er aus dem Arbeitskreis Sächsischer Weihnachtsbaum und Schmuckreisig beim Waldbesitzerverband. Einen Grund dafür lieferte die EU: Vor allem in Dänemark, wo das Gros der Einfuhrtannen wächst, wandelte man einen Teil der Nadelbaumanlagen in Ackerkulturen um, da diese besser gefördert werden. In Deutschland fehle es jedoch an Flächen, um dies adäquat aufzufangen, so Holfert. Steigende Preise schienen drum unausbleiblich. Mit elf Euro je laufenden Meter sieht er sich indes "weder zu teuer, noch zu billillig".

Seine Blaufichten glaubt er dabei "jeder Nordmanntanne aus dem Baumarkt" qualitativ weit überlegen. Denn in Nordeuropa würden diese bereits Anfang Oktober geschlagen, kämen dann per Schiff oder Bahn ins Land, lagerten nun aber noch Wochen bis zum Verkauf: "Klar dass sie dann nicht mehr so intensiv duften." Er dagegen erlebe im Advent "regelrechte Familienevents" bei seinen Kunden: "Erst geht man gemeinsam essen, dann holt man sich bei uns eine Säge, sucht sich seinen Baum aus - der Opa filmt noch das Ganze." Mancher chartere bei Holfert sogar noch ein Pferdegespann für den effektvollen Transport vom Wald zum Auto.

Harald Lachmann

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.11.2012

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