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Der Freistaat Sachsen stellt der Porzellan-Manufaktur Meissen eine Stiftung an die Seite

Der Freistaat Sachsen stellt der Porzellan-Manufaktur Meissen eine Stiftung an die Seite

Peng! Miese Kommunikation vor Ort. Peng! Das Kerngeschäft Porzellan nicht hinreichend im Blick. Peng! Fast ein wenig unbarmherzig klingt das Fazit jener sechs Jahre, in denen Geschäftsführer Christian Kurtzke der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meissen neue Pfade in die große, teure Luxuswelt geebnet hat.

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Gut 700 000 Gussformen lagern im Formenarchiv der Porzellanmanufaktur Meissen - diesen Schatz und die Museumsbestände verwandelt der Freistaat jetzt über den Ankauf durch eine neu gegründete Stiftung in Kapital fürs Unternehmen.

Quelle: Martin Förster

Kein Gewinn. Die Quittung kam Freitagnacht. Nach monatelangem Check der Manufakturgeschäfte durch die Wirtschaftsprüfer von KPMG spielt der Freistaat die Gesellschafterkarte. Finanzminister Georg Unland (CDU) installiert an Kurtzkes Seite einen kaufmännischen Geschäftsführer, "um die rund 650 Arbeitsplätze zu sichern und die Vernetzung mit dem lokalen Umfeld zu verbessern". Er beruft einen Beirat, der fachlich berät. Und er hat die "Meissen Porzellan-Stiftung GmbH" gegründet, die über einen Geschäftsbesorgungsvertrag exklusiv mit der Manufaktur zusammenarbeitet und durch Erwerb von Formen und Dekoren künftig über deren Bestand gebietet.

Kann Kurtzke Kurs halten?

Aus Kurtzkes Sicht hätte es schlimmer kommen können. Immerhin war seit Wochen über seine Abberufung spekuliert worden. Denn der 45-Jährige und sein Luxus-Kurs sind äußerst umstritten. Viele kreiden ihm die Entfernung vom Kerngeschäft der gut 300 Jahre alten Traditionsfirma an und werfen ihm unbezahlbare Höhenflüge vor. Doch es gibt auch die andere Fraktion, die an sein Konzept vom Luxuskonzern glaubt. 2013 hatte Kurtzke die Holding "Meissen Couture" gegründet. Er ist mit deren Sparten "Meissen-Joaillerie", "Meissen-Fine Art" und "Meissen-Home" in den Luxuszentren der Welt angekommen, feiert erste Achtungserfolge mit Schmuck, Mode und Möbeln, auf denen die gekreuzten Schwerter prangen. Sein Ziel: In einer Liga spielen mit Gucci, Dior und Bulgari. Mit Kurt Biedenkopf hat er einen treuen Gewährsmann im Aufsichtsrat, der für 2017 unerschrocken schwarze Zahlen vorhersagt. Doch zu Hause, in Meißen und Dresden, bröckelt Kurtzkes Image zum Gotterbarmen.

Seine Gegner sitzen nicht nur, aber vor allem in Meißen, wo er im Interesse seiner vielfältigst zum Patent angemeldeten Marken eine lokale Firma nach der anderen mit Klagen überzieht, um ihr die Nutzung des Namens Meißen in jeder Schreibweise zu untersagen.

Knoten im Markenstreit zerschlagen

Stadtrat und Bürger laufen seit Monaten Sturm, das Finanzministerium hält sich seit Monaten dezent zurück und schaut zu, ob sich Kurtzke da rauswinden kann. Kann er bislang nicht. Der Stadtrat ist wild entschlossen, im Dezember ohne gütliche Einigung die Löschung aller Marken von Meissen zu beantragen. Rufe nach einer Schlichtung durchs Land verhallten schlicht. Das sei kein politisches, sondern ein rechtliches Problem, hieß es auf DNN-Nachfragen aus dem Finanzministerium. Nun eskaliert es munter vor sich hin. Vielleicht schafft es ein zweiter Geschäftsführer, der öfter präsent ist, tatsächlich, die verhärteten Fronten im Markenstreit aufzuweichen.

Eleganter will das Land das Problem mit den Erträgen lösen. Trotz der zuletzt 2012 gemeldeten gut 40 Millionen Euro Umsatz bei Meissen-Couture musste der Freistaat inzwischen 14,8 Millionen Euro - Geld des Steuerzahlers wohlgemerkt - zuschießen, um Kurtzkes rasanten Expansionskurs zu finanzieren. Mailand, London, China: Firmensitze und Ladenadressen stehen. Nur abwerfen tun sie halt noch nichts. Die Kundenakquise in diesem für Meissen neuen Marktsegment ist ein zähes Ringen, planbare Absätze in Größenordnungen die Ausnahme.

Unlands Ausweg: "Wir gründen eine neue Gesellschaft". Die Porzellan-Stiftung soll das Kapitalproblem zumindest auf absehbare Zeit lösen. Durch den Kauf der gut 700 000 eingelagerten Formen, der über 60 000 Dekore und der etwa 9000 Museumsobjekte für einen "zweistelligen Millionenbetrag" pumpt das Land frisches Geld ins Unternehmen.

Strenge Augen der EU-Wächter

Dass staatliche Stiftungen nur zu oft der Bewältigung finanzieller Notstände dienen, ist eine Binse. Die neue Porzellan-Stiftung nun zählt zu Sachsens Beteiligungsgesellschaften. Damit nicht der Ruch wettbewerbsverzerrender Subventionierung aufkommt und einschlägige EU-Wächter auf den Plan ruft, haben Unland und seine Mitstreiter "monatelang intensiv geprüft", um alles wasserdicht zu machen. Offenbar mit Erfolg.

Das heißt im Falle einer wettbewerbskonformen Stiftung aber auch, dass sich der Freistaat als Firmen- und Stiftungseigner jeden direkten Einfluss aufs Unternehmen verkneift. Obwohl er sicher hofft, dass seine Wünsche als Geldgeber nicht ignoriert werden. Mit der Installation eines zweiten Geschäftsführers in der Manufaktur dürfte das gelingen.

Und der Fakt, dass die Manufaktur künftig keine Form und kein Design ohne die am Ort ansässige Stiftung nutzen darf, wird ein Übriges tun. Ebenso wie die Meisterschule, die über die Stiftung betrieben werden soll. Sie verleiht Unlands Ruf nach Bewahrung des Markenkerns Gewicht. So wie die Stiftung zum Ziel hat, das kulturelle Erbe der sächsischen Porzellankunst zu bewahren, soll es die Schule mit der dazu nötigen Handwerkskunst tun. Darüber hinaus soll sie künftigen Entwicklungen Rechnung tragen, neue Ideen für den Markt umsetzen helfen, Fertigkeiten schulen.

Der Freistaat hat - offiziell im Namen der Tradition - Pflöcke eingeschlagen. Bleibt abzuwarten, ob es auch Scherben gibt.

Barbara Stock

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